Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Landratskandidaten privat: Jaqueline Rauschkolb bringt Familie und Politik in Einklang

Jaqueline Rauschkolb und Ehemann Victor teilen die Elternarbeit untereinander auf.
Jaqueline Rauschkolb und Ehemann Victor teilen die Elternarbeit untereinander auf.

Als junge Mutter bringt Jaqueline Rauschkolb ihre politischen Ämter und die Familie unter einen Hut und hat dabei auch mit Vorurteilen zu kämpfen. In der Politik will sie daher ein Vorbild sein und hat zuhause jede Unterstützung von ihrem „roten Team“.

Im Hause Rauschkolb wird am Tag nach der Landratswahl gefeiert – ganz unabhängig vom Ergebnis am Vortag. Fernab von einer möglichen Wahl zur ersten Landrätin des Donnersbergkreises, einer eventuellen Niederlage oder einer noch ausstehenden Stichwahl wird Jaqueline Rauschkolbs Fokus am 24. Februar ganz woanders liegen. Schließlich wird ihr Sohn an diesem Tag neun Jahre alt. „An dem Tag soll es dann auch nur darum gehen, egal welche Aufgaben dann vielleicht warten“, sagt sie. Die Familie, daran lässt die 37-Jährige keinen Zweifel, ist für sie das höchste Gut. Und abseits der politischen Aufgaben einer SPD-Abgeordneten im Mainzer Landtag und der Herausforderungen eines Wahlkampfes für das höchste Amt im Donnersbergkreis sind ihr Mann und ihre beiden Söhne auch Anker, Rückzugsort und Rückhalt für sie.

Wie selbstverständlich die politische Karriere der Mama allerdings mit dem Familienleben verknüpft ist, wird bei einem Besuch in Eisenberg schnell deutlich. Ein Journalist im Haus ist vielleicht nicht alltäglich, aber auch nicht derart außergewöhnlich, dass eine besondere Aufregung herrschen würde. „Wir sind im roten Team“, sagt der Fünfjährige stolz. Während des Interviews auf dem kleinen, selbstgebauten Spielgelände auf dem Grundstück der Rauschkolbs bekommt man regelmäßig Leckereien aus Sand in den passenden Förmchen geliefert, die Stimmung ist locker. Wahlkampf und Familienleben in Einklang zu halten, ist allerdings keineswegs einfach. „Natürlich sind da im Moment mehr Absprachen nötig, da einfach viel mehr Termine anstehen“, sagt Jaqueline Rauschkolb, während Ehemann Victor wissend nickt. Die Situation ist für die Familie nicht neu, schließlich hat Rauschkolb bereits zwei erfolgreiche Direktkandidaturen für den Mainzer Landtag hinter sich gebracht. Beim ersten Mal, 2016, war sie mit ihrem ersten Kind schwanger. Entsprechend sind ihr auch Vorurteile nicht fremd. „Klar kenne ich solche Äußerungen auch zu Genüge“, sagt sie mit Blick auf Vorverurteilungen, weil sie als junge Mutter gleichzeitig in der Politik Karriere machte.

Spaß im Wahlkampf: Jaqueline Rauschkolbs Söhne fiebern mit und sind Teil des „roten Teams“.
Spaß im Wahlkampf: Jaqueline Rauschkolbs Söhne fiebern mit und sind Teil des »roten Teams«.

„Von Rabenvätern hört man nur selten“

Dem hält sie aber selbstbewusst entgegen, dass sie immer für ihre Familie da war und ist. Ehemann Victor arbeitet als Autolackierer, hat aktuell seine Arbeitsstunden leicht reduziert, gemeinsam bekommen sie es hin, viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. „Ein politisches Ziel ist es für mich, eben diese Strukturen weiter zu fördern und es Familien möglich zu machen, flexibel zu sein. Frauen und Männern“, erklärt Rauschkolb. Heutzutage habe die Gesellschaft weiterhin noch stellenweise ein veraltetes Bild vom Alltag junger Familien. „Man hört selten von Rabenvätern, oft aber von Rabenmüttern“, sagt sie. Eine Frau, die Karriere macht, werde schnell als solche abgestempelt, auch wenn es viele schaffen, sehr wohl beides miteinander zu verbinden – ebenso wie auch viele Männer. „Ich will da Vorbild sein und auch anderen Frauen signalisieren: Bringt euch ein. Ihr könnt das auch“, sagt Rauschkolb. Mit einem Schmunzeln erinnert sie sich an die Koalitionsverhandlungen nach der Wahl 2016 – ihr erster Sohn war als Säugling mit dabei. Für Rauschkolb kein Problem, auch wenn mancher – vor allem männliche – Kollege das wohl anders sah. Noch immer seien viel zu wenige, junge Frauen in politischen Ämtern oder anderen ehrenamtlichen Posten zu finden, meint Rauschkolb. „Die Rückmeldungen, die ich von jungen Frauen bekomme, sind jedoch überwiegend positiv“, sagt sie.

Ob es für sie nun als Landrätin einfach werden würde, Beruf und Familie zu verbinden, lässt sich für Jaqueline Rauschkolb nicht final beantworten. „Die Wege würden wohl kürzer werden, das ist klar“, sagt sie. Dafür würden sich die Aufgaben verändern, vielleicht auch mehr Abendtermine hinzukommen. Letztlich kann sie das also nicht pauschal sagen. Ein Grund dafür, nun als Landrätin zu kandidieren sei das jedenfalls nicht. Vielmehr habe sie klare Ziele, was sie als Kreischefin umsetzen möchte. Neben infrastrukturellen Themen, der Wohn- oder Gesundheitssituation zielen diese auch auf die Situation von Familien ab. „Es geht darum, Angebote zu schaffen, um Eltern zu entlasten“, sagt Rauschkolb. Das sei vor allem durch Flexibilität zu erreichen, etwa in der Ganztagsbetreuung an Schulen und Kindertagesstätten. „Vieles ist eine Frage der Organisation“, so Rauschkolb. „Außerdem müssen Kinder viel mehr in den öffentlichen Raum“, ergänzt sie und meint damit auch, wieder mehr Räume zu schaffen und auf die Bedürfnisse der Heranwachsenden einzugehen und diese ernst zu nehmen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Die Fußstapfen und der Traum des Großvaters

Kinder, Vereinbarkeit von Heim und Beruf – alles in allem: die Familie. Das ist, was für Jaqueline Rauschkolb einen ganz besonderen Stellenwert hat und auch ihren Werdegang seit jeher absolut beeinflusst. Schon 2009, als sie noch in der Ausbildung zur Hotelfachfrau war, zog es die damals 21-Jährige in die Kommunalpolitik und damit auch in die Fußstapfen ihres Großvaters. Heinrich Rauschkolb war von 1964 bis 1982 Stadtbürgermeister in Eisenberg, die letzten zehn Jahre seiner Amtszeit zudem auch Verbandsbürgermeister. Er wollte ebenfalls einst Landrat werden, was Heinrich Rauschkolb jedoch verwehrt blieb. 2020 verstarb er, kann nun die Kandidatur der Enkelin, die mit ihrer Familie inzwischen im früheren Haus des Großvaters lebt, nicht mehr miterleben. „Ich würde mir gerne bei ihm wichtige Ratschläge holen“, sagt sie. So wie damals, in den politischen Anfängen. Mit 18 in die SPD eingetreten, war sie vier Jahre später bereits stellvertretende Vorsitzende des Jusos in Rheinland-Pfalz, rückte 2012 dann in den Landesvorstand der Partei. Als Nachrückerin für die 2014 ausgeschiedene Margit Conrad zog Rauschkolb dann in den Landtag ein und verteidigte ihr Mandat bei den Wahlen 2016 und 2021, ist seit Beginn der aktuellen Legislatur zudem stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag. Auch sitzt Rauschkolb weiterhin im Kreistag, im Verbandsgemeinderat und Stadtrat von Eisenberg. Die Politik ist für sie, so wird sie nicht müde zu betonen, eine „Herzenssache“. Ähnlich der Familie.

Der Kreis schließt sich für Jaqueline Rauschkolb beispielsweise dort, wo sie durch politische Entscheidungen dazu beitragen kann, das Leben im Kreis für alle Menschen noch lebenswerter zu machen. Was ihr mit Blick auf Familien dabei ein besonderes Anliegen ist, ist der Tourismus und die bessere Vermarktung der bereits vorhandenen Angebote. „Ich denke, dass viele tolle Orte und die dazu gehörenden Freizeitmöglichkeiten nicht allen Menschen im Kreis überhaupt bekannt sind“, sagt sie. Eine Idee, das zu verbessern, sei beispielsweise die Entwicklung einer Tourismuskarte oder -app, die schnell und ohne viel Aufwand jedem Nutzer anzeigen kann, welche Tourismusangebote im Donnersbergkreis zu ihm passen. „So, dass man beispielsweise Kriterien wie Barrierefreiheit, Kinderprogramme oder gastronomische Angebote angeben kann und gezielt die richtigen Ergebnisse bekommt“, erklärt sie. Noch fehle es an genau solchen Angeboten, obwohl der Kreis doch bereits so viele schöne Ecken zu bieten habe. Sie selbst nennt als Beispiel die „Erdekaut“, eine Erlebnislandschaft bei Eisenberg, wo sie gerne mit ihrer Familie unterwegs ist. „Der Kreis ist touristisch bereits sehr schön, aber wir haben noch Dinge, die wir besser machen können“, fasst es Jaqueline Rauschkolb zusammen. Generell betont sie in ihrem Wahlkampf oft, einen „Neustart“ wagen zu wollen – auch weit über touristische oder familienpolitische Themen hinaus.

Jaqueline Rauschkolb lebt mit ihrer Familie im früheren Haus von Großvater Heinrich Rauschkolb.
Jaqueline Rauschkolb lebt mit ihrer Familie im früheren Haus von Großvater Heinrich Rauschkolb.

Mit Rückhalt zum politischen „Neustart“

Im Donnersbergkreis aufgewachsen, im Haus des Großvaters lebend, eng verbunden mit der Familiengeschichte will sie nun gerne als Landrätin gezielt an der Entwicklung der Region mitwirken. Die Unterstützung aus dem „roten Team“ im heimischen Kinderzimmer hat Jaqueline Rauschkolb dabei längst sicher. Und hört man ihr zu, dann ist genau das der allerwichtigste Rückhalt und Ansporn für die junge Kandidatin.

Zuletzt hatten wir bereits Landratskandidat Alex Raab im Portrait vorgestellt. In den kommenden Tagen folgt noch ein weiterer Artikel – dann mit dem amtierenden Landrat Rainer Guth.

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