Elmstein
Forstamt warnt: Beliebtes Wanderziel im Pfälzerwald einsturzgefährdet
„Schindhübelturm in frischem Glanz“ titelte die RHEINPFALZ im September 2020. Keine sechs Jahre ist das her. Damals hatten Ehrenamtliche, die Gemeinde Elmstein und das Forstamt Johanniskreuz den 17 Meter hohen hölzernen Aussichtsturm auf dem Gipfel des Schindhübels rechtzeitig zu seinem 45. Geburtstag wieder auf Vordermann gebracht. „Ich bin begeistert, er sieht wieder richtig schick aus“, sagte Burkhard Steckel, der damalige Leiter der Forstbehörde Johanniskreuz, bei der kleinen Feier zum Abschluss der Arbeiten. Rund 15.000 Euro waren investiert worden, unterstützt durch private Spenden und einen Zuschuss des Pfälzerwald-Vereins. „Wir hoffen, dass der doppelte Anstrich den Verwitterungsprozess des Holzes verlangsamt und damit dem Turm noch einige zusätzliche Lebensjahre gibt“, sagte Steckel damals. Gemessen am damaligen Zustand rechnete er mit einer weiteren „Lebensdauer“ von zehn bis 15 Jahren.
Heute klingt dieser Optimismus wie ein Echo aus einer anderen Zeit. Der Schindhübelturm ist gesperrt. Und das nicht mehr nur vorsorglich, wie zunächst im Frühjahr. Inzwischen liegt dem Forstamt Johanniskreuz ein Gutachten der Firma Borapa vor – mit einem Befund, der kaum deutlicher ausfallen könnte. An drei Stützen seien gravierende, standsicherheitsrelevante Schäden festgestellt worden, eine weitere Stütze sei stark geschädigt. „Die Standsicherheit der Turmkonstruktion ist dadurch akut gefährdet. In dem festgestellten Zustand besteht Einsturzgefahr“, zitiert Jannis Roth vom Forstamt Johanniskreuz das Ergebnis des Gutachtens.
Rückbau oder Sanierung?
Damit steht ein beliebtes Wanderziel im Pfälzerwald vor einer ungewissen Zukunft. Das Gutachten empfiehlt nach Angaben des Forstamts den kontrollierten Rückbau des Turms. Eine Ertüchtigung sei zwar grundsätzlich möglich, laut Gutachten jedoch mit enormen Kosten verbunden. Wie hoch diese Kosten tatsächlich wären, soll nun geklärt werden. Für Montag, 8. Juni, ist ein Ortstermin mit dem Gutachter und einem Zimmereifachbetrieb vorgesehen. Dabei sollen die Varianten Rückbau und Sanierung konkret beziffert werden. Erst danach könne entschieden werden, wie es mit dem Schindhübelturm weitergeht, kündigt Roth an.
Bis dahin bleibt nicht nur der Turm geschlossen. Auch der unmittelbare Bereich um das Bauwerk darf nicht betreten werden. Wanderer, Ausflügler und Neugierige sollten wegen der akuten Einsturzgefahr unbedingt Abstand halten, warnt Roth eindringlich. Das Forstamt habe das Gelände bereits abgesperrt und mit Hinweisschildern versehen. Auch die Gemeinde Elmstein sei informiert.
„Ganz überraschend kam das Ergebnis des Gutachtens nicht. Bei Holz wusste man von vornherein, dass es irgendwann enden würde“, sagt Ortsbürgermeister Rene Verdaasdonk (SPD) auf Nachfrage. Zugleich lobt er die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit dem Forstamt, das die Gemeinde von Anfang an in den Prozess eingebunden habe. Es sei sehr schade um den „wunderschönen Turm“. Verdaasdonk selbst gehörte zu denen, die vor sechs Jahren mit auf dem Gerüst standen und dem Turm noch einmal einen Anstrich verpassten – in der Hoffnung, seine Lebenszeit zumindest etwas zu verlängern. Mit Blick auf die Kosten einer möglichen Sanierung kommt der Ortsbürgermeister zu einer nüchternen Einschätzung: „Ich glaube leider nicht, dass der Turm noch zu retten sein wird, weil es vermutlich einfach zu teuer ist.“
Vorsorgliche Sperrung im Frühjahr
Bereits im März war der Schindhübelturm gesperrt worden. Damals hatten Mitarbeiter des Forstamts bei einer Begehung an mehreren Stellen Verdrückungen im Holz festgestellt. Teilweise sei das Holz des mehr als 50 Jahre alten Turms komplett morsch gewesen. Roth sprach damals noch von einer Vorsichtsmaßnahme: Der Turm sei gesperrt worden, „damit dort nichts passiert“. Schon zu diesem Zeitpunkt war nicht auszuschließen, dass beim Betreten der Treppe ein Brett durchbrechen und sich jemand verletzen könnte. Die Wanderwege zum Turm und in seiner Umgebung blieben zunächst begehbar, nur der Turm selbst wurde abgesperrt.
Wanderern empfiehlt das Forstamt, auf den Eschkopfturm auszuweichen, der nur rund drei Kilometer entfernt liege und ebenfalls einen weiten Panoramablick über den Pfälzerwald biete.
Von Soldaten erbaut
Sollte der Schindhübelturm tatsächlich zurückgebaut werden, ginge mit ihm auch ein Stück Pfälzerwald-Geschichte verloren. Gebaut wurde der Turm Mitte 1975 von Offizieren und Soldaten des Bundeswehr-Pionierbataillons 464 aus Speyer. Sie planten und errichteten ihn auf dem 571 Meter hohen Schindhübel im zentralen Massiv der Frankenweide.
Seit Jahrzehnten ist der in der Region einzigartige Holzturm ein beliebtes Ziel für Wanderer. Wer die 65 Stufen zur überdachten Plattform hinaufstieg, wurde mit einem weiten Blick über den Pfälzerwald belohnt: nach Osten bis zur Haardt, nach Norden bis ins Nordpfälzer Bergland mit dem 689 Meter hohen Donnersberg. Bei klarer Sicht reichte der Blick im Südosten sogar bis in den Nordschwarzwald.
