Frankenthal
Anno dazumal: Pfalzgraf erteilt das Recht: Frankenthals Markttradition lebt
Seit Ende der 1970er-Jahre findet der Frankenthaler Wochenmarkt wieder in der Stadtmitte statt – dienstags und freitags am Vormittag auf dem Rathausplatz. Rund 470.000 Besucher, so ist in einem Foto- und Rezeptband aus dem Jahr 2011 zu lesen, kommen pro Jahr hierher, um frische, oft regionale und auch biologisch-ökologische Produkte zu kaufen. Die Händler bieten Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Käse für den täglichen Bedarf an, „marktfrisch“ sozusagen. Gelegentliche Initiativen, auch in anderen Stadtteilen kleine Ableger zu schaffen (Jakobsplatz, Nordendsiedlung), konnten sich bisher nicht dauerhaft durchsetzen.
Wichtiges Drehkreuz
Zwei hohen Herrschaften – einem Pfalzgrafen und einem Kurfürsten – ist es zu verdanken, dass Frankenthal seit Jahrhunderten Marktstadt ist. Johann Casimir verlieh Frankenthal 1577 die Stadtrechte und damit auch das Marktrecht; Carl Theodor erneuerte und erweiterte zwei Jahrhunderte später die Privilegien. Schon damals bot sich dienstags und freitags die Gelegenheit, neben dem Handel auch die Kommunikation zu pflegen, Freunde und Bekannte zu treffen und das bunte Marktgeschehen zu genießen. Seit alters her wies der Name des Platzes, wo sich mehrere Zugangsstraßen kreuzen, auf seine wichtige Funktion hin: „Marktplatz“.
Auf vielen Ansichtskarten des beginnenden 20. Jahrhunderts taucht er unter diesem Namen auf, auch wenn meist die umgebenden Kirchen, das Rathaus und das Kriegerdenkmal im Mittelpunkt des Interesses stehen. Nur auf einer Gesamtansicht ist das Marktgeschehen im Bild festgehalten; drei zeitgenössische Abbildungen zeigen immerhin etliche Marktstände rings um das Kriegerdenkmal. Der Wochenmarkt fand im südlichen Bereich des Platzes statt. Die Ansichtskarte, datiert 1933, zeigt die Situation an einem Markttag.
Dass das bunte Treiben auf dem Wochenmarkt auch in der guten alten Zeit nicht immer harmonisch verlief, geht aus einer Meldung hervor, die am Montag, 7. Juli 1919 in der Frankenthaler Zeitung zu lesen war: „Zu einem Streik der Markthändler ist es hier beim letzten Wochenmarkt gekommen. Da die Markthändler hohe Preise für Obst und Gemüse verlangten, schritt die Preisprüfungskommission ein und setzte die Preise zum Teil wesentlich herab. Die Händler äußerten sich daraufhin, daß sie künftighin den Wochenmarkt nicht mehr besuchen würden.“
Kurzer Halt auf dem Paradeplatz
Probleme gab es knapp 20 Jahre später. Im Verlauf der Umgestaltung des Marktplatzes (veränderte Verkehrsführung, Bau der unterirdischen Toilettenanlage) musste ab September 1936 der Wochenmarkt auf dem Paradeplatz vor der Kreis-Kranken- und Pflegeanstalt (heutiger Röntgenplatz) stattfinden. Ein dreiviertel Jahr später musste man wieder zurückrudern. Die Verlagerung des Wochenmarktes bringe bei Regen katastrophale Verhältnisse, der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Ergebnis; ohnehin liege der Platz „am Ende der Stadt“. Konsequenz: Der Wochenmarkt wurde in die Welschgasse (keine Durchgangsstraße, Lage im Stadtinnern zwischen Bahnhofstraße und Neumayerring) verlegt.
Die ohnehin sanierungsbedürftige Straße wurde asphaltiert, die Gehwege eingefasst und mit Platten belegt. Die Welschgasse wurde umbenannt in Marktstraße. „Mancher Volksgenosse wird dann seine Schritte dort hin lenken, denn es wohnen viele anständige Bürger in dieser Straße, die vielleicht aus vergangener Zeit her mit unberechtigten Vorurteilen betrachtet wurden“, verlautete aus der Stadtspitze. Erstmals am Freitag, 30. Juli 1937 fand der Wochenmarkt in der „neuen“ Marktstraße statt. Und der Marktplatz in der Stadtmitte musste auch seinen Namen abgeben; er wird seitdem als „Rathausplatz“ ausgewiesen.
Umzug auf den neuen Kornmarkt
Die Marktstraße behielt ein Vierteljahrhundert ihre Funktion. Nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss wurde das Wochenmarktgeschehen im März 1960 wieder in die Stadtmitte verlegt, aber jetzt hinter das Rathaus, wo nach Beseitigung der Kriegsschäden inzwischen ein neuer Platz, der „Kornmarkt“ entstanden war. Zwischen Zwölf-Apostel-Kirche und Parkanlage entfaltete sich jetzt jeden Dienstag und Freitag ein buntes Markttreiben. Dies aktivierte denn auch die Ansichtskartenindustrie, zumal sich allmählich auch die Farbfotografie durchsetzte.
Seit dem Erlass einer Marktordnung im Jahr 1887 gibt es einen eigenen Marktmeister. Ihm oblag unter anderem auch das Kassieren der Standgebühren bei den Marktbeschickern. Nach Vollendung der Fußgängerzone im Sommer 1977 wurde der Rathausplatz wieder zum Marktplatz – wenigstens jeden Dienstag und Freitag. Dort hat er auch heute noch seinen Standort.
Die Serie
Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.


