Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nolte Möbel kann wieder zulegen

„Made in GER“ heißt für Nolte Möbel nicht nur „Made in Germany“, sondern insbesondere „Made in Germersheim“.
»Made in GER« heißt für Nolte Möbel nicht nur »Made in Germany«, sondern insbesondere »Made in Germersheim«.

Nach einem Jahr Durststrecke im Insolvenzverfahren machen die Verantwortlichen des Pfälzer Schlafzimmermöbelproduzenten einen Hoffnungsschimmer am Horizont aus.

Die Möbelbranche befindet sich in einem Erosionsprozess. Es herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb um Marktanteile – europaweit. Das spürt auch die sich seit einem Jahr im Insolvenzverfahren befindliche Nolte Möbel GmbH & Co. KG mit Sitz in Germersheim, sagt deren Geschäftsführer Jan Paschen. Zur allgemeinen Kaufzurückhaltung wegen Preisauftrieb und Inflation kämen Krisen wie der Ukraine-Krieg, die für Verunsicherung sorgten, sowie gestörte Lieferketten, unter anderem beim Holz. Betroffen seien alle Preissegmente. Selbst bei Küchen, die eine lange Aufwärtsentwicklung hinter sich hätten, gebe es Einbrüche.

Erst kürzlich hätten wieder zwei Hersteller aufgegeben. Folglich setze sich der Konzentrationsprozess in der Möbelbranche fort, sagt Paschen. Hinzu komme im Möbelhandel eine Elefantenhochzeit, die noch auf ihre Genehmigung warte. Es gebe nur noch etwa ein halbes Dutzend große Hersteller im mittleren Preissegment, zu dem auch Nolte Möbel zähle. Das Unternehmen entwickle und produziere vor allem Schlafzimmermöbel.

Stabil

„Nolte Möbel steht trotz Insolvenz stabil da“, sagt Insolvenzverwalter Steffen Rauschenbusch von der Mannheimer Kanzlei Ernestus. Er zeigt sich optimistisch, dass das Unternehmen die Herausforderungen meistern kann. Schließlich hätten die Mitarbeiter von Nolte Möbel „die Möglichkeit, aus einem großen Baukasten viele individuelle Lösungen zu schaffen“, weist Paschen auf eine Produktvielfalt hin. Laut Rauschenbusch sind, nachdem im vergangenen Jahr etwa ein Drittel der damals knapp 380 Mitarbeiter entlassen wurden, noch einige andere gegangen. Doch inzwischen sei ein Teil davon wieder zurückgekehrt; die Beschäftigtenzahl liege stabil bei 240.

Die weiterhin laufende Investorensuche ist bisher enttäuschend verlaufen, sagt Rauschenbusch. Erschwerend hinzu komme, dass nun ein Teil der potenziellen Investoren aus der Branche selbst im (vorläufigen) Insolvenzverfahren stecke. „Und für einen externen Investor ist die Branche zu ertragsschwach.“

Plus

Dennoch sehen der Geschäftsführer und der Insolvenzverwalter einen Hoffnungsschimmer: Nachdem Nolte Möbel viele Jahre Verlust geschrieben habe, sei dieses Jahr erstmals wieder ein leichtes Plus möglich, eine schwarze Null. Der Markt habe auf die Insolvenz von Nolte Möbel zunächst sehr sensibel reagiert. Denn durch die etwa zeitgleiche Insolvenz eines sehr großen Herstellers seien von diesem viele Aufträge nicht mehr ausgeführt worden. „Da galt es viel Vertrauen zu schaffen, was uns in den vergangenen Monaten gelungen ist“, so Rauschenbusch.

Mut macht ihm, dass derzeit im Ein-Schicht-Betrieb pro Tag rund 90 Tonnen Möbel produziert würden; vor einem Jahr seien es nur rund 60 Tonnen pro Tag gewesen. Paschen spricht von einem Auftragsplus von etwa 30 Prozent in den Monaten Dezember 2024 und Januar 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Er erwartet, dass der Umsatz zeitversetzt „deutlich nach oben“ gehen wird. Beide rechnen – „konservativ geplant“ – mit 55 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr. Das sei in etwa der Umsatz aus dem Jahr 2023. Allerdings sei in der Summe damals noch der Umsatz von Express Möbel enthalten gewesen. Diese Firma sei inzwischen aufgelöst. Zum Umsatz im vergangenen Jahr werden keine Angaben gemacht. Gleiches gilt für die Höhe der Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigern und die geplanten Investitionen. Zu Letzterem heißt es lediglich, dass in Maschinen und Wartung investiert wird.

Auslandsgeschäft

Zum Auslandsgeschäft sagt Paschen, dass Nolte Möbel insbesondere in die Benelux-Staaten („ganz stark“), Schweiz, nach Österreich, Frankreich („Der Markt erholt sich.“) und Großbritannien liefert. In Osteuropa sei man derzeit zwar nicht so präsent, aber das könne sich wieder ändern. Ein potenzieller Abnehmer dort habe Interesse signalisiert. Zudem habe man erstmals nach längerer Pause wieder einen Container nach Dubai fertig gemacht. Von dort aus gehe die Ware auch weiter auf die Seychellen und nach Indien, zur Einrichtung von Hotels und Wohnobjekten. Den Exportanteil von Nolte Möbel beziffert Paschen auf etwa 35 Prozent.

Ein Liquiditäts- verbunden mit einem Brandschutzproblem wurde in früheren Aussagen dafür verantwortlich gemacht, dass Nolte Möbel ins Insolvenzverfahren gerutscht ist. Auflagen der Versicherung hätten eine Millioneninvestition erforderlich gemacht. Nach Paschens Angaben ist das Brandschutzproblem inzwischen weitgehend gelöst.

Ruckler

Im Verhältnis zum Spanplattenlieferanten, der Germersheimer Rheinspan GmbH & Co. KG, hat es in der Übergangsphase zu Beginn des Insolvenzverfahrens „etwas geruckelt“, räumt Paschen ein. „Weil es auch Mengenveränderungen gab. Aber nun läuft es wieder stabil.“ Rheinspan hat einst, wie das nun unter der Regie des Firmenpatriarchen Georg Nolte stehende Unternehmen Nolte Möbel, zur Nolte-Gruppe gehört. Inzwischen ist Rheinspan von der italienischen Saviola-Gruppe komplett übernommen worden.

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