Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchheimbolander Friedenstagepreise für 2020 und 2021 verliehen

Die Friedenstagepreisträger und Laudatoren kamen in diesem Jahr wegen Corona online zusammen.
Die Friedenstagepreisträger und Laudatoren kamen in diesem Jahr wegen Corona online zusammen.

Ein Höhepunkt der Kirchheimbolander Friedenstage ist stets die Verleihung des Friedenstagepreises. In diesem Jahr kam Ungewöhnliches zusammen: Die Verleihung des vergangenen Jahres wurde gleichzeitig nachgeholt, außerdem fand die Veranstaltung online statt.

Den Preisträgern ein Denkmal des Friedens setzen, das ist die Absicht, die hinter der Verleihung der Kirchheimbolander Friedenstagepreise steckt. „Wir ehren die falschen Leute, auch in der Region“, sagte Norbert Willenbacher für den Arbeitskreis Friedenstage zur Begrüßung. Zum Beispiel mit Statuen von Moltke und Bismarck, die am Donnersberg aufgestellt wurden. „Wir sollten uns fragen, ob unsere Denkmäler und Straßennamen noch die Werte repräsentieren, die wir haben wollen.“ Mit dem Friedenstagepreis werden Menschen geehrt, die meist im Stillen wirken und keinen Wert auf öffentliche Zurschaustellung legen. Aber sie setzen sich unermüdlich für andere Menschen und den Frieden ein.

Wegen der Corona-Pandemie fand die Preisverleihung, die am vergangenen Jahr ganz ausfallen musste, online statt. Zugeschaltet waren sicherlich mehr als die 59 angemeldeten Gäste. Am virtuellen Klatschen erkannte man es: Meistens saßen mehrere Personen vor dem Bildschirm.

Mit Herzblut und Geduld

Als erster der drei regionalen Preisträger wurde der Förderverein ambulante Hospizarbeit im Donnersbergkreis ausgezeichnet. Als „Kümmerer und Tröster“, die zum inneren Frieden beitragen, sieht der Arbeitskreis die ehrenamtlichen Begleiter. Laudator Ludwig Burgdörfer, der seit 20 Jahren im Südwestfunk Denkanstöße gibt, sagte dazu: „Wir wollen einander den Frieden erklären, Kriegserklärungen gibt es genug.“ Friedenserklärungen in der Hospizarbeit erklärten dem Tod den Frieden, damit Menschen friedensfürstlich Abschied nehmen können. Den tapferen Begleitern komme es darauf an, Zuneigung, Zärtlichkeit, Stille, beruhigende Aufmerksamkeit zu geben. Das sei zugleich überwältigend schwer und doch leicht, weil man auch beschenkt werde. Der Vorsitzende des Fördervereins, Pfarrer Friedrich Schmidt, dankte: „Unsere Ehrenamtlichen geben den Tagen mehr Leben, ihre Arbeit findet leise statt. Wir freuen uns, dass sie nun in der Öffentlichkeit stehen.“

Einen ideellen Friedenstagepreis bekommen die „Nothelfer“, die Corona-Helfer und Helferinnen im Gesundheitsamt und im Impfzentrum Kirchheimbolanden. Laudator Jamill Sabbagh erklärte, welches überwältigende Engagement die Hauptamtlichen und freiwilligen Helfer einbrachten und in der wieder aufflammende Krise einbringen, ob als Arzt, am Empfang, in der Security oder Apotheker im Hintergrund. „Sie haben Unbeschreibliches geleistet, tausende Überstunden, kurz entschlossen und zupackend. Sie haben mehr als 50.000 Impfungen gegeben. Auch im Gesundheitsamt seid ihr die Helden des Jahres.“ Magda Friederichs und Katrin Limbach erläuterten, wie das Engagement der von zwölf auf 60 aufgestockten Mitwirkenden im Gesundheitsamt aussah. Bis zu 200 Anrufe täglich auf der Hotline seien beantwortet worden, dazu kamen Kontaktnachverfolgung, Hygienekonzepte, intensive Quarantäne-Begleitung, bis zu 120 Abstriche pro Tag, Impfen und Boostern in Einrichtungen – das alles habe man mit Herzblut und Geduld geleistet. „Schade, dass wir auch angefeindet wurden. Aber wir nehmen den Preis dankend als absolute Wertschätzung entgegen“, sagte Limbach.

„Schweigen ist schlimmer“

Als „Segensspender“, der die Bergpredigt dem Dogma vorzieht, wurde Carsten Leinhäuser geehrt. Er segnete im Mai homosexuelle Paare. „Es geht nicht um mich, es geht um die Benachteiligten, ich bin nur einer von vielen, die #liebegewinnt brauchen. Ich freue mich über den Preis, weil dieses Thema Öffentlichkeit kriegt. Es ist peinlich für unsere Kirche. Ich wäre gerne stolz auf sie“, bedankte er sich. Laudatorin Tanja Rieger fügte an, #liebegewinnt wolle ins Wort bringen, was missachtet aber doch gelebt werde. Leinhäuser sei ein Hoffnungsträger, weil er ein hörendes Herz habe mit mutiger Gewissensentscheidung. „Du gehst diesen Weg nicht allein“, rief sie ihm zu.

Die Umweltaktivistin Carola Rackete ist eine der beiden überregionalen Preisträger. Sie war vor Kurzem mit der Lesung ihres Buches auch in Kirchheimbolanden. Der Berliner politische Kabarettist Arnulf Rating stellte heraus: „Carola Rackete zeigt uns, da kommt Einiges auf uns zu. Sie leistet vorausschauende Friedensarbeit für den Schutz bedrohter Lebensräume und als mutige mitfühlende Seenotretterin.“ Rackete stellte wie alle Geehrten fest, als Einzelperson könne sie gar nichts erreichen. „Es gibt so viele, die freiwillige Stunden leisten, damit mein Schiff fahren kann. Sie sollen alle gesehen und geehrt werden.“ Sie forderte die schweigende Mehrheit auf, sich angesichts eskalierender Krisen mehr und laut zu äußern. „Es hat persönliche Konsequenzen, es ist unangenehm, aber Schweigen ist schlimmer.“

Lernstunde des vielfältigen Engagements

Der „Versöhner“ Carsten Ronnefedt ist Friedensreferent des Internationalen Versöhnungsbundes. Er selbst und sein Laudator Ulrich Suppus berichteten von seinem überwältigenden Engagement in aller Welt. Wie die Teilnahme an Friedensdelegationen, Friedensarbeit auf dem Balkan und im Irak, Zivildienstseelsorge, Einrichtung eines genossenschaftlichen Beteiligungssystems für Windkraft auf dem Hunsrück, mehr als 120 Sendungen zum Thema Frieden bei Transparenz TV. Das Preisgeld möchte er verwenden, damit Menschen nach der Explosionskatastrophe in Beirut Obdach finden können. „Es ist für mich wirklich eine schöne Überraschung, dass ich geehrt werde. Ich will die Stimmen der Menschen zu Gehör bringen, die nicht beachtet werden, und freue mich über die vielen Begegnungen mit Hoffnung gebenden Menschen in meiner Arbeit.“

Alle Preisträger handeln aus einem Menschenbild des Friedens. Frieden braucht gute Beispiele. So wird die Preisverleihung zu einer Lernstunde des vielfältigen Engagements. „Wir brauchen langen Atem und Ausdauer in der Friedensarbeit. Pessimismus lähmt, naiver Optimismus vergeudet Lebensenergie. Zuversicht hingegen gibt uns Kraft, gerade wenn die Umstände widrig sind“, verabschiedete Willenbacher die Teilnehmer.

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