Donnersbergkreis
Waldbrandgefahr in der Region: Was Förstern jetzt Sorgen macht
Der Sommer hat noch gar nicht richtig begonnen, doch in der Region gab es bereits den ersten größeren Waldbrand: Ende Mai brannte es im Leinigerland bei Carlsberg. Rund 60 Feuerwehrleute waren dort stundenlang im Einsatz. Auch im Wald bei Kirchheimbolanden musste im Mai ein kleineres Feuer gelöscht werden. Noch ist die Lage vergleichsweise entspannt – vor allem wegen des nassen Frühjahrs. Doch der Klimawandel macht dem Wald zu schaffen, und die Gefahr von Bränden dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Wie schnell trockene Vegetation zum Risiko werden kann, zeigt sich im Kriegsbergwald zwischen Göllheim, Ramsen und Kerzenheim. Dort wachsen vielerorts Nadelbäume, vor allem Kiefern, teilweise in Reinbeständen. „Das Holz ist voller Harz, und die Nadeln enthalten ätherische Öle“, erklärt Revierförster Daniel Steinbrecher. „Beides ist leicht entzündlich und brennt gut.“ Zusätzlich erhöhe der trockene, nadelreiche Boden das Risiko.
Dass der Kriegsberg heute so geprägt ist, hat auch mit seiner Geschichte zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebiet praktisch kahl, der Wald wurde in mühsamer Kleinarbeit wieder aufgeforstet. „Vor allem mit Nadelbäumen, weil die gutes Bauholz ergeben“, sagt der Förster. Heute gehe es jedoch darum, diese Bestände stärker mit Laubholz anzureichern. „Mischwälder verringern die Waldbrandgefahr und sorgen für Stabilität.“ Im gesamten Forstamt Donnersberg sei der Laubholzanteil glücklicherweise bereits hoch.
Das dichte Wegenetz hilft der Feuerwehr
Vorbeugung beginnt für Steinbrecher aber nicht erst beim Waldumbau. Als Förster kann er auch im Alltag einiges tun. Wichtig sei zum Beispiel, dass Astmaterial aus den Baumkronen nicht an den Waldwegen liegenbleibe. „Denn das ist sehr trocken und leicht entzündlich.“ Totholz am Boden sei dagegen nicht automatisch ein Problem, vor allem dann nicht, wenn es mit Moos bedeckt sei. „Dann wirkt es eher wie ein Schwamm und speichert sogar die Feuchtigkeit.“
Wichtig ist im Ernstfall die Erreichbarkeit für die Feuerwehr. Hilfreich ist am Kriegsberg – wie fast überall in den Wäldern rund um den Donnersberg – das dichte Wegenetz. Überhaupt beschreibt Steinbrecher die Zusammenarbeit mit den Wehren als sehr gut. Erst kürzlich habe es ein Treffen mit den Göllheimer Einsatzkräften gegeben. „Mit Unimog und Löschrucksäcken, dazu Feuerpatschen und Haken sind die technisch wirklich sehr gut aufgestellt.“ Aktuell rüstet die Verbandsgemeinde ihre Feuerwehr für die Waldbrandbekämpfung weiter auf: Unter anderem mit zwei Faltbehältern mit jeweils 5000 Litern Fassungsvermögen. Sie können an schwer zugänglichen Punkten im Wald aufgestellt werden und dort auch bei schwierigem Untergrund die Löschwasserversorgung sichern. Sogar für die Wasseraufnahme durch Hubschrauber sind sie geeignet. Finanziert wird die Anschaffung über das Regionale Zukunftsprogramm des Landes.
Haupt-Brandursache: der Mensch
Gerade am Kriegsberg ist das wichtig, denn in diesem Waldgebiet gibt es kaum natürliche Entnahmestellen für Wasser, etwa Teiche, erläutert Steinbrecher. Was er sich zusätzlich wünscht, sind Zisternen, etwa am Parkplatz der Pfälzerwaldhütte oder am Göllheimer Häuschen. Fördermittel wären vorhanden: „Das Land übernimmt 80 Prozent der Kosten.“ Demnächst will er mit der Ortsgemeinde Göllheim darüber sprechen.
Die allermeisten Waldbrände werden auf die eine oder andere Weise von Menschen verursacht. Trotz vieler Warnungen ist die weggeworfene Zigarettenkippe immer noch ein Klassiker. „Natürlich ist das Rauchen im Wald verboten“, sagt der Förster. „Nur leider hält sich nicht jeder daran.“ Auch offenes Feuer ist im Wald selbstverständlich tabu – außer an ausgewiesenen Trekkingplätzen, und auch da nur, wenn es nicht zu trocken ist. Dennoch komme es immer wieder zu Verstößen, etwa durch sogenannte Bushcrafter, deren Hobby es ist, im Wald zu kampieren – was natürlich ebenfalls nicht erlaubt ist. Manche Brandursachen sind allerdings weniger naheliegend: In der Südwestpfalz hat dieses Jahr beispielsweise eine geplatzte Deospraydose einen Waldbrand ausgelöst. Eine weitere Gefahr sind heiße Katalysatoren von Fahrzeugen, die den Waldboden entzünden können. „Deshalb sollten Waldbesucher möglichst die ausgewiesenen Parkplätze nutzen“, so Steinbrecher. Kaum zu glauben, aber ein Erfahrungswert: Auch absichtlich gelegte Brände spielten leider immer wieder eine Rolle.
Wer Rauch bemerkt oder auch nur den Verdacht auf einen Waldbrand hat, sollte sofort über die Notrufnummer 112 die Feuerwehr verständigen. Damit die Einsatzkräfte die betreffende Stelle schneller finden, gibt es sogenannte Rettungspunkte: kleine grüne Schilder mit einem weißen Kreuz und einer Nummer. Über diese Nummer ermitteln Feuerwehr und Rettungsdienste den genauen Standpunkt. Wer den nächstgelegenen Rettungspunkt nennen kann, hat den Einsatzkräften bereits sehr geholfen. „Es gibt dafür auch eine kostenlose App, sie nennt sich ,Hilfe im Wald’“, sagt Steinbrecher.
Am höchsten sei die Waldbrandgefahr im gesamten Kreis übrigens auf dem Donnersberg selbst, teilt Steinbrecher mit. „Es gibt dort besonders viele abgestorbene, trockene Bäume. Deswegen sind die Wanderer dort zu besonderer Vorsicht aufgefordert.“
Zur Person
Förster Daniel Steinbrecher ist für das Revier Göllheim-Kerzenheim verantwortlich, das den Staatswald zwischen Ramsen und Göllheim sowie die Gemeindewälder Göllheim, Kerzenheim und Ramsen umfasst.