Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthaler Fahrradturm nur für schlanke Räder: XL-Lösung kommt

Wer wissen will, ob sein Rad für den neuen Parkturm am Frankenthaler Hauptbahnhof geeignet ist, muss die Größe seines Drahtesels
Wer wissen will, ob sein Rad für den neuen Parkturm am Frankenthaler Hauptbahnhof geeignet ist, muss die Größe seines Drahtesels kennen.

Kaum ist der Fahrradparkturm eröffnet, meldet sich eine Leserin, weil ihr E-Bike nicht reinpasst. Auch der ADFC Frankenthal stößt an Grenzen. Wann Abhilfe kommen soll.

Dass der gerade eröffnete Fahrradparkturm am Hauptbahnhof von Frankenthal nicht jede Radgröße in seinen Boxen unterkriegt, wurde von Anfang an kommuniziert. Auch, dass an Lösungen für XL-Räder gearbeitet wird, wurde spätestens bei der Eröffnung mitgeteilt. Doch nicht immer kommt so etwas beim Endkunden auch an. Wie im Fall von Bettina Orfanelli. Als die Heßheimerin von dem Turm hört, ist sie von der Idee angetan. „Ich hätte mir vorstellen können, öfter mal zu pendeln mit meinem E-Bike von Heßheim nach Frankenthal“, sagt sie der RHEINPFALZ.

„Ich habe mir vor Ort die notwendige App heruntergeladen, ein junger Mann hat mir dabei geholfen“, erzählt sie. Der freundliche Mann habe an jenem Samstag allen Interessierten Hilfestellung gegeben. Dann jedoch folgt die Ernüchterung. „Es hat ein bisschen gedauert, aber als ich endlich das Fahrrad reinschieben wollte, kam raus, dass mein Lenker zehn Zentimeter zu groß ist für diese Konstruktion.“

E-Bike passt nicht in den Turm

Dass ihr E-Bike der Marke Malaguti zu groß sei, daran habe sie vorher nicht gedacht. „Ich bin nur 1,60 Meter groß, mein E-Bike ist eher klein und der Lenker ist ein bisschen breiter. Aber aus meiner Sicht ist das üblich für E-Bikes“, sagt Orfanelli. Maximalmaße für die Boxen im Parkturm habe sie in der App nicht gefunden oder angezeigt bekommen. Tatsächlich sind diese an mehreren Stellen des Turms angeschrieben. Doch auch der nette Helfer habe das laut Orfanelli nicht gesehen. Dass ihr bei bereits geöffneter Box keine Kosten entstanden sind, liegt an den Freiminuten, die sie zum Start in der App geschenkt bekommen hat.

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Als sie am vergangenen Samstag in der Stadt war, habe sie ihr teures E-Bike dann wohl oder übel mit zwei Schlössern auf normale Art abschließen müssen. Das Angebot erneut probieren will sie erst, wenn klar ist, dass es eine Lösung für Räder ihrer Größe gibt.

ADFC-Vorsitzender kriegt E-Bike nicht unter

Die Heßheimerin ist nicht die einzige, die mit dem Turm ihre Probleme hat. Das Thema treibt auch den Fahrradverein ADFC Frankenthal um. Anfang der Woche wurde die Größe der Boxen beim Radlertreff diskutiert, wie Peter Zahn, Vorsitzender des Vereins, gegenüber der RHEINPFALZ erzählt. „Ein Kamerad wollte es probieren, kam aber nicht rein, weil der Lenker nicht gepasst hat“, sagt Zahn. Im Verein wolle man jetzt Erfahrungen sammeln und gemeinsam auswerten.

Dass es den Turm überhaupt gibt, hält Zahn für eine tolle Sache. „Ich finde gut, dass Oberbürgermeister Nicolas Meyer das aufgetan hat“, sagt er. Für ihn ist das Gebäude ein „gelungenes Bauwerk“ und „optisches Highlight“. Die Lage am Bahnhof findet er „fantastisch“. Auch die derzeit aufgerufenen Preise für die Unterbringung findet der ADFC-Vorsitzende gut.

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Nur: Sein eigenes Fahrrad passt auch nicht hinein. „Ich bin ein großer Mann“, sagt er lachend. „Mein Fahrrad sprengt alle Maße.“ Er ist sich sicher, dass es genug E-Bikes auf dem Markt gibt, die hineinpassen. Und er meint: „Es gibt auch hochwertige nicht elektrische Fahrräder, die schützenswert sind und reinpassen.“

Den Hinweis mit den Maßen – maximal 1,90 Meter Länge, 73 Zentimeter Breite und 113,5 Zentimeter Höhe – hat er sich abfotografiert. Dass man den Turm nachträglich anpassen könne, um auch größere Räder unterzubringen, darüber solle man zumindest mal nachdenken, findet Zahn.

Schweizer Unternehmen setzt auf Standardmaße

Da es nicht der erste Fahrradparkturm der Firma V-Locker ist, ist das Thema nicht neu. Die RHEINPFALZ berichtete bereits vor einem Jahr über dieselbe Kritik an einem derartigen Fahrradturm in Mühlacker bei Pforzheim. Warum wurde das nicht beim Neubau in Frankenthal berücksichtigt?

„Das Konzept des V-Locker-Turms ist bewusst auf maximale Flächeneffizienz ausgelegt: möglichst viele Fahrräder sicher, wettergeschützt und vollautomatisch auf kleinstmöglicher Grundfläche zu parken“, teilt ein Sprecher auf Anfrage dazu mit. In urbanen Räumen, „wo Fläche knapp und teuer ist“ setze man auf Standardmaße. „Damit decken wir 80 bis 90 Prozent der marktüblichen Räder ab“, heißt es vom Schweizer Anbieter. Berücksichtige man beim Bau Sonderformate, gehe der Effizienzvorteil verloren, und die Gesamtanzahl an Stellplätzen würde schrumpfen.

Standort der Cargo-Boxen steht bereits fest

Die bereits kommunizierte Lösung dieses Problems lautet: Hinter dem Turm sollen künftig sieben Cargo-Boxen platziert werden. Diese sollen für besonders große Räder, etwa Lastenräder und Fahrradanhänger, ausgelegt sein. Auch E-Bikes, die für den Turm zu groß sind, können dort untergebracht werden. Diese Cargo-Boxen seien theoretisch aufrüstbar mit Ladevorrichtungen für elektrische Räder.

Strahlender Sonnenschein: Ende Mai wurde der Fahrradparkturm offiziell eröffnet.
Strahlender Sonnenschein: Ende Mai wurde der Fahrradparkturm offiziell eröffnet.

Woanders gebe es diese XL-Boxen bereits. „Neu in Frankenthal ist die durchgängige Integration: Buchung, Bezahlung und Türöffnung erfolgen für die Nutzerinnen und Nutzer über eine einzige App“, heißt es bei V-Locker.

Der Standort für die Cargo-Boxen steht bereits fest. Laut einer Sprecherin der Stadt sollen sie in „Sägezahnaufstellung“ auf der Rückseite des Turm nahe des Geländers der Unterführung angeordnet werden. Vorbereitende Arbeiten, beispielsweise Leerrohre für spätere Stromkabel zu den Boxen, seien bereits verlegt.

Einheitliches Buchungssystem am Bahnhof

Wann die XL-Lösung für Fahrradpendler kommt, steht noch nicht fest. „Die Umsetzung soll spätestens im Rahmen der geplanten Neugestaltung des gesamten Bahnhofsumfelds erfolgen“, heißt es von der Stadt. Kommen die Boxen vorher, müssten sie für die Baumaßnahmen zur Umgestaltung des Bahnhofsumfelds zeitweise wieder entfernt werden. Finanziert wird die Cargo-Option zwar auch durch Fördergelder, aber nicht über das Kipki-Progamm, mit dessen Hilfe der Turm finanziert wurde.

Luke auf, Rad rein: So einfach geht das Parken bei vorheriger Anmeldung via App – für Räder, die nicht zu groß sind.
Luke auf, Rad rein: So einfach geht das Parken bei vorheriger Anmeldung via App – für Räder, die nicht zu groß sind.

Das Aussehen der XL-Unterkünfte für Lastenräder und andere großformatige Zweiräder soll sich am Design des Turms ausrichten. In Zukunft sollen außerdem die Sammelschließanlagen im Parkhaus am Bahnhof auf ein elektronisches Schloss umgerüstet werden, die dann ebenfalls über die App gesteuert werden können, um für sämtliche Fahrradabstelloptionen rund um den Bahnhof ein eigenes Buchungs- und Bezahlsystem zu haben.

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