Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Die Provence ganz in der Nähe

Der Trend (oder ein Trend) geht zum Rośe.
Der Trend (oder ein Trend) geht zum Rośe.

Garnacha und Cinsault in der Pfalz? Geht doch!

Wer vor 20 Jahren in Südfrankreich oder Spanien Winzer nach Garnacha (so heißt die aus Spanien stammende Sorte dort) oder Grenache (so heißt sie auf Französisch) fragte, dem wurde erklärt, dass diese Rebe viel Wärme brauche und in der Regel zuletzt gelesen werde. Wer hätte gedacht, dass so eine wärmebedürftige Pflanze je in der Pfalz angebaut würde?

Das Weingut Emil Bauer hat sich bereits an südliche Sorten wie Cabernet-Sauvignon herangetraut, als vom Klimawandel noch wenig zu hören war. „Jetzt erst recht“, scheint man sich gedacht zu haben, als die sommerlichen Temperatursteigerungen nicht mehr wegzudiskutieren waren. Neben Cabernet und Grenache stehen in den Landau-Nußdorfer Weinbergen nun auch südliche Reben wie Viognier, Merlot, Syrah, Cabernet Franc und Cinsault.

Provence: Rośe zu beachtlichen Preisen

Das trifft sich insofern gut, weil die Region Côtes de Provence vor einigen Jahren mit ihrem „Rosé de Provence“ weltweiten Erfolg einheimste, sodass heute dort zu 90 Prozent Rosé hergestellt und zu beachtlichen Preisen verkauft wird, an die vor 20 Jahren kaum ein Rosé- oder Weißherbst-Erzeuger nur zu denken wagte. Die Provence hat aus dem mal schmutzigrosa-süßlichen Weißherbst, mal hellrot-trockenen Allerweltswein einen „ernsthaften“ Wein gemacht. In der Regel ist er knochentrocken, nur ganz zart zwiebelfarben und wird als Cuvée ortsüblicher Sorten hergestellt, die vor allem die Cinsault, Grenache, Syrah und Mourvèdre enthält.

Womit wir wieder beim Weingut Bauer wären. Dort hat man 2021 erstmals einen Rosé im Provencestil versucht, der 2022 schließlich so ausfiel, wie wir uns das vorstellen: Bestehend aus 50 Prozent Cinsault, 30 Prozent Grenache und 20 Prozent Syrah ist er genauso zart zwiebelfarben, genauso knochentrocken und noch erfrischender als das Original. Ein Austernwein, sagt man bei Bauers. Wer keine Austern zur Hand hat, kann ihn auch ohne Essen oder zu leichten Sommergerichten genießen. Jo alla: Was die dort drunne känn, kinn mir ach.

Der Wein

2022 „Emilio“ Rosé trocken, Weingut Emil Bauer, Landau-Nußdorf, Telefon 06341/ 61754, www.bauerwein.de, 12,90 Euro ab Hof

Der Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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