Frankenthal
So lief die Eröffnung des ersten Fahrradparkturms in Rheinland-Pfalz
Trotz der sommerlich anmutenden Temperatur von 32 Grad sind einige Menschen zusammengekommen, um bei der Eröffnung des neuen Fahrradparkturms am Hauptbahnhof Frankenthal dabei zu sein. Kurz vor 17 Uhr brennt die Sonne immer noch so stark, dass sich die meisten in den Schatten des neuen Turms drängen. Eigens dafür sei er gebaut worden, scherzt Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) in seiner Eröffnungsrede.
Auf einem großen Bildschirm neben dem Turm läuft ein Video, das Zukunftsvisionen vom Bahnhofsvorplatz zeigt. Sauber sieht er aus, und grün. Der Bau des Turms soll ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, so Meyer. „Ich weiß, an dem Thema haben sich einige Oberbürgermeister vor mir die Zähne ausgebissen“, gibt er zu. Er sei aber zuversichtlich, dass es mit der langersehnten Neugestaltung jetzt stetig weitergehe.
„CEO: Modulare Bauweise besonders effizient“
Jens Kirchhoff, CEO der Schweizer Betreiberfirma V-Locker, erklärt, wie der Turm funktioniert. Er besteht aus acht einzelnen Modulen, und diese jeweils aus zwölf Kabinen. Verwendet wird ein Paternostersystem, bei dem die genutzte Kabine mit dem Rad nach oben fährt, sodass jedes der acht Tore jederzeit bedient werden kann. Um das Parkhaus nutzen zu können, muss die V-Locker-App heruntergeladen werden. Der Turm sei besonders effizient: Auf einer Fläche, auf der sonst drei Autos Platz hätten, können nun fast 100 Fahrräder geparkt werden.
Der einzige Nachteil an diesem Konzept: Nicht alle Räder passen in die einzelnen Kabinen. Kirchhoff schätzt, dass etwa 80 Prozent aller Fahrräder – oder Velos, wie der Schweizer sagt – untergebracht werden können. Lösungen für größere Räder und Lastenräder seien aber schon in Planung.
„Bekomme ich mein Rad da auch wieder raus?“
Als Nächstes tritt Projektleiter Thorsten Seifert aus der Stabsstelle Strategie, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung an das Mikrofon. Schon vor der Veranstaltung hat er die Umstehenden motiviert, sich die App herunterzuladen, und Fragen beantwortet. „Bekomme ich mein Rad da auch wieder raus?“, zum Beispiel.
Um den Zuschauerinnen und Zuschauern die Furcht vor dem Unbekannten zu nehmen, demonstriert Seifert kurzerhand am E-Bike das Verfahren. Per App bedient er die Tür. Durch die Holzverkleidung des Turms kann man beobachten, wie die Kabine langsam herabgelassen wird. Die Tore gleiten zur Seite und zum Vorschein kommt das Rad.
Mehr aus Frankenthal
Frankenthaler Dubbe-Start-up auf dem Strohhutfest
Theaterkreis: Proben für den großen Auftritt
Gegen Zoff in der Warteschlange: Künftig neue Regeln im Wertstoffcenter
„Optisch sehr ansprechend und funktional“
Anschließend zeigt er, wie man das E-Bike an den Strom ansteckt und lässt es wieder nach oben fahren – als hätte er noch nie anders sein Fahrrad geparkt. Das scheint einige der Anwesenden zu ermutigen, denn nach Seiferts Präsentation wird die neuartige Parkmöglichkeit direkt auf die Probe gestellt.
Lena Fröhlich (26), Co-Vorsitzende des Frankenthaler Kreisverbands der Grünen, ist ebenfalls gekommen, um sich den neuen Turm anzuschauen. „Ich finde ihn optisch sehr ansprechend und funktional“, lobt sie das Design mit Holzverkleidung. „Vor allem im Bahnhofsumfeld ist so ein Angebot sehr attraktiv.“
Nutzung nur per App einzige Kritik
Das Thema Sicherheit sei hier großgeschrieben worden, betont Projektleiter Seifert. Der Platz um den Fahrradparkturm herum sei gut ausgeleuchtet und videoüberwacht. Dadurch, dass die Kabinen nach oben fahren und nicht hinter den Toren bleiben, könne kein Rad oder Zubehör gestohlen werden.
Nur ein Kritikpunkt ist während der Veranstaltung genannt worden: die Bedienung des Turms ausschließlich über die App. Dies könne dazu führen, dass sich ältere Menschen ohne Handy ausgeschlossen fühlen, hieß es. Klaus Jenicke (58) vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) hat für diesen Einwand einen Lösungsvorschlag: „Findet einen jungen Menschen und lasst es euch zeigen.“
Startschuss zum achten Stadtradeln Frankenthal
Jenicke findet den neuen Parkturm „super“ und habe keine Verbesserungsvorschläge. Zusammen mit vielen anderen, die zur Eröffnung des Turms gekommen sind, bricht er im Anschluss zur ersten Radtour des Stadtradelns Frankenthal auf. Das ist ein alljährlich stattfindender Wettbewerb, der für 21 Tage Menschen dazu bringen soll, möglichst viele Wege mit dem Rad statt mit dem Auto zurückzulegen – für das Klima und die Gesundheit.
Zahlen und Fakten
Der Frankenthaler Fahrradparkturm hat knapp 1,3 Millionen Euro gekostet. Das Land übernimmt davon 1,25 Millionen Euro, das Geld stammt aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (Kipki).
Die Bedienung läuft über die V-Locker-App. Diese kann über www.v-locker.ch/app-gratis-installieren heruntergeladen werden.
Preise:
.
