Batteriezellfabrik
ACC Kaiserslautern: Runder Tisch fordert Runden Tisch
Mit Forderungen an die Bundesregierung und an das Unternehmen ACC ist am Montag ein knapp zweistündiges Treffen in der Mainzer Staatskanzlei zur Zukunft des Standorts Kaiserslautern nach dem angekündigten Aus der ACC-Batteriezellfabrik zu Ende gegangen. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) sagte im Anschluss, alle Akteure des Runden Tisches seien sich einig, dass die Bundesregierung das Thema der Batteriezellfertigung als Schlüsseltechnologie aufnehmen und „zeitnah selbst zu einem Runden Tisch“ einladen solle.
Es handele es sich um eine industriepolitische und sicherheitspolitische Aufgabe. „Wir sehen in der aktuellen geopolitischen Lage, wie wichtig es ist, dass Deutschland und Europa bei Schlüsseltechnologien nicht von China oder anderen Ländern abhängig sind. Das Thema reicht weit über Rheinland-Pfalz hinaus. “
ACC gibt auch seine Pläne in Italien auf
In Mainz ging es zunächst einmal um ACC. Das Unternehmen, dessen Gesellschafter die Autohersteller Stellantis und Mercedes- Benz sowie das Energieunternehmen Total-Energies sind, hatte Anfang Februar öffentlich gemacht, die Pläne der Gigafabrik in der Westpfalz nicht weiter zu verfolgen. Als Grund wurde die anhaltend schwache Nachfrage nach E-Autos genannt. ACC gibt auch seine Pläne in Italien auf, einzig in der Nähe von Lille in Frankreich werden seit zwei Jahren Batterien gefertigt.
Ursprünglich über 2000 Arbeitsplätze versprochen
Vor fünf Jahren waren mehr als 2000 Arbeitsplätze versprochen worden, für die Entwicklung und den Bau der Fabrik hatten EU, Bund und Land 437 Millionen Euro Steuergelder in Aussicht gestellt. Verbunden war damit schon 2021 die Hoffnung, der marktbeherrschenden Stellung Chinas eine europäische Alternative entgegensetzen zu können. Schweitzers Einladung zum Runden Tisch waren 25 Personen gefolgt. Im Stresemannsaal der Staatskanzlei versammelten sich Beate Kimmel, die Oberbürgermeisterin von Kaiserslautern, Markus Borst und Florian Krapf vom ACC-Betriebsrat, die die 90-köpfige Belegschaft vertreten, auch der ACC-Deutschland-Chef Erhard Schletterer und Peter Winternheimer vom ACC-Management kamen nach Mainz. Digital zugeschaltet war Beate Baron, Abteilungsleiterin im Bundeswirtschaftsministerium von Ministerin Katherina Reiche (CDU).
Auf die Frage, ob sie nach dem Treffen beruhigter in die Zukunft schaue, sagte Oberbürgermeisterin Kimmel: „Das ist eine schwierige Frage.“ Sehr zufrieden sei sie mit der Runde gewesen und mit der Transparenz seitens der Landesregierung und auch des deutschen ACC-Managements. Allerdings warte sie bereits seit Wochen auf eine Antwort aus der ACC-Zentrale in Frankreich, wie es in Kaiserslautern weitergehen soll, auch mit dem Grundstück. Dieses gehört ACC und ist ein Teil des Stellantis-, ehemals Opel-Werkgeländes. Kaiserslautern wolle baurechtlich dafür sorgen, dass das Grundstück wertschöpfend verwendet werde, kündigte sie an. Kurz: Dass sich nicht ein Logistikunternehmen mit viel Platzbedarf und wenig Arbeitsplätzen dort niederlassen kann. Mit der Rheinland-Pfälzisch-Technischen Universität (RPTU) und den Fachkräften biete Kaiserslautern beste Voraussetzungen.
Klare Entscheidung von ACC gefordert
Mit am Runden Tisch saß auch Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmerverbände und von Pfalzmetall. „Ich bin verhalten positiv“, sagte er nach dem Treffen. Wichtig sei nun, dass das Unternehmen eine Entscheidung treffe: „Entweder ACC hält sich an die gemachten Zusagen und realisiert eine Zellfertigung auch in Kaiserslautern oder ACC muss den Weg freimachen für ein alternatives Modell mit neuen Partnern.“ Wer diese Partner sein könnten, nachdem sich beispielsweise Porsche aus der Batteriezellfertigung verabschiedet hat oder das schwedische Startup Northvolt gescheitert ist, ließ Tacke offen. „Es gibt immer jemanden“, sagte er. Bedürfnisse und mögliche Ankerkunden sind nach seinen Worten in der Verteidigungsindustrie und in der kritischen Infrastruktur vorhanden. Das sei eine Alternative zum Bereich Automotive.
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