Analyse RHEINPFALZ Plus Artikel Wegen der hohen Spritpreise: Vom Glück, ein Elektroauto zu fahren

Von wegen, Deutschland hinkt beim Thema E-Mobilität hinterher: Mit dem CLA (hier als Kombi) hat beispielsweise Mercedes-Benz in
Von wegen, Deutschland hinkt beim Thema E-Mobilität hinterher: Mit dem CLA (hier als Kombi) hat beispielsweise Mercedes-Benz in der unteren Mittelklasse ein E-Auto mit modernster Technologie und einer Reichweite von mehr als 700 Kilometern im Angebot.

Wer früh auf ein E-Auto umgestiegen ist, merkt inzwischen, dass Elektromobilität nicht nur eine ökologische Entscheidung sein kann – sondern auch eine sehr praktische.

Die Zapfsäule ist ein Seismograph der Stimmung im Land. Steigen die Spritpreise stark, wächst der Ärger schnell. Autofahren wird plötzlich zum politischen Thema, zur sozialen Frage, manchmal sogar zur gefühlten Ungerechtigkeit. Doch während viele über steigende Benzin- und Dieselpreise klagen, erleben Elektroautofahrer diese Debatte mit bemerkenswerter Gelassenheit. Denn wer elektrisch fährt, ist von den täglichen Preissprüngen an der Tankstelle weitgehend abgekoppelt.

Besonders deutlich wird der Unterschied der Betriebskosten freilich dort, wo das Auto mit selbst erzeugtem Strom geladen werden kann. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, fährt in den sonnigen Monaten oft nahezu kostenlos. Zwischen Frühjahr und Herbst reicht der Solarstrom häufig aus, um die täglichen Wege zu decken. Ölpreise, geopolitische Krisen oder die nächste Preisspitze an der Tankstelle verlieren damit einen großen Teil ihrer Bedeutung. Entlastungen durch die Bundesregierung auch.

Verändertes Fahrerlebnis

Elektromobilität ist aber nicht nur eine Frage der Kosten. Sie verändert auch das Fahrerlebnis. Ein Elektroauto beschleunigt ohne Verzögerung, ohne Schalten, ohne Motorbrummen. Es gleitet nahezu lautlos durch den Verkehr. Besonders im Stadtverkehr zeigt sich der Unterschied: Das volle Drehmoment steht sofort zur Verfügung. Selbst kleine Modelle wirken dadurch erstaunlich dynamisch. Viele Fahrer berichten, dass sie nach einiger Zeit mit einem Elektroauto den Verbrennungsmotor als überraschend grob empfinden – laut, ruckelig und technisch kompliziert.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil, der oft unterschätzt wird: die einfache Technik. Elektromotoren besitzen deutlich weniger bewegliche Teile als Verbrennungsmotoren. Ölwechsel, Auspuff, Zündkerzen oder komplexe Getriebe fallen weg. Entsprechend niedrig sind die Wartungskosten.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Das Ladenetz wächst zwar schnell, doch gerade abseits großer Verkehrsachsen ist die Infrast
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Das Ladenetz wächst zwar schnell, doch gerade abseits großer Verkehrsachsen ist die Infrastruktur noch immer nicht perfekt. Auf wirklich langen Strecken bleibt das Elektroauto daher manchmal eine Frage der Organisation.

Die Praxis bestätigt das. Nach mehreren Jahren Betrieb beschränken sich Werkstattbesuche bei vielen Elektroautos auf Routineinspektionen. Dank Rekuperation – also der Rückgewinnung von Energie beim Bremsen – werden selbst Bremsbeläge deutlich weniger beansprucht als bei klassischen Fahrzeugen.

Ländliche Regionen im Vorteil

Ein Einwand der Skeptiker betrifft die Batterie. Doch auch hier zeigt die Erfahrung vieler E-Auto-Fahrer ein anderes Bild als die oftmals beschworenen Horrorszenarien. Selbst nach mehreren Jahren und Zehntausenden Kilometer bleibt die Kapazität moderner Akkus häufig erstaunlich stabil. Die Technik hat sich schneller entwickelt, als viele Kritiker erwartet hatten.

Natürlich hat Elektromobilität weiterhin ihre Grenzen. Wer mit einem kleineren Akku unterwegs ist, muss längere Fahrten genauer planen. Das Ladenetz wächst zwar schnell, doch gerade abseits großer Verkehrsachsen ist die Infrastruktur noch nicht perfekt. Auf wirklich langen Strecken bleibt das Elektroauto daher manchmal eine Frage der Organisation.

Laden mit dem eigenen Strom

Im Alltag spielt das jedoch kaum eine Rolle. Die meisten Wege sind kurz: Arbeit, Einkauf, Besuche bei Freunden oder ein Ausflug in die Region. Für solche Strecken sind Elektroautos nahezu ideal. Reichweiten von 200 bis 300 Kilometern reichen dafür völlig aus.

Interessant ist dabei eine Erfahrung, die viele Fahrer gerade außerhalb der großen Städte machen. Oft heißt es, Elektroautos seien vor allem für urbane Regionen geeignet, weil dort mehr öffentliche Ladesäulen stehen. In der Praxis kann jedoch das Gegenteil als wahr angenommen werden: Gerade auf dem flachen Land wohnen viele Menschen im Eigenheim – mit Garage, Stellplatz und der Möglichkeit, eine Wallbox zu installieren. Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, lädt sein Auto häufig direkt zu Hause mit selbst erzeugtem Strom. Öffentliche Ladesäulen werden dann vor allem auf längeren Fahrten benötigt, im Alltag dagegen erstaunlich selten.

Unabhängig von Spritpreisen

Ein weiteres Detail: Viele Elektrofahrer berichten, dass die größte Herausforderung nicht der Alltag ist, sondern der erste längere Trip – etwa die Überführung eines Fahrzeugs quer durch Deutschland. Danach stellt sich schnell Routine ein.

Wenn also heute über hohe Spritpreise geklagt wird, ist das verständlich – aber es löst auch eine merkwürdige Debatte aus. Denn die Möglichkeit, sich unabhängiger zu machen, existiert längst. Elektromobilität ist keine ferne Zukunftstechnologie mehr, sondern seit Jahren Realität auf den Straßen.

Wer zu spät kommt …

Schadenfreude über die steigenden Spritpreise ist dabei fehl am Platz. Doch Mitleid muss man auch keines haben. Die Entwicklung war lange absehbar: strengere Klimavorgaben, steigende CO 2 -Abgaben, technologische Fortschritte bei Batterien und eine Automobilindustrie, die sich weltweit auf elektrische Antriebe ausrichtet. Wer das alles ignoriert hat, konnte zwar hoffen, dass der Wandel noch lange auf sich warten lässt – sicher war das aber nie.

Die politische Debatte über die Zukunft des Verbrennungsmotors wirkt vor diesem Hintergrund zunehmend merkwürdig. Immer wieder wird gefordert, den Ausstieg aus dem Verbrenner zu verschieben. Doch technologische Umbrüche warten selten auf politische Komfortzonen.

Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow soll einmal gesagt haben: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Für die Welt der E-Mobilität könnte man diesen Satz leicht abwandeln: Wer zu spät kommt, den bestraft die Zapfsäule – oder die Mineralölindustrie.

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