Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel So sollen die Kinder in den Neustadter Kitas gefördert werden

Das Konzept soll die Grundlage dafür sein, die Kinder in den Kitas möglichst gut zu unterstützen – bei Bedarf auch mit ergänzend
Das Konzept soll die Grundlage dafür sein, die Kinder in den Kitas möglichst gut zu unterstützen – bei Bedarf auch mit ergänzenden Programmen.

Wie sind die 34 Kitas in Neustadt aufgestellt? Wo gibt es welchen Förderbedarf? Wie kann geholfen werden? Antworten darauf liefert ein neues Konzept, das viel Lob bekommt.

Kita-Sozialraumbudget – ein sperriger Begriff. Und doch ein Thema, bei dem Christine Stortz, Leiterin Koordination Kita-Sozialarbeit im Fachbereich Familie, Jugend und Soziales, am Dienstagabend im Jugendhilfeausschuss große Aufmerksamkeit und am Ende sogar jede Menge Komplimente bekam. Denn hinter dem kompliziert und abstrakt klingenden Namen verbirgt sich ein Ansatz, wie Kinder in Kindertagesstätten (Kitas) möglichst gut betreut werden können. Dass Stortz darüber sprach, liegt daran, dass sie im Ausschuss ein überarbeitetes Konzept vorgestellt hat. Es löst das im Juni 2021 beschlossene ab und gilt ab 1. Juli – denn der Ausschuss hat dem Papier einstimmig zugestimmt.

Hintergrund ist das neue Kita-Gesetz des Landes vom Sommer 2021, dessen zentrales Ziel es ist, „überall im Land für gleich gute Standards in der Kindertagesbetreuung zu sorgen“. Doch so leicht dieser Satz formuliert werden kann und sicher auch jeder dem Ansatz zustimmt, so schwer ist die konkrete Umsetzung. Denn „die Herausforderungen sind nicht überall gleich“, so Stortz. Je nach Einrichtung brauche es für die entsprechende Betreuung zusätzliches Personal und Förderkonzepte. All dies werde im Gesamtkonzept „Sozialraumbudget“ zusammengefasst. Es handle sich um ein Leitbild des sozialen Ausgleichs, das strukturelle Benachteiligungen überwinden will. Wichtig, so Stortz: Die für dieses Konzept erforderlichen zusätzlichen Stellen würden zu 60 Prozent vom Land mit finanziert.

Stadt erhebt Daten

Mit Blick auf das neue Neustadter Konzept habe man sich in der Abteilung dafür entschieden, jede der 34 Kitas in Neustadt als eigenständigen Sozialraum zu betrachten. „Das ermöglicht es uns, dass wir auf jede Einrichtung genau schauen können“, betonte Stortz. Um alles bewerten zu können, habe sich die Stadt die entsprechenden Sozialdaten (Arbeitslosenquote, Nettokaufkraft und so weiter) über eine spezielle App besorgt und über Befragungen bei Eltern, Kita-Leitungen und den Kita-Mitarbeitenden viele Angaben zu Migrationshintergrund, dem Bezug staatlicher Leistungen und dem Informationsstand bezüglich Hilfsangeboten weitere Angaben gesammelt. Auf dieser Basis sei dann eine Gesamtrangliste gebildet worden, so Stortz. In dieser wird vermerkt, ob eine soziale Belastung vorliegt, wie stark sie ist und welche Hilfsangebote daher sinnvoll sind.

Das Ergebnis: In den 34 Neustadter Kitas findet sich im Prinzip die ganze Bandbreite. Fünf Kitas – darunter St. Johannes in Königsbach oder die Kita Gimmeldingen – sind demnach im grünen Bereich, also kaum belastet. Ab einem Wert von 2,1 gilt dem Stadt-Ranking zufolge die leichte Belastung, die ab 4,1 in die mittlere und ab 6,1 in die hohe Belastung übergeht. Elf Kitas sind leicht belastet. Ab dieser Stufe wird die Kita-Leitung ergänzend freigestellt, bekommt also mehr Zeit für Organisatorisches. Laut Fachbereichsleiter Alf Bettinger wird dies in Neustadt so organisiert, dass eine Kita-Kraft zusätzlich dazu kommt – dem jeweiligen Freistellungsumfang entsprechend. Zudem werden ab dieser Stufe auch Förderprojekte angeboten. In den Einrichtungen mit höheren Belastungen gibt es zusätzlich noch besondere Beratungsangebote sowie Kita-Sozialarbeit. Zehn Kitas werden mit mittlerer Belastung eingestuft (darunter Kita Hetzelstift, Kita Rasselbande) und acht mit hoher Belastung – zu dieser zählen etwa die Kita Hoppetosse oder die Kita Pulverturmstraße. Alle Einrichtungen zusammen kommen laut Stortz auf einen Durchschnittswert von 4,1. Dieser beschreibt den sogenannten Benachteiligungsindex, der von 0 bis 10 reicht.

Personalsuche läuft

Stortz betonte, dass die Stadt vor allem „frühzeitig und präventiv“ handeln wolle. Daher schaffe man Freiräume für die Leitungen und hole für die Förderprojekte oder Beratungsprogramme zusätzliches Personal in die Kitas. Die Gesamtkosten werden pro Jahr mit rund 1,5 Millionen Euro beziffert. Das neue Konzept soll nun vier Jahre gelten. Die Daten zeigten, so Stortz, wie unterschiedlich die Belastung in den einzelnen Kitas sei – und wie verschieden der sich dadurch ergebende Unterstützungsbedarf. Mit dem Konzept gehe es darum, verschiedene zusätzliche Angebote für die Kinder machen und den Eltern Beratung anbieten zu können, sodass „wir die pädagogischen Handlungsmöglichkeiten in den Kitas erweitern und die Einrichtungen entlasten“. Stortz betonte, dass elementar sei, dass man alle erforderlichen Stellen besetzen könne. Das sei zwar schwierig, „aber wir sind auf einem guten Weg“. Denn klar sei auch: Ohne das entsprechende Personal seien die Überlegungen nur ein „Papiertiger“.

Fabienne Gerau-Frisch (CDU), Ortsvorsteherin in Lachen-Speyerdorf, lobte die Zusatzangebote. Aus der Kita in ihrem Ort wisse sie, „dass das den Kindern sehr viel Spaß macht“. Monika Kucera (FWG) schloss sich beim Lob an: Es sei ein „gutes Konzept“, das sie gerade auch durch den mehrstufigen Ansatz überzeuge. Wenn man das Angebot auch in Schulen weiterführen könnte, wäre das aus ihrer Sicht ideal. Bürgermeister Stefan Ulrich (CDU) lobte als zuständiger Dezernent die Arbeit des Teams im Fachbereich: „Das ist alles sehr schlüssig und nachvollziehbar.“

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