Germersheim
Insolvenzverfahren bei Nolte Möbel: Das sind die Gründe
Schon seit einigen Jahren steckt der Möbelhersteller Nolte Möbel mit Sitz in Germersheim in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Nach außen zeigte sich das in mehreren Geschäftsführer-Wechseln und Personalabbau. Als der gegenwärtige Geschäftsführer, Oliver Bialowons, 2019 Verantwortung im Unternehmen übernahm, zählte dieses nach seinen früheren Angaben rund 700 Mitarbeiter, Ende vergangenen Jahres waren es noch rund 390. Die Belegschaft wurde nach RHEINPFALZ-Informationen am Donnerstag bei einer Betriebsversammlung über die aktuellen Entwicklungen informiert.
In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitarbeiterinformation, die der RHEINPFALZ vorliegt, heißt es, dass die Nolte-Möbel GmbH & Co. KG an diesem Tag beim Insolvenzgericht in Landau einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Im Folgenden wird erklärt, wie es dazu kam. Demnach wurde im Januar 2019 mit einem umfassenden Konzept die Grundsanierung der heutigen Nolte-Möbel und deren damaliger Tochtergesellschaften begonnen. Bereits 2020 habe die Sanierung erste Erfolge gezeigt. Deshalb habe das Geschäftsjahr 2020 nach den verlustträchtigen Vorjahren erstmals wieder mit einem positiven operativen Ergebnis abgeschlossen werden können. In dem Jahr sei Nolte Möbel auch erfolgreich aus der Nolte-Gruppe ausgegliedert worden.
Die Corona-Pandemie habe zunächst ab Anfang 202 und dann insbesondere ab Dezember 2020 „unser Geschäft in erheblichem Umfang negativ beeinträchtigt“. Weitere „erhebliche Beeinträchtigungen unserer Lieferketten“ seien hinzugekommen. Weitere Störungen des Geschäfts ergaben sich laut Mitarbeiterinformation aus dem im Februar vergangenen Jahres begonnenen Krieg in der Ukraine. „Alle daraus bedingten Probleme haben wir mit erheblichem Einsatz sowie auch durch Einsatz zusätzlicher Finanzmittel im Griff gehalten. Eine niemals zuvor eingetretene Inflation und daraus folgende Preissteigerungen unserer Warenbeschaffung sowie exorbitant gestiegene Energiebeschaffungspreise haben wir gemeistert.“ Die erhöhten Beschaffungskosten habe man teilweise mit Preiserhöhungen kompensieren können, allerdings mit zeitlichem Verzug und mit „operativen Verlusten“.
Das 2019 begonnene Sanierungskonzept habe sowohl die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems als auch einer Software zur Unternehmensführung (ERP-System) vorgesehen. Doch nach der im Sommer 2022 erfolgten Umstellung vom alten aufs neue ERP-System kam es zu Problemen, die aber zwischenzeitlich „mit großem personellen Einsatz“ beseitigt werden konnten, heißt es in der Mitarbeiterinformation. Die operativen Kennzahlen zeigten aktuell ein besseres Leistungsniveau als vor der Systemumstellung. „Das aktuelle Geschäftsjahr ist jedoch bedingt durch die exogenen Faktoren wie Inflation, Krieg in der Ukraine und die militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten auf historisch niedrigem Niveau.“ Deshalb hätten sich die Gesellschafter dazu entschlossen, „dieser hoffentlich temporären Geschäftsbeeinträchtigung“ mit einer weiteren Finanzierung zu begegnen, um das Geschäft zu stabilisieren.
Sehr kurzfristig und unerwartet sei die Gesellschaft „mit erheblichen Auflagen zur Erneuerung unseres Brandschutzes konfrontiert worden“, heißt es in der Mitarbeiterinformation weiter. Diese „nicht finanzierbaren Brandschutzauflagen“ seien auch nach intensiven Verhandlungen nicht zu beseitigen gewesen. Deshalb habe sich die Geschäftsführung kurzfristig gezwungen gesehen, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. „Das operative Geschäft ist davon unberührt. Alle Bestellungen werden in gewohnter Qualität abgearbeitet und ausgeliefert“, heißt es abschließend in der Mitarbeiterinformation.
Harald Lange von der Gewerkschaft IG Metall kennt zwar die Probleme von Nolte Möbel, aber letztlich war auch er von dem kurzfristigen Schritt der Geschäftsführung überrascht. Nach seinen Angaben leidet nicht nur Nolte Möbel unter den Krisen, sondern die gesamte Möbelbranche – mit Ausnahme der Küchenhersteller. Angesichts der Inflation, der steigenden Preise stünden bei den Kunden Möbelkäufe nicht an erster Stelle der Prioritätenliste. Das könne jeder beim Besuch eines Möbelhauses feststellen, wo seit geraumer Zeit gähnende Leere herrsche. So habe Nolte Möbel im ersten Halbjahr ein neues Möbelprogramm in den Handel gebracht, das auch gut angenommen worden sei. Aber aufgrund der allgemeinen Kaufzurückhaltung habe das nicht gereicht. Nach seinen Informationen gibt es in Deutschland derzeit noch rund zehn Möbelhersteller, die alle Probleme hätten, ein Teil davon sei bereits zahlungsunfähig.
Was Nolte Möbel anbetrifft, so sind es laut Lange auch hausgemachte Probleme, die das Unternehmen, das in erster Linie Schlafzimmermöbel produziere in die aktuelle Lage geführt haben. So seien bereits vor rund 20 Jahren falsche Weichenstellungen vorgenommen, also erforderliche Investitionen nicht getätigt worden. Wobei auch immer die Frage sei, woher das Geld nehmen, räumt Lange ein. Die Investitionen in den vergangenen drei, vier Jahren hätten zwar gefruchtet, seien aber letztlich zu spät erfolgt.
