Zell Nils entdeckt den Donnersbergkreis: Am Zellertaler Ehrenmal wird Kriegsopfern gedacht
Stellt euch das mal vor: Überall läuten die Glocken. Von zwei Seiten her kommen Menschengruppen begleitet von Musikkapellen, die lachen, sich freuen und viele viele Fahnen tragen. Am Zellertaler Ehrenmal treffen die beiden Gruppen zusammen und feiern ein rauschendes Fest bis tief in die Nacht hinein mit Fackeln und Feuerwerk.
So wird die Einweihung des Zellertaler Krieger-Ehrenmals, das zwischen Zell und Mölsheim steht, am 15. Juli 1928 in den Geschichtsbüchern beschrieben. Ein Massenchor der Gesangvereine Zell, Niefernheim, Wachenheim und Mölsheim sang ein von Oberlehrer Böshenz gedichtetes Lied zur Errichtung des Ehrenmals.: „Brüder gefallen im heiligen Krieg, Tapf’re geschritten von Siegen zu Sieg.“ Das erzählt mir Rupert Müller, Vorsitzender vom Heimatverein Zell, den ich an diesem besonderen Ort treffe.
Grüße von Hindenburg
Zur Einweihung des Ehrenmals schickte sogar der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg Grüße. Einige von euch werden Hindenburg vielleicht vom Namen her kennen, da eines der größten Zeppeline nach ihm benannt wurde. Das ist dann allerdings in Flammen aufgegangen ... Eine weitere Besonderheit bei dem Fest war, dass nicht nur protestantische und katholische Geistliche bei der Einweihung dabei waren, sondern auch Vertreter des Judentums und der Mennoniten. Das unterstrich genau die Absicht des Denkmals: zu mahnen, dass so etwas wie der Erste Weltkrieg nicht mehr wieder passiert, sondern alle Völker und Religionen friedlich zusammenleben. Leider wurde dieser Wunsch nicht wahr, denn schon elf Jahre später brach der Zweite Weltkrieg aus.
Aber zurück zur Entstehung des Ehrenmals: Im September 1926 entschieden sich die Gemeinden Zell, Harxheim, Niefernheim, Wachenheim und Mölsheim für die Errichtung eines Kriegerehrenmals inmitten des Zellertals, später kam noch Einselthum dazu. „Unendliche Ferne, weite Luft und anmutige Schönheit, das ist das Zellertal mit seinen grünen Wiesen, baumbestandenen Feldern und auf den Berg kletternden Weinbergen“, wird es damals beschrieben. Die Idee war schon kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgekommen, wurde dann aber erst später wieder spruchreif. Rund 80 Entwürfe wurden für das Zellertaler Ehrenmal eingereicht, am Ende wurde der des Ingenieurs Alfons Brand aus Worms ausgesucht.
Gedenken an die Opfer
Schon auf dem Parkplatz direkt am Denkmal hat man eine tolle Aussicht über das Zellertal. Rechts kann ich bis zum Donnersberg schauen, links die Silhouetten von Worms und Ludwigshafen am Horizont erkennen. Dann steige ich die Treppen, die zum Ehrenmal führen, hinauf. Noch einmal ums Eck, und dann stehe ich drin und schaue mich um. 15 Meter ist das Denkmal hoch und in der Diagonale 6,50 Meter breit. Für jede Gemeinde gibt es einen Pfeiler, an dem je eine Gedenktafel mit den Opfern und Vermissten des Ersten (77 Opfer) und Zweiten Weltkriegs (216 gefallene und vermisste Bürger) befestigt ist.
Heute wird das Zellertaler Ehrenmal oft als Symbol für das Zellertal verwendet, findet sich wieder in Logos, auf Weinflaschen und Gläsern und ich kenne sogar jemanden, der es sich als Tattoo hat stechen lassen.
Weitere Folgen von Nils entdeckt den Donnersbergkreis:
Teil 1: Nils auf dem Donnersberg
Teil 2: Gespenstersuche auf Falkenstein
Teil 3: Von Schnecken und dem Warten auf dem Schillerhain
Teil 4: Eine Zeitreise zu den Kelten