Kirchheimbolanden
Helmut Obenauer sagt als Bierkönig Servus
Zuvor wird sich Helmut Obenauer beim Festumzug bereits mit Huy in einer Kutsche präsentieren, flankiert von der bisherigen Braugerstenkönigin Ronja I. (Steuerwald-Ludwig) aus Stetten und ihrer Nachfolgerin Larissa I. (Knobloch) aus Ilbesheim. Den Umzug erwartet er mit großer Spannung. Denn zum Abschied hat er sich noch einen richtigen Knaller einfallen lassen und organisiert: Die Kontakte, die Kerchems Bierkönig noch vor Corona mit Hoheiten überall in Deutschland knüpfen konnte, rissen dank Internet ja auch in unlustigen Zeiten nicht ab, und naturgemäß hatte er es besonders häufig mit Königinnen und Prinzessinnen zu tun – egal, ob sie sich nun für Wein, Hopfen, Gurken oder Pellkartoffeln ins festliche Ornat warfen. Um die 35 dieser reizenden ehemaligen Kolleginnen werden Seine Majestät nun auch beim Umzug begleiten. Jedoch nicht in Kutschen, was heute kein leichtes Unterfangen mehr wäre, sondern zeitgemäß mit deutlich mehr PS auf Trikes. Das sind Dreiräder, auf denen hinter dem Fahrer noch eine oder sogar zwei Personen Platz nehmen können.
Helmut Obenauer, mittlerweile reger Facebook-Netzwerker, hat es geschafft, Triker aus ganz Deutschland und der Schweiz für ihr dreitägiges Jahrestreffen nach Kirchheimbolanden zu lotsen und so Easy-Rider-Feeling in die Kleine Residenz zu bringen. Ihr Hauptquartier werden die etwa 50 Motorisierten auf dem Schillerhain aufschlagen, das Frühstück richtet ihnen, wofür der Bierkönig sehr dankbar ist, der nahegelegene Schützenverein.
Die Garderobe ändert sich
Werbung für Kirchheimbolanden ist bei alldem inklusive – so wie es all die Jahre die Mission von Helmut I. bei seinen Reisen quer durchs Land war. Gekrönt worden war er 2016 übrigens nicht bei einer Bierwoche, sondern beim Neujahrsempfang der Stadt. Denn Vorgänger Fritz Hörner hatte die Königswürde vorzeitig abgelegt, via RHEINPFALZ suchte die Stadt einen Nachfolger. Helmut Obenauer fing Feuer für die Idee – obwohl sein vormaliger Job als Vollstreckungsbeamter bei der Verbandsgemeinde nicht unbedingt als vergnügungssteuerpflichtig erscheint. „Ich gehe gern auf Menschen zu, und für unser Kerchem zu werben, macht mir immer großen Spaß“, hält der gebürtige Pfeddersheimer dagegen, den es vor 55 Jahren nach Kirchheimbolanden zog. 2017 und 2019 herrschte er noch als aktiver Regent mit persönlicher Vorliebe für ein kühles Pils über die Kerchemer Bierwoche, dann kam mit Corona die Zwangspause. „Das war frustrierend, ich habe gefiebert, dass es wieder losgeht“, sagt der König.
Und noch etwas war anders bei ihm: Mit seiner Krönung übernahm Helmut Obenauer nicht die schwere Samtgarderobe nebst Pseudo-Hermelin-Besatz seiner Vorgänger Rüdiger Schauß (der von der ersten Bierwoche 1986 an viele Jahre amtierte) und Fritz Hörner. „Die hatten die Statur dafür, ich nicht“, schmunzelt der 73-Jährige und entschied sich stattdessen für eine deutlich luftigere und bequemere alpenländische Variante: Krachlederne, rustikales Hemd, Trachtenhut, Kniestrümpfe. Unverzichtbar aber blieben die grün-weiß-schwarze Schärpe des Bierkönigs und der Bierseidel mit Kibo-Motiv. Es freut Obenauer, dass sein Nachfolger mit einigen Abwandlungen dieses Outfit beibehalten will – obwohl der vielleicht sogar wieder die „Statur“ für ein königliches Ornat hätte.
Wie der Bierkönig zum Pfalzwein kam
Wenn Helmut I. von seinen königlichen Dienstreisen erzählt, wird ihm ein wenig schwer ums Herz. Man spürt: So manches wird ihm fehlen. „Ich hab nichts ausgelassen, was mir möglich war“, lacht er. In normalen Zeiten war er zwischen Mai und Oktober an den meisten Wochenenden unterwegs, 50 bis 60 Termine, teils mit Anreise bis nach Schleswig-Holstein, bewältigte er im Jahr – alles ehrenamtlich, nur Reisekosten wurden aus der Stadt-Schatulle bezahlt. Als Mann unter vielen Damen galt er oft als Exot und genoss es. Wie bei der zweimaligen Teilnahme an der Grünen Woche in Berlin, wo er sich im Wimmelbild zwischen mehr als 200 deutschen Hoheiten findet. Wo er aber auch den Bierkönig von Slowenien traf – in Deutschland darf es nur einen Bierkönig geben, dessen Titel sich die Stadt Kirchheimbolanden schützen lassen hat. Ein heiteres Geschmäckle hatte es für Helmut I., dass er auf der Internationalen Tourismusmesse in Stuttgart Werbung für seine Heimatstadt und das Bier machen durfte – am Stand des Vereins „Pfalzwein“!
Doch eigentlich klingt jede Begegnung für ihn ein bisschen nach, den Kontakt mit vielen ehemaligen Hoheiten will er weiter pflegen. So ist es ihm auch eine besondere Freude, dass Celine I., frühere rheinhessische Weinprinzessin, zur Entthronisierung die Dankesrede auf ihn halten wird. Etwas leid tut es Helmut Obenauer im Nachhinein um die Braugerstenkönigin an seiner Seite: Nachdem Christiane I. (Willig), die erste Königin in seiner Regentschaft, ausgeschieden und 2019 Ronja Steuerwald-Ludwig das Amt übernommen hatte, bremsten die Corona-Verordnungen deren Möglichkeiten zur Präsentation kräftig aus. Wenigstens ihren ersten offiziellen Auftritt dürfte die junge Frau aber nie vergessen: ein Königinnentreffen im hessischen Witzenhausen, bei dem sich ebenfalls über 200 Hoheiten die Ehre gaben.
Alle Infos zur Bierwoche 2023 gibt es hier.