Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Pfarrer Leinhäuser: Klares Ja zur Segnung von homosexuellen Paaren

Homosexuelle Paare dürfen in der Kirche nicht gesegnet werden? Pfarrer Carsten Leinhäuser kann das nicht nachvollziehen.
Homosexuelle Paare dürfen in der Kirche nicht gesegnet werden? Pfarrer Carsten Leinhäuser kann das nicht nachvollziehen.

Die Kongregation für Glaubenslehre der katholischen Kirche hat vor kurzem der kirchlichen Segnung homosexueller Paare eine klare Absage erteilt. Carsten Leinhäuser, Pfarrer der Pfarrei Heilig Kreuz in Winnweiler, stellt sich mit der Aktion „mutwillig segnen“ klar dagegen.

Herr Leinhäuser, als Sie von der Entscheidung der Kongregation gehört haben, wie war da Ihre erste Reaktion?
Ich fühlte Wut, war müde und vor allen Dingen genervt. Und dann habe ich mich hingesetzt und das in die sozialen Medien transportiert. Entstanden ist ein kurzes Video, in dem ich meine Haltung dazu deutlich gemacht habe.

Und die sieht wie aus?
Es gibt keine theologische, keine naturwissenschaftliche Basis für diese Weigerung. Gott liebt alle Menschen, egal, wie sie ihr Leben gestalten. Ich darf alles Mögliche segnen: Fahrstühle, Haustiere, Straßen, sogar Waffen. Und zwei Menschen, die sich lieben, darf ich nicht segnen? Das kann nicht sein.

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Die Glaubenskongregation

Homosexualität wird in der vatikanischen Verlautbarung als Sünde beschrieben. Was heißt das konkret?
Sünde bedeutet, dass ich etwas tue und mich damit von Gott abwende. Ich kann nicht erkennen, wieso eine homosexuelle Orientierung diese Abwendung von Gott sein soll. Das ist Quatsch! Außerdem bedrückt diese „sündhafte“ Einordnung homosexuelle Menschen, die sich eigentlich in ihrer Kirche aufgehoben fühlen wollen, sehr, sehr stark. Tatsächlich bis hin zu Suizidgedanken.

Sie sind ja inzwischen mit Ihren Reaktionen deutlich über das Genervt-Sein hinausgegangen. Es gibt eine Aktion, die heißt „mutwillig segnen“. Wie kam es dazu?
Zwei Frauen aus Nürnberg, die beruflich Designs für Firmen gestalten, haben das Videostatement gesehen, fanden die Formulierung, die mir spontan eingefallen war, überzeugend und haben eine Homepage mit der entsprechenden Bezeichnung bestückt. Man kann sie im Internet unter www.mutwilligsegnen.de aufrufen.

Wie sind die Reaktionen in den sozialen Medien?
Überwiegend positiv. Ich sag mal, zu 98 Prozent findet die Haltung, dass homosexuelle Paare ein Recht auf Segnung haben, Zustimmung. Es gibt natürlich – wie immer – einige geschmacklose Trolle mit ebensolchen Beschimpfungen.

Was hat Sie zu dieser breit angelegten Aktion bewogen?
Es ist immer leicht, einen einzelnen, ich sag mal aufmüpfigen Pfarrer auf die Finger zu klopfen. Wenn es viele sind, wird das für die Sanktionswilligen anstrengend und schwieriger.

Haben Sie denn bis jetzt Sanktionen erfahren?
Nein, und ich gehe auch davon aus, dass es dazu nicht kommen wird. Dafür ist die Kritik bei zahlreichen Priestern und auch bei den Bischöfen inzwischen zu laut und zu stark. Von meinem Generalvikar Andreas Sturm erfahre ich Unterstützung.

Im Mai ist etwas Besonderes geplant. Was haben Sie vor?
Das Ganze soll nicht bei Worten bleiben, sondern wir wollen auch etwas tun. Am 10. Mai wird es hoffentlich an ganz vielen Orten Gottesdienste geben, in denen alle Liebenden gesegnet, mutwillig gesegnet werden.

Warum gerade am 10. Mai?
Das ist der Gedenktag von Noah, das ist der mit der Arche. Hier hat Gott den Bund mit den Menschen geschlossen, versprochen, nie wieder eine Flut zu schicken. Symbol für diese Verbundenheit ist der Regenbogen. Wir wollen sie mit dem Segen für alle deutlich machen.

Verbinden Sie mit dem, was Sie tun, Hoffnungen? Die Sache mit der Homosexualität ist ja nicht die einzige Baustelle, die die katholische Kirche beschäftigt. Die Zahl der Austritte ist auf Rekordhoch.
Ja, ich weiß, und das ist furchtbar. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass die Ablehnung der Segnung irgendwann zurückgenommen wird. Und ich möchte mit dazu beitragen, dass ein Umdenken in vielen Bereichen stattfindet. Kirche muss sich ändern, muss bei den Menschen bleiben. Da gibt es keine Alternative.

Carsten Leinhäuser
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