Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Die Landschnecken

Winterlicher Blick von der Kleinen Kalmit.
Winterlicher Blick von der Kleinen Kalmit.

Die Kleine Kalmit bei Ilbesheim und Arzheim ist ein Juwel, auch weinbaulich.

Die Kleine Kalmit bietet als Erhebung inmitten der Rheinebene einen Rundumblick auf Pfälzerwald und Ebene. Auch das Terroir ist für den Pfälzer Weinbau einmalig. Als sich der Rheingraben vor Millionen von Jahren absetzte, entstand die Kleine Kalmit aus Ablagerungen von Landsch neckenkalk. In den Böden befinden sich tertiärer Landschneckenkalk, Mergel, Löss und Lehm, überzogen von einer dünnen Humusschicht. Der Kalkanteil aus der Zeit von vor 30 bis 25 Millionen Jahren ist an einigen Stellen so hoch, dass es jahrhundertelang Kalkmühlen gab, die den Hügel von Westen her durch Abbau verkleinerten. Die relativ „jungen“ Kalkböden aus dem Tertiär sind weniger hart als die viel älteren Böden aus dem oft felsigen Muschelkalk.

Einzellage erst seit 2008

Erstaunlicherweise wurde die Kalmit erst im Jahr 2008 als Einzellage anerkannt. Viele Winzer, die hier Weinberge besitzen, nutzen den Lagenamen seither für ihre besten Weine. Eine Stufe darunter gibt es unterschiedliche Bezeichnungen. Bioland-Winzer Jürgen Pfirmann aus Wollmesheim, der am Westhang der Kleinen Kalmit Weinberge besitzt, verwendet für die etwas kräftigeren Böden mit höherem Mergel- und Lehmanteil die Bezeichnung „Kalkmergel“, für die kalkigeren, steinigeren schreibt er „Landschneckenkalk“ aufs Etikett.

Vor allem Burgundersorten entwickeln auf Kalkböden eine reizvolle Aromen- und Geschmacksstruktur, bei der würzig-mineralische Noten die fruchtigen Eindrücke ergänzen. Riesling, der jede Art von steinig armen Böden mag, ist nicht auf Kalk festgelegt. Aber auch er profitiert von der Vielschichtigkeit, die auf Kalkböden zu erzielen ist, ebenso von der guten Säure und der Haltbarkeit.

Pfirmanns Riesling Landschneckenkalk stammt aus den Lagen Mütterle und Kalmit und zeigt schon für recht kleines Geld typische Kalk-Stärken: Apfel- und Gelbfrucht werden im Duft von zarter Kräuterwürze ergänzt. Saftig, stilvoll verwoben und trotzdem gradlinig überzeugt er auch im Mund.

Der Wein: 2022 Riesling Landschneckenkalk, Weingut Pfirmann, Landau-Wollmesheim, Telefon 06341/32584, www.weingut-pfirmann.de, Preis: 9,90 Euro

Der Autor: Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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