Donnersberger Weinwelten RHEINPFALZ Plus Artikel Weingut Hahnmühle: Bekenntnis zum Öko-Weinbau prägt Generationen

Johannes und Kathrin Linxweiler in der Schatzkammer.
Johannes und Kathrin Linxweiler in der Schatzkammer.

Seit 1820 produziert die Familie Linxweiler Wein, zunächst im Stammhaus in Mannweiler, seit 1898 in der Hahnmühle, die einst als wassergetriebene Getreidemühle ihren Dienst tat. Das Bekenntnis zum Öko-Weinbau prägt nun schon die nächste Generation.

Eine alte Mühle an der Alsenz, verwunschen zwischen Wiesen und Berghängen, links der Einfahrt ein Mühlradshäuschen, rechts die einstige Kutscherstube, die sich heute als rustikal-stimmungsvolle Weinprobierstube entpuppt. Alles liegt wie in frühlingshaftem Schlummer – bis der Besucher Martina Linxweiler begegnet, die mit ihrem Mann Peter die Hahnmühle zu einem der ersten namhaften ökologischen Weingüter in der Region aufgebaut hat.

Martina Linxweiler sprüht vor Elan und Gastfreundschaft. Für die gelernte Winzerin und ihre Familie ist Wein mehr als nur Beruf. Seit mehr als 30 Jahren gehören die Linxweilers zu den Verfechtern des ökologischen Anbaus, die den Weinbau ganz in den Einklang mit der Natur stellen. Die Liebe zur Natur und vor allem zu ihrem Beruf haben sie ihrem Sohn Johannes vererbt, der mit seiner Frau Katharina seit 2016 den Weinbaubetrieb auf der Hahnmühle leitet.

Vielzahl von Bodentypen

„In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts sah es im Alsenztal noch ganz anders aus als heute: Es gab ganz viele Weinberge, es war eine offene, gepflegte Kulturlandschaft. Heute dagegen sind die Hänge wieder bebuscht und mit mageren Wiesen bewachsen“, erklärt Martina Linxweiler. Die Böden sind karg, aber durch das wechselnde Gestein eben ein besonderer Aromalieferant für die Alsenzer Weine, die an Steillagen wachsen, die an die arbeitsintensiven Hänge an der Mosel erinnern. „Bis in die 70er Jahre haben wir auch noch zum Weinbaugebiet Pfalz gehört, doch durch die Strukturreform wurden wir dem Nahe-Weinbereich zugeordnet.“

Das versteckte Alsenztal und seine Vielzahl an Bodentypen machen für die Weinbaufamilie gerade den Reiz aus. Porphyr, Schiefer, Sandstein oder vulkanisches Gestein geben den Weinen das gewisse Extra. Die Anerkennung geht jetzt mit der neuen Generation sogar weit über die Region hinaus, stolz berichten Johannes und Katharina Linxweiler, dass sie im „Eichelmann 2023“, einem der renommiertesten deutschen Weinführer, als „Aufsteiger des Jahres“ geadelt wurden.

Der Natur verbundene Arbeit

Das Weinmachen ist eine eng mit der Natur verbundene Arbeit, und Johannes Linxweiler konnte sich schon als Kind nichts Schöneres vorstellen, als in der Natur mit der Natur zu arbeiten. „Die Arbeit der Weinerzeugung ist schön und facettenreich. Was zuhause passierte, war für mich immer viel cooler als das, was die Mitschüler so berichteten“, strahlt der junge Betriebsleiter. Seine Eltern gehörten auch zu den Pionieren, die den ökologischen Weinbau bekanntmachten, und er führt den Weg konsequent fort. Das erlebt man in der alten Mühle auf zukunftsorientierte Weise: Die Alsenz, die früher die Mühlsteine angetrieben hat, sorgt heute über eine modernes Turbinensystem auf der Hahnmühle für die Stromversorgung. Das passt natürlich in das ökologische Gesamtkonzept des Weingutes, das ressourcenschonende Arbeiten und Erzeugen ist Familieneinstellung.

Das gilt selbstverständlich gerade für die Arbeit im Weinberg. „Unsere Anbaubedingungen sehe ich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, erklärt er. „Wir müssen, allein schon wegen der Steillagen, viel Handarbeit einsetzen und können im Vergleich mit den pfälzischen oder rheinhessischen Kollegen weniger Maschinen nutzen. Aber die steile Lage und die Vielfalt der Gesteine kann man eben auch im Wein schmecken.“ Schwerpunkt der Hahnmühe sind die Weißweine, und da spielt der Klimawandel sogar in die Karten. „Der Riesling gedeiht hier immer besser, was vor 20 oder 30 Jahren noch nicht so der Fall war, weil es zu kühl gewesen ist“, so Linxweiler.

Der Winzer hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt, sammelte viel praktische Erfahrung im Ausland sowie in anderen namhaften Betrieben und konzentriert sich jetzt auf seinen Weg der Weinerzeugung im Alsenztal, ganz nach dem Motto „klein, aber fein“. Die ideale Ergänzung zur Keller- und Weinbergsarbeit bietet die Ausbildung seiner Frau Katharina, die in Geisenheim an der Weinbaufachhochschule internationale Weinwirtschaft studiert hat und sich somit als Fachfrau in die Vermarktung einbringt. „Ins Alsenztal kommt man nicht mal so eben wie an die Mosel oder in die Pfalz, auf uns muss man aufmerksam werden“, erläutert die Mutter zweier Töchter.

Zur Qualität „verdammt“

Der direkte Weg zum Kunden, die Präsenz bei Fachmessen und dem Fachhandel sind ihr wichtig. Außerdem ist es für sie undenkbar, heute ohne das weltweite Netz von zu Hause aus den Wein zu bewerben und zu vermarkten. „Dabei hilft so eine positive Besprechung wie sie uns mit dem ,Edelmann’ passiert ist, natürlich schon“, freut sie sich. Der Weinverkauf hat sich gewandelt, die Kunden kommen nicht mehr so ohne weiteres auf den Hof, vergleichen und probieren viel von unterschiedlichen Gegenden, da muss die Winzerfamilie sich schon etwas einfallen lassen. „Wir sind quasi verdammt dazu, Qualität zu erzeugen, weil wir eben aus einem kleinen und doch recht unbekannten Gebiet kommen.“

Für ihre besonders hochwertigen Weine nutzen sie traditionelle Holzfässer, ihre naturbelassenen Weine bedingen extrem sauberes und kontrolliertes Arbeiten. „Im Herbst leben wir quasi im Keller“, sagen Katharina und Johannes Linxweiler. Das Beobachten der Weine, das Reagieren auf den jeweiligen Reifezustand, dann der ökologische Aspekt, unter dem die 15 Hektar bearbeitet werden, alles muss sich zusammenfügen.

„Das Alsenztal besser bekannt machen“

Es gibt auch die familiäre Auszeit vom Hof, was dank der aktiven älteren Generation auch gelingt, ohne dass der Betrieb darunter leidet. „Wir sind einfach gerne hier zu Hause, und für uns ist es wichtig, dass wir uns hier auch wohlfühlen“, sagen die beiden Weinfachleute. Wenn sie verreisen oder Besuche machen, dann ist natürlich immer eine Flasche vom eigenen Riesling mit im Gepäck. „Wir wollen das fast vergessene und unbekannte Alsenztal bekannt machen. Zwar muss es ja nicht gleich der Trubel von der Weinstraße sein, aber unsere Qualität hier darf schon über die Region hinaus bekannt werden.“ Zwar gehört die Hahnmühle zur Naheregion, doch die Linxweilers sind Pfälzer im Herzen, was sie gut miteinander kombinieren können.

Der Export in andere Länder nimmt zu, sie verkaufen ihre Weine bis hoch nach Skandinavien, das darf auch gerne noch weiter gehen. „Unser Wunschland ist Amerika! Wenn wir dahin exportieren könnten, das wäre schon was“, sagt Katharina Linxweiler. Jetzt im Frühjahr sieht alles recht gut aus in den Weinbergen, der Regen hat gut getan, es wird noch ein bisschen gezittert, dass die letzten Nachtfröste den Rebstöcken nichts mehr anhaben. „Aber das ist eben das spannende Leben mit der Natur“, sind sich die Linxweilers einig.

Donnersberger Weinwissen: Nahewein und das Alsenztal

Weinbau hat im Alsenztal eine lange Tradition, die allerdings durch den Frostwinter 1952 einen tiefen Einschnitt erfuhr, die Zahl der Weinbaubetriebe ging seither stark zurück. Die Zuordnung zum Weinbaugebiet Nahe ist verbindlich seit der europäischen Weinmarktordnung von 1971, war aber auch schon 1935 in einem Erlass für die Regelung des Absatzes von Weinbauerzeugnissen festgeschrieben. Für den Nahewein insgesamt gelten diese Regelungen als Abschluss eines langen Ringens um Identität und den Eigenwert des Naheweins. Im frühen 19. Jahrhundert kaum bekannt und als von mäßiger Qualität verrufen, so dass die besseren Gewächse als Rhein- oder Pfalzwein vermarktet wurden, begann allerdings schon im Verlauf des 19. Jahrhunderts mit den Auswanderungswellen ein starker Export in die USA und ein wachsendes Qualitätsbewusstsein. Hinderlich für die Zuordnung des nordpfälzischen Weinbaus zur Nahe war lange Zeit, dass der Raum Kreuznach zu Preußen gehörte, die nordpfälzischen Weinbauorte aber zu Bayern und Darmstadt.

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