Dialekt-Preisrätsel
Die Pälzer Prob uffs Exempel: 462-mal mit Bravour g’schafft
Die Hauptkarikatur zu unserem Dialekt-Preisrätsel – dem 14. seit dem Start der RHEINPFALZ am SONNTAG im Jahr 2007 – spielt mit einem Klischee, das wie alle Klischees auch ein bisschen wahr ist. Unser Zeichner Uwe Herrmann lässt einen Herrn den Stammbaum des Schwiegersohns in spe zerpflücken: Pfälzer Vorfahren nur zurück bis 1423? In dem Bild spiegeln sich all die vielen Sprüche rund um „Zugerrääsde“, „Roigeritschte“ oder „Neig’schmeckte“, die auch 40 Jahre nach der Einwanderung aus dem fernen – sagen wir – Nordbaden noch ihre Herkunft unter die Nase gerieben bekommen, von „waschechten“ Pfälzern natürlich.
Der Stellenwert der Provinz
Da ist unter Freunden und Nachbarn gar nichts dabei: Was sich liebt, das neckt sich. Immerhin zeigt es, dass auch die Provinz einen Stellenwert hat und ein Grund sein darf, ein bisschen stolz zu sein. In Maßen genossen, ist diese Freude an der Abgrenzung mehr als legitim. Dass es zu einer Identifikation der Menschen mit dem Landstrich kommt, in dem sie Kindheit und Jugend, vielleicht auch das ganze Leben verbracht haben, und mit den anderen Menschen dieser begrenzten, heimischen und für viele auch heimeligen Welt: e klori Sach, willemolsaache. Der Dialekt spielt bei dieser Identifikation eine Rolle. Zumal in einer Region, die sich so klar benennen und abgrenzen lässt wie die Pfalz, die sogar eine eigene Zeitung hat, die die Pfalz im Titel trägt.
Das geheimnisvolle Gebiss
Das Dialekträtsel mit hoffentlich kniffligen und witzigen Fragen ist immer auch Anlass zum Austausch. So klein ist die Region nicht, dass sie nicht viele unterschiedliche Ausprägungen ihres Dialekts kennen würde. Wenn das Sprachrätsel der RaS die Vielfalt ans Licht bringt und feiert, ist schon etwas Großes gewonnen. „Ich han e Gebiss“ für „Mich juckt’s“? Da staunt der Südpfälzer. Also hört man sich um bei Freunden, Verwandten oder Bekannten in anderen Ecken der Pfalz. Die Menschen denken über ihren Dialekt nach, recherchieren auf rheinpfalz.de in früheren Folgen unserer Dialektserie „Saach blooß“ oder in Büchern – und vor allem: Sie babblen mitenanner.
Das gilt übrigens nicht nur für Pfälzer und Pfälzerinnen mit 600-jährigem Stammbaum. Wie schreibt Gaby Schwalb aus Hettenleidelheim stellvertretend für viele Dialektfreunde? „Als ,Zugereiste’ habe ich mich anfangs schwer mit dem Pfälzischen getan. Aber nach 45 Jahren Erfahrung glaube ich, das Rätsel richtig beantwortet zu haben. Die meisten Begriffe sind mir von meiner (pfälzischen) Schwiegermutter in Erinnerung.“ – Na also!
Was also ist der „Dääsem“? Was bedeutet „e Gebiss hawwe“? – Trotz einiger kleiner Tücken war das 14. Dialektpreisrätsel unter dem Motto „Die Pälzer Prob uffs Exempel“ wohl etwas weniger knifflig als manche früherer Ausgaben. Die Bilanz lautet: Erstaunliche 462 von 2210 Einsendern hatten alle 20 Antworten rund um die Sprache der Pfälzer richtig. Das sind satte 20,9 Prozent. (Das komplette Rätsel finden Sie hier: „Die Pälzer Prob uffs Exempel“: Das große Dialekt-Preisrätsel.) Bei der 13. Ausgabe vor zwei Jahren hatte die Quote nur bei 12,3 Prozent gelegen.
Hier alle Antworten und am Ende des Beitrags auch die Liste mit den 33 Gewinnern der Preise.
Frage 1: Lösung a)
Der gepflegte „Disput“ verrät schon im Wort die Lösung: Wenn Pfälzer hitzig debattieren oder gar streiten, dann „dischbedieren“ sie. Hier grüßen das lateinische Verb „disputare“ und das französische „disputer“
Frage 2: Lösung c)
Auch die Gurke hat ihren pfälzischen Namen „Gummer“ aus dem Französischen: „le concombre“ – wieder mit lateinischer Wurzel (cucumis sativus). Mehr dazu gibt’s hier: „Des is awwer e Mords-Gummer“.
Frage 3: Lösung d)
Vor allem in der Westpfalz und im Saarland gebräuchlich: der sächliche Artikel „es“ vor einem Frauennamen. Lösung also: „es Waltraud“. Mehr hier: Warum in der Westpalz die Frau zum „Es“ wird.
Frage 4: Lösung b)*
Hier ging es um pfälzische Phrasen mit „fer“. Wer etwas „fer gern“ macht, tut es absichtlich oder auch „fer extra“. Beispiel: die Zeile „Ich hab’s jo nit fer gern gemacht“ im Lied „Lewwerworscht“ der „Anonyme Giddarischde“. Im Sinne von „gerne tun“ wird „fer gern“ nicht verwendet. Auch wer etwas „(fer) gradselääds“ macht, tut das gezielt, nur kommt hier noch der Trotz dazu, der bei „fer gern“ oder „fer extra“ nicht zwingend mitschwingt. Die Phrase, die aus der Reihe fällt, ist also „fer umme“ („umsonst“, Lösung b). Mehr lesen sie hier: Volle Pfälzer Absicht: „Des hot se fer extra gemacht“.
*Da unsere Fragestellung den Schwachpunkt hatte, dass „gradselääds“ nur selten mit vorangestelltem „fer“ vorkommt, haben wir Frage 4 für die Verlosung der Gewinne aus der Wertung genommen.
Frage 5: Lösung a)
„AB“ oder „Abee“ ist eine Abkürzung für das altertümliche Wort „Abort“. Die moderne Variante mit garantierter Wasserspülung wäre das „WC“.
Frage 6: Lösung a)
Sanft über den Kopf oder die Wange streichen wird oder wurde früher als „Ahle geben“ bezeichnet, weil die Geste mit dem Ausruf „Aaaah“ verbunden werden kann. Beispiel: „Kumm, geb de Oma e Ahle!“ Die ganze Story rund ums Ahle: Pfälzer Zeit der Zärtlichkeit.
Frage 7: Lösung c)
Wenn es in der Nord- oder der Westpfalz heißt „Ich han e Gebiss“, dann ist gemeint „Es juckt mich“. Auch gebräuchlich ist: „Es beißt mich“. Die Folge aus unserer Dialektserie „Saach blooß“ können Sie hier nachlesen: „Ich hann do e Gebiss“ – Wenn Pfälzer es jucken lassen.
Frage 8: Lösung c)
Wer jemandem „am Rockzippel“ hängt, der ist anhänglich. Der Spruch „Stei(ch) mer in de Dasch“ bedeutet dasselbe wie „Rutsch mer de Buckel runner (oder nuff)!“
Frage 9: Lösung b)
„Ich trau mich nicht“ lässt sich auf Pfälzisch auch so sagen: „Ich hab nit (e)s Herz“. Auf der Sickingerhöhe, merkt Familie Oehmig aus Linden an, würde man eher sagen „Ich han net es Herz dezu“.
Frage 10: Lösung c)
„Musebrot“ (oder „Saftebrot“ oder ein Brot mit „Sießschmeer“) ist ein Brot, beschmiert mit Marmelade, Konfitüre oder Gelee.
Frage 11: Lösung d)
„Do kummt er um die Eck gepeest“, so lautet ein Anwendungsbeispiel für das pfälzische Verb „peese“, das „sich (rasend) schnell fortbewegen“ bedeutet. Die ausführliche Erklärung: Im Rausch der Geschwindigkeit.
Frage 12: Lösung b)
Dem „Dääsem“ oder „Deisem“ auf die Spur zu kommen, war für viele Leser eine echte Aufgabe. Das Wort lässt sich als „Teigsamen“ übersetzen. „Dääsem“ ist der Sauerteigansatz, der vom Brotteig weggenommen wird, um zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Teig starten zu können. Lust auf Backen. Hier die Story: Der Teig auf Wanderschaft – die Pfälzer Brotback-Story.
Frage 13: Lösung a)
Plötzliche Anfälle von Unzurechnungsfähigkeit oder Verrücktheit? Spontane Ausbrüche von Ärger? Wenn das in der Pfalz passiert, kann man sagen: „Der oder die „grie(ch)t de Rappel“. De „Ruß“ oder „de Rußer“ ist bloß eine Erkältung.
Frage 14: Lösung b)
Der Lückentext lautet ausgefüllt so: „Halt emol de Gaul aa! Was machen dann die fer Schneckedänz? Awwer hopp, was soll ich saache? Des isch doch wie e em Ochs ins Horn gepetzt. Die Bagaasch gebt halt immer aa wie e Dutt voll Migge.“ Man kann auch angeben „wie e Dutt voll Naggiche (oder: nackiche Wanze)“, aber das stand nicht zur Auswahl.
Frage 15: Lösung d)
Und weil’s so schön war: Nur das Wort „Klicker“ füllt den zweiten Lückentext auf sinnvolle Weise. „Ich schaff fer en Klicker un en Knopp. Dehääm hään alle Buwe Klicker.“
Frage 16: Lösung d)
Ein „Dabbes“ ist ein Dummkopf, der „Bobbes“ ist der Allerwerteste auf Pfälzisch und „Bimbes“ bedeutet Geld. Als Lösung gesucht war der sprichwörtliche „Bebbes“ oder „Bäppes“, bekannt zum Beispiel aus dem Spruch „ Des isch ebbes, wu de Bebbes nit zu wisse braucht“ oder von Fasching, wenn „de Futtes un de Bebbes“ zusammen auftreten.
Frage 17: Lösung a)
Die Wörter „wickeholsch“, „hackewuschich“ und „wockehacklich“ haben wir frei erfunden. Das Wort „heckewelsch“ gibt’s tatsächlich: „Du machscht mich ganz heckewelsch!“, also: durcheinander. Das Wort hat eine Verbindung zu „Kauderwelsch“ (dem Sprach-Durcheinander).
Frage 18: Lösung a)
Die „Bless“ (auch „Bläss“) ist die Beule am angestoßenen Kopf. Auch dieses Wort ist nicht überall verbreitet. Unter anderem Roland Müller aus Gauersheim weist auf die Alternative „Baus“ hin. Die „Bless“ kann auch ein weißer Fleck im Haar oder auf der Stirn einer Kuh oder eines Pferds sein.
Frage 19: Lösung b)
„Was mer nit im Kopp hot, hot mer in de Bää.“ Soll heißen: Vergisst man etwas, muss man halt noch mal gehen.
Frage 20: Lösung c)
„Wann du des nommo (noch einmal) machscht, kumm ich nimmi (nicht mehr)!“ – Dieser Spruch beweist die Fähigkeit der Pfälzerinnen und Pfälzer, Phrasen goldig zu verkürzen. Der Artikel dazu heißt: Saach niemols nimmi.
Die Kurzauflösung:
1a), 2c), 3d), 4b)*, 5a), 6a), 7c), 8c), 9b), 10c), 11d), 12b), 13a), 14b), 15d), 16d), 17a), 18a), 19b), 20 c).
Die Gewinner
Die 33 Gewinner haben wir aus allen 462 Einsendungen mit 20 richtigen Antworten ausgelost (zusätzlich haben wir für die Verlosung bei allen Einsendern Frage 4 als richtig gewertet).
Den Einkaufsgutschein für die Wasgau-Supermärkte im Wert von 200 Euro gewinnen Stefanie und Michael Hauser (Neupotz).
Der 100-Euro-Edeka-Gutschein geht an Michael Bügler (Landstuhl).
Je eins von zehn Dialekträtselbüchern „Können Sie Pfälzisch?“ gewinnen: Eva-Maria Weber (Hochdorf-Assenheim), Kirsten Fey (Krickenbach), Susanne Walzer (Zweibrücken), Johann Unger (Speyer), Volker Anspach (Ebertsheim), Christine Fippinger (Katzweiler), Tina Mitschke (Kindenheim), Marianne Schotthöfer (Waldsee), Mathias Anton (Hochstadt), Sabine Gilbert (Lambsheim).
Die Flasche Winzersekt aus dem geheimen Weinkeller der RaS geht an Kurt Steller (Otterberg).
Eins der 20 Plakate mit den besten Pfälzer Sprüchen gewinnen: Judith Ackermann (Speyer), Gabi Braun-Hettesheimer (Weilerbach), Gaby Schwalb (Hettenleidelheim), Ellen Rahm (Heiligenmoschel), Manfred Günther (Frankenthal), Gabriele Sefrin (Sinsheim), Gerhard Stüber (Kindenheim), Susanne Kämmerer (Münchweiler), Werner Dhum (Hefersweiler), Sandra Estelmann (Schriesheim), Uwe Baldauf (Hausweiler), Jürgen Faltermann (Oberotterbach), Markus Eyrich (Wachenheim), Petra Brand (Neustadt), Gabi Schuler (Bockenheim), Egbert Roser (Annweiler), Gerd Hüther (Pirmasens), Gisela Stoeffler (Wörth), Hans Heiter (Rülzheim) und Andrea Schmalenberger (Waldfischbach-Burgalben).
Alle Preise werden den Gewinnern zugesandt.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.