Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Insolvenz: Noch keine Entscheidung bei Nolte Möbel

Für die 376 Mitarbeiter bei Nolte Möbel endet das Jahr, ohne dass sie wissen, wie es 2024 weitergeht.
Für die 376 Mitarbeiter bei Nolte Möbel endet das Jahr, ohne dass sie wissen, wie es 2024 weitergeht.

Nachdem Nolte Möbel im November Insolvenz anmeldete, sorgen sich fast 400 Beschäftigte um ihre Zukunft. Unternehmen und Insolvenzverwalter verhandeln derzeit mit mehreren Interessenten.

„Wir suchen nach einer Anschlusslösung“, sagt Oliver Bialowons, der Geschäftsführer von Nolte Möbel. Am 9. November musste das 1955 in Germersheim gegründete Unternehmen Insolvenz anmelden. Das Verfahren sei mittlerweile angelaufen und gemeinsam mit dem als Insolvenzverwalter eingesetzten Mannheimer Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch werde nach Lösungen gesucht. Dabei gehe es vor allem darum, Perspektiven für die 376 Beschäftigten zu finden. „Es geht um die Zukunft für die Mitarbeiter“, sagt Bialowons.

Noch ist völlig offen, wie es für die Mitarbeiter bei Nolte weitergeht. Zwischen Weihnachten und Neujahr gehe der Betrieb wie in den vergangenen Jahren auch in eine Betriebsruhe. Am Freitag vor Weihnachten setzt der Produktionsschluss ein. „Ab dem 2. Januar geht es wieder los“, sagt Bialowons.

In den vergangenen Jahren wurde die Belegschaft deutlich reduziert. 2019 hatte Nolte mit rund 900 Mitarbeitern noch eine mehr als doppelt so große Belegschaft. Aufgrund der Krise wurde im Frühjahr zwischen den Tarifparteien bereits geringere Gehälter für die Nolte-Beschäftigten vereinbart. Das Unternehmen versprach sich davon „in den kommenden zwei Jahren hohe Personalkosteneinsparungen.“ Doch das reichte offensichtlich nicht.

Externe und interne Probleme

Das „umfassende Sanierungskonzeptes“ im Jahr 2019 mit den deutlichen Einschnitten beim Personal habe zwar Erfolge gezeigt, doch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine mit Lieferkettenproblemen, Inflation und einer Verteuerung des Einkaufs trieb Nolte Möbel wieder in die Verlustzone. In seinem zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht thematisierte das Unternehmen unter anderem, dass die Corona-bedingten Schließungen ausgerechnet in die „auftragseingangsstärkste Zeitspanne“ gefallen seien und Logistikkapazitäten durch einen „eklatanten Mangel an Lastwagen-Fahrern“ immer enger wurden. Das Marktumfeld für Möbelhersteller sei gerade bei Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sehr schwierig und allgemein rückläufig gewesen.

Doch es gab auch hausgemachte Probleme bei Nolte. Mit der Sanierung wurde ein neues SAP-IT-System eingeführt, das „große Schwierigkeiten“ gemacht habe. „Mannigfaltige Schwierigkeiten“ im Vertrieb, Einkauf und im Forderungsmanagement seien die Folge gewesen, so der Geschäftsbericht. Es „kam es zu sehr hohen Bearbeitungsrückständen, unvollständigen Lieferungen und Beanstandungen und Verzügen“, so das Unternehmen. Der Verkauf sei dadurch eingefroren gewesen, da zwischenzeitlich keine neuen Produkte angelegt werden konnten. Nur durch einen „Workaround“, massive Mehrarbeit und zusätzliche Beratung konnten diese Probleme einigermaßen auffangen.

Die verschiedenen Krisen hätten den Umsatz von Nolte Möbel massiv beeinträchtigt. Lag er in den vergangenen Jahren nach Angaben des Unternehmens noch bei über 100 Millionen Euro pro Jahr, sank er 2022 auf etwa 90 Millionen. Für das laufende Jahr rechnet Bialowons noch einmal mit „erheblich“ weniger. Auch zusätzliche Mittel der Gesellschafter konnten die finanzielle Schieflage nicht mehr entscheidend verändern.

Unklarheit beim Brandschutz

Die Eile in der Entscheidung für ein Insolvenzverfahren, begründete Nolte aber mit neuen Brandschutzauflagen. „Sehr kurzfristig und für die Geschäftsführung unerwartet, ist die Gesellschaft mit erheblichen Auflagen zur Erneuerung unseres Brandschutzes konfrontiert worden“, hieß es in der ersten Pressemitteilung des Unternehmens. „Nach intensiven Verhandlungen waren diese nicht finanzierbaren Brandschutzauflagen nicht zu beseitigen.“ Auch auf erneute Nachfrage will die Kreisverwaltung nichts von einem solchen Vorgang zu wissen. „Aktuell hat die Kreisverwaltung kein entsprechendes Verfahren mit Nolte Möbel laufen.“ Gegenüber der RHEINPFALZ wollte Bialowons sich dazu nicht weiter äußern. „Wir kommentieren das nicht weiter“, sagte er auf den Brandschutzpunkt angesprochen.

Über eine mögliche Weiterführung des Unternehmens werde derzeit „mit mehreren Interessenten“ verhandelt, sagt Bialowons. Eine Prognose könne er aber noch nicht geben. Was die Gespräche ergeben, wisse man immer erst am Ende. In Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter hoffe er aber, im Laufe des Januars 2024 zu einer Lösung zu kommen.

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