Winnweiler
#liebegewinnt: Carsten Leinhäuser spricht über Kirche und Homosexualität
Wie können Brücken gebaut werden, für Menschen, die lieben, und mit Menschen, die lieben? Egal ob es eine Liebe zwischen Mann und Frau, Mann und Mann oder Frau und Frau ist. Darüber sprach Pfarrer Carsten Leinhäuser in der vergangenen Woche eine gute halbe Stunde auf der Videoplattform Youtube.
Als die Glaubenskongregation – ein Gremium des Vatikans, das aus Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen besteht – im Frühjahr dieses Jahres verlauten ließ, dass Homosexuelle nicht gesegnet werden dürften, sei „der Topf übergekocht“, erzählt Leinhäuser. „Zahlreiche Pfarrer haben sich Anfang Mai daraufhin vernetzt und etwas ganz offiziell getan, was Gott schon längst vorher getan hat: Sie haben Liebende gesegnet.“
Die Aktion „#liebegewinnt“, für die Leinhäuser vor kurzem den regionalen Friedenstagepreis der Stadt Kirchheimbolanden erhielt, ist damit aber noch lange nicht beendet. Im Rahmen der Friedenstage fand nun dieser Vortrag statt, der wegen Corona kurzfristig ins Internet verlegt wurde. „Ich bin zwar um diesen Vortrag gebeten worden“, sagt er. „Aber es war mir gleichzeitig auch ein Bedürfnis, mich zu diesem Thema zu äußern. Ich hatte den Eindruck, da gibt es noch einiges zu klären.“
Und deswegen spricht Leinhäuser in seinem Vortrag über verschiedenste Aspekte der Homosexualität, beleuchtet sie im Kontext der Bibel, der Naturwissenschaften, der Theologie und der Kirche. Zunächst berichtet er von seinem eigenen Weg, davon, wie sich sein Verhältnis zur Sexualität verändert hat. Aufgewachsen sei er mit der Lehrmeinung der Kirche im Kopf, Begegnungen mit vielen Menschen hätten ihn dann in Bewegung und zum Nachdenken gebracht.
„Meine Welt begann zu bröckeln und dann ist da ganz viel gewachsen. Ich habe gesehen, wie viel Not es bei Menschen gab, die daher rührte, dass sie Angst hatten, wegen ihrer sexuellen Orientierung schlechte Christen zu sein. Wie viele Verletzungen da stattfanden, an denen auch ich beteiligt war.“ Er habe sich vorgenommen, der Sache in verschiedenen Bereichen auf den Grund zu gehen, berichtet Leinhäuser weiter. Auf diesen Weg nimmt er seine Zuhörer mit.
Den richtigen Kontext herstellen
Dabei konzentriert er sich zunächst auf die Bibel und deren wenige Aussagen über Homosexualität – die deutlich abwertend klingen. Leinhäuser stellt sie in den Kontext der historischen Verhältnisse und legt dar, dass sie eine Haltung zeigen, die aus der damaligen Perspektive nachvollziehbar sei. Es gehe beispielsweise um den Erhalt eines Volkes, um Nachkommen. „Wenn in der Bibel über homosexuelle Handlungen gesprochen wird, geht es aber nie um Liebe und Beziehung auf Augenhöhe“, führt Leinhäuser weiter aus.
In der Wissenschaft gebe es noch keine klare Erkenntnis darüber, wie Homosexualität entsteht. Fest stehe, „sie ist ein biologisches Faktum und ist in dieser Welt. Eine Welt, die Gott, so wie sie ist, geschaffen hat. Und er hat es absichtlich gemacht. Wunderbar!“, sagt Leinhäuser. Mit einem Appell an die Kirche und auch an seine Zuhörer, sich offen und liebevoll auf Begegnungen einzulassen, beendet Leinhäuser seinen vielschichtigen Vortrag, der – wie er berichtet – zu vielen positiven Rückmeldungen geführt hat.
Im Netz
Wer sich den ganzen Vortrag noch einmal anschauen möchte, kann dies auf Youtube: www.youtube.com/watch?v=uTH54Fe7PMk.