Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Der Neue im Revier: Warum ein Schreiner doch lieber Förster wurde

Förster Daniel Steinbrecher an einem Habitatbaum – man erkennt ihn an der weißen Welle. Außerdem hat jemand vor langer Zeit sein
Förster Daniel Steinbrecher an einem Habitatbaum – man erkennt ihn an der weißen Welle. Außerdem hat jemand vor langer Zeit seine Initialen hineingeritzt.

Generationenwechsel: Daniel Steinbrecher ist der neue Revierförster. Er kennt den Wald von Kindheit an und verspricht nun: Großflächige Abholzungen wird es nicht geben.

Mitten im Göllheimer Wald, kurz hinter der Kriegsberghütte, zweigt ein Waldweg von der L396 Richtung Ramsen ab. Revierförster Daniel Steinbrecher steuert seinen Wagen zu einem kleinen Parkplatz. Es ist kalt, aber sonnig. Ein paar Schritte geht es auf dem Waldweg hangabwärts, bis eine Kurve den Blick auf eine ungewöhnlich imposante Buche freigibt. Ihr glatter Stamm trägt eine weiße Wellenlinie. „Das ist ein Habitatbaum“, sagt Steinbrecher. Dahinter sind weitere Bäume mit der Welle zu sehen. „Die habe ich schon in meiner Zeit als Werkstudent ausgewiesen.“

Habitatbäume seien meist alt, erklärt er, oft mit speziellen Strukturen wie Höhlen, Rissen oder Totholz. „Die bieten Lebensraum für Tiere, aber auch für Pilze oder Flechten.“ Die weiße Welle sei ein Signal für die Waldarbeiter: Dieser Baum darf nicht geschlagen werden. „So kann er ungestört alt werden, bis er irgendwann auseinanderfällt. Das Totholz dient dann vor allem Insekten als Wohnstätte.“

5000 Habitatbäume gekennzeichnet

Pro Hektar müssen fünf Habitatbäume ausgewählt und mit GPS-Daten versehen werden. Im gesamten rund 2300 Hektar großen Revier, es umfasst die Gemeindewälder Göllheim, Kerzenheim und Ramsen sowie den Staatswald zwischen Göllheim und Ramsen – habe er um die 5000 Bäume auf diese Weise ausgesucht und gekennzeichnet, erzählt der junge Förster stolz.

Was ihn besonders glücklich macht: Der Wald, für den er jetzt verantwortlich ist, ist der Wald seiner Kindheit, denn Daniel Steinbrecher ist in Göllheim aufgewachsen. Zwar lebt der 28-Jährige inzwischen mit seiner Frau in Wattenheim, doch der besondere Bezug zum Göllheimer Wald ist geblieben: „Ich bin eben sehr heimatverbunden.“

Vom Schreiner zum Förster

Dabei war Förster gar nicht Steinbrechers erste Berufswahl. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Eisenberg schloss er in Lautersheim eine Schreinerlehre ab. „Danach habe ich allerdings gemerkt, dass mir dafür so ein bisschen die Leidenschaft fehlte. Also habe ich mich umorientiert.“

Obwohl er sich schon als Kind am liebsten im Wald aufhielt und sein Großvater sein Geld als Berufsjäger verdiente, waren seine Vorstellungen vom Beruf des Försters am Anfang eher vage. „Ich wusste nicht mal, dass man da studieren muss. Ich war wirklich etwas blauäugig“, sagt er und lacht. Trotzdem bewarb er sich auf gut Glück an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg – und bekam einen Studienplatz. Theoretisch stehen Absolventen des Studiengangs auch andere Berufswege offen. In Behörden zum Beispiel, oder im Naturschutz. Doch beim Studium wurde Steinbrecher schnell klar, dass ihm der Revierdienst tatsächlich am besten liegt. „Und inzwischen kann ich mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen.“

Viel gelernt vom Revier-Vorgänger

Sehr zu dieser Erkenntnis beigetragen hat ein Praxissemester bei seinem Reviervorgänger Franz Kern. „In den fünf Monaten bei ihm habe ich mehr gelernt als in den drei Jahren Studium. Da habe ich meinen Heimatwald nochmal ganz anders kennengelernt – und auch einen anderen Blick dafür bekommen.“

Blick in die Krone einer Buche.
Blick in die Krone einer Buche.
Blick in eine Mulmhöhle.
Blick in eine Mulmhöhle.
Hier steht Förster Daniel Steinbrecher genau auf der Gemarkungsgrenze: Links ist der Göllheimer, rechts der Kerzenheimer Wald.
Hier steht Förster Daniel Steinbrecher genau auf der Gemarkungsgrenze: Links ist der Göllheimer, rechts der Kerzenheimer Wald.

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Während seiner Studienzeit blieb Steinbrecher mit Kern in Kontakt und half auch immer wieder im Revier aus. Als er schließlich bei der übergeordneten Behörde, den Landesforsten Rheinland-Pfalz, eine Stelle als Forstanwärter bekam, war er bestens vorbereitet. In dieser Zeit wurde er unter anderem auch vom Dannenfelser Revierförster Martin Teuber betreut. Ihm half er unter anderem, aus der uralten, berühmten und inzwischen leider abgestorbenen „Dicken Keschd“ Ableger zu ziehen. „Auch von ihm habe ich Unmengen gelernt“, sagt er.

Im Oktober trat Steinbrecher dann offiziell die Nachfolge von Franz kern an, der in den Ruhestand ging. Der Kontakt blieb: „Wir sind auf der gleichen Wellenlänge. Ich kann ihn jederzeit um Rat fragen. Ihm liegt auch jetzt noch was an dem Revier.“

Mehr als nur Holzverkauf

Während er erzählt, nähert sich der junge Förster einem weiteren Baum. Dessen Stamm ist von einer alten Verletzung gezeichnet. Eine tiefe Furche zieht sich nach unten. Am Fuß öffnet sich ein dunkler Hohlraum, „eine Mulmhöhle“, wie er erklärt. „Die ist auf natürliche Art entstanden. Pilze und Mikroorganismen haben hier das Holz zersetzt.“

Ihm macht es Freude, dass Forstwirtschaft in der heutigen Zeit weit mehr bedeutet, als Holz zu verkaufen. Naturschutz, Nachhaltigkeit und Klimaschutz – das sind für ihn mehr als bloße Wörter. Deshalb wird es bei ihm auch keine großflächigen Abholzungen geben. Nachhaltiger Holzeinschlag, lautet das Stichwort.

Wie sein Vorgänger misst er der Vielfalt der Baumarten im Revier besondere Bedeutung bei. Mehr als 30 Arten gedeihen auf den nährstoffreichen Böden aus Rhyolithgestein und dem Rotliegenden – mehr als im Pfälzerwald. „Ich versuche, die Arbeit von Franz Kern in seinem Sinne, nämlich strukturreich und artenreich, weiterzuführen“, sagt er. Dazu gehört zum Beispiel auch, in Douglasien-Reinbeständen, wie es im Kerzenheimer Wald noch einige gibt, Laubbäume zu etablieren. „Das braucht aber noch Jahrzehnte“, schätzt er. Vielleicht eine Aufgabe, die er dann irgendwann an seinen Nachfolger weitergeben wird.

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