Donnersbergkreis Landratskandidaten privat: Krach kriegt man mit Alex Raab nur sonntags beim Fußball

Alex Raab mit Hündin Elsa beim Wandern auf den Höhen zwischen Würzweiler und Gerbach.
Alex Raab mit Hündin Elsa beim Wandern auf den Höhen zwischen Würzweiler und Gerbach.

Alex Raab brennt für den Fußball. Innere Ruhe findet er bei langen Spaziergängen mit Hündin Elsa. Als wir ihn dabei begleiten, kommt er ins Philosophieren. Über Fußball – was sonst. Dabei verrät Raab auch viel darüber, wie er als Mensch so tickt.

„Mit mir kriegt man keinen Krach – wenn es nicht Sonntagmittag zwischen drei und fünf ist.“ Alex Raab meint das ernst. Wenn seine Welt in Ordnung ist, steht er um diese Zeit auf dem Fußballplatz und gibt alles, um seine Mannschaft zum Sieg zu zwingen. Rücksicht nimmt er dabei keine, weder auf sich selbst, noch auf andere. Dann lebt er, wie er es selbst formuliert, seine Emotionen voll aus. „Außerhalb vom Platz bin ich relativ ruhig und gelassen“, sagt er. „Auf dem Platz achte ich dagegen nicht drauf, wie ich auf andere wirke. Fußball ist meine absolute Leidenschaft. Absolut.“

Wer Alex Raab als Mensch verstehen will, muss den Fußball immer mitdenken. Mit fünf Jahren fing er damit an. In Göllheim, wo er aufwuchs. „Mein Vater wollte eigentlich gar nicht, dass ich in diese Richtung tendiere – er wollte mich ins Turnen schicken.“ Doch ein Nachbar, ehemaliger Vorsitzender des Turn- und Sportvereins, hatte längst erkannt, dass es den Buben ganz und gar nicht zu Reck und Ringen zog. „Er hat kurzerhand ein Passbild von mir machen lassen und mich bei der Fußballabteilung angemeldet.“

„Das Führen liegt mir am meisten“

Was ihn am Fußball fasziniert: „Es ist kein Sport für Einzelkämpfer. Man ist von anderen abhängig, und es zeigt sich schnell, was für ein Typ man ist. Ob man sich anpasst und unterordnet, oder ob man eine Führungsrolle übernimmt.“ Auf ihn selbst treffe beides zu, sagt Raab. Trotzdem habe er schon früh gemerkt, dass das Führen ihm am meisten liege. „Weil ich weiß, wie ich Menschen erreichen und zu Höchstleistungen motivieren kann.“ Entscheidend ist für ihn, wie er betont, dass man bei Niederlagen ruhig bleibt. „Es war noch nie meine Art, eine Mannschaft niederzumachen, wenn sie verloren hatte.“ Anders dagegen, wenn sich ein Sieg abzeichnet: „Mir ist es nicht egal, auf welche Weise wir gewinnen. Ich bestehe auf Leistung bis zum Schluss. Ich will, dass eine Mannschaft alles aus sich herausholt und nicht vor dem Spielende schon zwei, drei Gänge runterschaltet. Humanität ist im Sport kein Kriterium für mich.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Abseits des Platzes hält er Humanität dagegen für eine seiner großen Stärken. „Auch wenn meine Kritiker das anders sehen.“ Was für ihn entscheidend ist: „Dass ich Menschen erreiche, wo andere aufgeben.“ Ist ihm das im Verlauf seines Trainerlebens gelungen? „Ständig. Ich habe schon vermeintlich hoffnungslose Fälle motiviert, doch noch etwas aus sich herauszuholen. Mein Ehrgeiz war immer, Mannschaften aus dem Kreis so hoch zu bringen, wie es nur geht. Sie sollen stolz sein auf ihre Region und auf ihren Ort.“

„Die Idealisten sterben aus“

Seine erste Trainerstation war der SV Stahlberg-Ransweiler. Sehr geprägt haben ihn seine, wie er sagt, sechs schönen Jahre in Winnweiler. Jeweils zwei Jahre war er in Rockenhausen und Rüssingen, „wo wir mit wenig Möglichkeiten vordere Platzierungen in den jeweiligen Spielklassen erreichten“. Es folgten viereinhalb Jahre beim TuS Göllheim, den er von der B-Klasse in die Bezirksliga brachte. Sein Negativerlebnis hatte er in Nieder-Wiesen, wo er nach zwei Monaten entlassen wurde, weil „mein Anspruch und der der Mannschaft zu weit auseinanderklafften, vor allem was die Disziplin anging. Die Einstellung hatte da gar nicht gestimmt“. Mit der SG Alsenztal ist er erst in die Landesliga auf- und im Jahr darauf wieder abgestiegen. „Die Mannschaft war auf wichtigen Positionen geschwächt worden. Ähnlich war es in meiner letzten wunderbaren Station, der SG Mannweiler.“

Blickt er auf die letzten beiden Jahrzehnte, fällt ihm eine ungute Entwicklung auf: „Bis vor 20 Jahren war der Trainer noch eine absolute Respektsperson. Heute sind die Spieler nicht mehr bereit, diesen Respekt aufzubringen und sich an Regeln zu halten. Früher wäre es keinem Spieler eingefallen, während der Saison in Urlaub zu fahren, das war eine Einstellungssache. Heute ist es normal.“ Und was für den Sport gilt, gilt auch für die Gesellschaft, findet er. Man müsse Werte wie Anstand, Ehrlichkeit und Disziplin vorleben. Und ignorieren, wenn man dafür belächelt werde. Denn: „Die Idealisten sterben aus, und die, die den Idealismus noch verkörpern, kriegen den Buckel vollgeschimpft. Und das wird aus meiner Sicht nicht besser, sondern schlimmer.“

„Vieles an meinem Verhalten ist kalkuliert für den Sieg“

Dass er mit seiner kompromisslosen Haltung oft aneckt, weiß er. Stolz ist er darauf, dass er nicht nur austeilen, sondern auch einstecken kann: „Ich habe, auf Deutsch gesagt, viel auf die Fresse bekommen. Heute sage ich: Das war gut. Das hat mich geformt.“ Inzwischen geht er auch oft taktisch vor. „Vieles an meinem Verhalten ist kalkuliert für den Sieg. Bei mir ist der Umgang mit meinen Spielern im Training härter als im Spiel. Damit erreiche ich, dass sie in Stresssituationen psychisch stabil bleiben. Als Spieler war das meine große Stärke.“

Ist er ein Familienmensch? – Er selbst ist durchaus dieser Meinung. Trotzdem ist auch das Familienleben dem Fußball untergeordnet: „Zwei Abende in der Woche ist Training, und der Sonntag ist sowieso gelaufen, ob ich gewinn oder verlier.“ Von den vier restlichen Tagen nutzt er weitere zwei, um das Training vorzubereiten, und nur zwei Tage sind fußballfrei – meistens. Wie kommt seine Frau damit klar? – „Sie steht zu 100 Prozent hinter mir. Sie hat selbst gespielt und hatte einen fußballbegeisterten Vater. Ich muss aber auch sagen: Mit einer Frau, die sich nicht für Fußball interessiert, wär das gar nicht gegangen.“ Seinen beiden Söhnen, 26 und 29 Jahre alt, hat die Fußballverrücktheit des Vaters nicht geschadet: Einer ist Sonderpädagoge, der andere Finanzbeamter. „Ich bin stolz, dass wir die gut durchs Leben gekriegt haben. Sie sind uns gut gelungen.“

„Wenn ich hintergangen werde, verzeihe ich nicht“

Mit zunehmendem Alter stellt Raab fest, wie sehr er von seinem Vater geprägt wurde. „Er war ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn. Nach außen hin streng, aber bei vielem auch nachsichtig, und er hat mir viele Werte beigebracht. Viele von ihnen hab ich auch selbst praktiziert, und heute kann ich sagen: Ich bin froh, dass ich so einen Vater hatte.“

Als Trainer waren Vereinswechsel für Alex Raab häufig. Sein Berufsleben dagegen ist von Kontinuität geprägt. Er arbeitet als Vollstreckungsbeamter bei der Kreisverwaltung, ist also für das Eintreiben von öffentlich-rechtlichen Forderungen zuständig – ähnlich wie ein Gerichtsvollzieher, der dies aber bei zivilrechtlichen Forderungen tut. „32 Jahre bin ich jetzt in diesem Beruf – das macht man nicht mit links. Man muss viel aushalten und ein dickes Fell haben – und sich durchsetzen können. Manchmal aber auch fünf gerade sein lassen. Meine Stärke ist, dass ich vieles nicht auf die Goldwaage lege, auch verzeihen kann. Wenn ich allerdings der Überzeugung bin, dass ich hintergangen wurde, verzeihe ich nicht.“

„Vielleicht braucht die Politik auch mal Typen wie mich“

Für kritikfähig hält er sich durchaus – wenn es die richtige Art von Kritik ist. „Sie muss konstruktiv sein, sonst interessiert sie mich nicht. Zu 50 bis 70 Prozent hatten die Leute mit ihrer Kritik an mir recht. Aber die 30 Prozent, die unter der Gürtellinie waren, die muss man an sich abprallen lassen. Meine Schwäche ist, dass ich immer mal wieder, gerade auf dem Fußballplatz, wie ein Hornochse durchs Gebüsch renne.“

Seine Hündin Elsa ist jetzt siebeneinhalb Jahre alt. Ihren Vorgänger hatte er zwölf Jahre lang. „Bei Spaziergängen mit ihr finde ich zur inneren Einkehr. Wenn man mit einem Hund durch die Natur wandert, macht man sich über alles Mögliche Gedanken. Und ich bin jemand, der lange braucht, vieles hinterfragt bis ich eine Entscheidung treffe, aber wenn, dann ist sie unumstößlich. Wie gesagt, wenn jemand mich heimtückisch hintergeht, hat er bei mir verloren. Ich höre zwar immer wieder, dass man mit dieser Einstellung für die Politik der Falsche wäre, aber vielleicht braucht die Politik auch mal Typen wie mich. “

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