Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel „Im Schlüssel 2“: Häuslebauer lassen auf sich warten

Einsam und allein steht er seit Monaten am Rande des Baugebiets „Im Schlüssel 2“ auf der Haide, der Rohbau eines Einfamilienhaus
Einsam und allein steht er seit Monaten am Rande des Baugebiets »Im Schlüssel 2« auf der Haide, der Rohbau eines Einfamilienhauses. Die anderen lassen noch auf sich warten.

Explodierende Kosten im Baugewerbe, hohe Grundstückspreise, restriktivere Kreditvergaben der Banken, höhere Zinsen, Inflation: Sie haben in den vergangenen Monaten offenkundig auch in Kirchheimbolanden etliche Träume vom eigenen Heim und Träume von Investoren platzen lassen.

Gleich zweimal musste der Stadtrat dieser Problematik am Mittwochabend Rechnung tragen. „Wir wurden von der Realität überholt“, brachte es Grünen-Fraktionschef Stephan Sauer auf den Punkt. Einsam und allein steht er seit Monaten am Rande des Baugebiets „Im Schlüssel 2“ auf der Haide, der Rohbau eines Einfamilienhauses. Dabei ist es gerade mal ein Jahr her, dass die Begehrlichkeiten, dort Grund und Boden zu erwerben, durch die Decke gingen. Bereits über 200 Bewerbungen für die 32 städtischen Bauplätze lagen im Frühjahr 2022 vor, sodass sich die Stadt zum Auswahlverfahren der Verlosung mit klaren Kriterien wie zum Beispiel Eigennutzung des Hauses und Bebauungsverpflichtung in einem festgelegten Zeitrahmen entschloss.

Für eine erste „Lichtung“ an Interessenten sorgte bereits im Sommer die Bekanntgabe des mehrheitlich vom Stadtrat beschlossenen Quadratmeterpreises: 320 Euro – einsame Spitze für Kirchheimbolanden. Vor allem den Fraktionen von Grünen und „Wir für Kibo“ war das zu hoch. Letztlich blieben noch 75 Bewerbungen. Und was aus denen wurde, ist ein Spiegel der aktuellen wirtschaftlichen Situation: Sieben Kaufverträge wurden bisher beurkundet, zehn Verträge sind in „Anbahnung“, sagte Stadtbürgermeister Marc Muchow am Mittwochabend dem Stadtrat, lassen also fürs Erste auf einen Verkauf hoffen. 48 Bewerber jedoch sprangen ganz ab. Und einige der ausgelosten „Glückspilze“ blieben sogar dem Auswahltermin für die Grundstücke fern.

Auswahlverfahren wird geändert

Dass die restlichen Bauplätze, an denen in Kirchheimbolanden eigentlich Mangel herrscht, über einen längeren Zeitraum doch noch Interessenten finden werden und damit auch Geld in den Stadtsäckel zurückfließt, ist zwar zu vermuten. Aber das aufwendige und der damaligen Not geschuldete Auswahlverfahren wird demnächst geschlossen – letzte Fristen dafür laufen laut Verwaltung Mitte Mai ab.

Stattdessen sollen jetzt, wie der Stadtrat nun bei einer Enthaltung beschloss, die Grundstücke in Zukunft wieder „ganz normal“ öffentlich angeboten und verkauft werden – und zwar nach der Reihenfolge der Anfragen ab einem bestimmten, noch zu veröffentlichenden Stichtag. Einige Interessenten, die damals nicht am Bewerbungsverfahren teilgenommen hätten, gebe es bereits, hieß es in der Sitzung. Die Bauplätze werden auf der Internetseite der Stadt präsentiert. Die Konditionen bleiben unverändert – und mit ihnen der Kaufpreis.

Auch Investor überarbeitet Pläne

Bei der Wohnanlage in der Freiheitsstraße, mit der sich der Stadtrat bereits mehrfach beschäftigte, machen exorbitante Kostensteigerungen beim Bauen Abspecken nötig, auf das offenbar auch der Kreditgeber drängte. Eigentlich sollten hier zwei Mehrfamilienhäuser mit zusammen 26 Wohnungen und im hinteren Teil sechs Reihenhäuser errichtet werden. Das nördliche dieser Mehrfamilienhäuser wird nun nicht gebaut zugunsten von weiteren sechs Reihenhäusern, für die der Bauträger nach wie vor Bedarf sieht.

Wegen des dann insgesamt geringeren Stellplatzbedarfs kann die ursprünglich dort geplante Tiefgarage eingespart werden. Stattdessen werden alle Stellplätze im Freien angelegt – pro Reihenhaus zwei, pro Wohnung im Mehrfamilienhaus 1,5. Nichts ändern, so versicherten die Vorhabenträger aus Bobenheim-Roxheim dem Stadtrat, soll sich an der Absicht, das direkt an der Bischheimer Straße gelegene Mehrfamilienhaus zu errichten. Der Stadtrat stimmte dem geänderten Vorhaben bei zwei Enthaltungen grundsätzlich zu, für das nun auch eine förmliche Planungsänderung auf den Weg zu bringen ist.

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