Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel „Verheerend“: CDU-Abgeordnete kritisiert Land für seine Bildungspolitik

 Was tun, wenn Bildung und Lebensperspektiven auf der Strecke bleiben?
Was tun, wenn Bildung und Lebensperspektiven auf der Strecke bleiben?

Es bleibt dabei: Die Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen, die wegen ihres hohen Migrationsanteils und einer Vielzahl an Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen in die Schlagzeilen geraten ist, wird von der rheinland-pfälzischen Landesregierung nicht mehr Lehrkräfte bekommen. Trotz Unterstützungsprogrammen fehlen sogar Lehrer.

Die drei Oppositionsfraktionen am rheinland-pfälzischen Landtag – CDU, Freie Wähler und AfD – hatten von der Ampelregierung jeweils in getrennten Anträgen Antworten verlangt, wie sie die Probleme an der Gräfenauschule angehen will.

„Mehr Geld in die Hand nehmen“

Marion Schneid, CDU, die Ludwigshafener Stadträtin und Landtagsabgeordnete, war nach der vierstündigen Sitzung des Bildungsausschusses am Donnerstag jedenfalls enttäuscht. „Es ist verheerend, einfach alles laufen zu lassen“, sagte sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Betriebswirtin forderte mehr Geld, mehr Unterstützung, mehr Lehrkräfte für die Gräfenauschule. „Aber solche Probleme haben wir nicht nur hier in Ludwigshafen oder an dieser Schule.“ Und: „Wenn uns die Kinder am Herzen liegen, müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen“, sagt Schneid.

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Schulen mit so massiven Schwierigkeiten bräuchten die „Doppelbesetzung in der ersten Klasse oder halb so große Klassen“, erneuerte sie die Forderung der CDU. Damit zwei Lehrkräfte unterrichten können oder in kleinen Gruppen dann nur etwa elf Kinder sind. Die Leiterin der Gräfenauschule, Barbara Mächtle, hatte im April öffentlich gemacht, dass das Personal an ihrer Schule an der Belastungsgrenze sei und dass voraussichtlich 40 Erstklässer wegen zu schlechter Deutschkenntnisse die Stufe wiederholen werden. Das wäre etwa ein Drittel ihrer Abc-Schützen und wären noch einmal deutlich mehr als im Jahr zuvor mit damals 24 Kindern.

Engagiert und mutig: Barbara Mächtle, die Rektorin der Gräfenauschule in Ludwigshafen. Hier kommen schon Schulanfänger nicht mit
Engagiert und mutig: Barbara Mächtle, die Rektorin der Gräfenauschule in Ludwigshafen. Hier kommen schon Schulanfänger nicht mit, weil sie kaum oder nicht gut genug Deutsch sprechen.

Normalerweise steht eine Nichtversetzung in die zweite Klasse nicht zur Debatte. Hier aber sind die Lerndefizite der Schüler und Schülerinnen zu groß. Dazu kommen Konzentrationsprobleme, häufige Fehlzeiten und Eltern, die sich ihrer Verantwortung nicht stellen wollen oder können, so gut wie nie an der Schule auftauchen.

Land: Fast 1300 Kinder schaffen erste Klasse nicht

Der Leiter der Schulbehörde ADD, Thomas Linnertz, rechnete vor, dass eine „Doppelbesetzung“ an der betroffenen Schule im Stadtteil Hemshof nur „punktuell“ mit dem vorhandenen Personal machbar sei. Laut Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) wiederholten im vergangenen Jahr an 943 Schulen in ganz Rheinland-Pfalz 1270 Kinder die erste Klasse, mit Abstand sei es an der Gräfenauschule mit damals 24 Kindern am schlimmsten. Danach folgten landesweit Schulen mit je 16, 15, elf und zehn Wiederholern in Stufe eins.

An der Gräfenauschule fehlen zudem Lehrer – nach Linnertz’ Angaben können 0,7 Prozent der Lehrerwochenstunden nicht gehalten werden. Hubig zählte dagegen auf, welche Förder- und Unterstützungsprogramme die Schule im Stadtteil Hemshof schon seit längerem erhält – von Bund und Land, aber auch von der Stadt als Schulträger, etwa die Sozialarbeiterin. Demnach sind die Gräfenau sowie die Erich-Kästner-Schule in Ludwigshafen schon jetzt die Grundschulen mit der höchsten Deutschunterricht-Förderung im Schulbezirk Neustadt.

Kita-Platz-Mangel und Schulende ohne Abschluss

Mehr Lehrer kündigte Hubig nicht an. Aber dafür, dass die Schule Teil eines geplanten Pilotprojekts zum Aufbau von Familien-Grundschulzentren werden könnte: nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen, mit dem Eltern eingebunden werden sollen. In Rheinland-Pfalz sollen an neun Grundschulen in drei Städten solche Zentren entstehen. Die Stadt Kaiserslautern hat das Projekt aus finanziellen Gründen gekippt. Auch Ludwigshafen hat kein Geld, am Montag berät der Stadtrat auf Antrag der SPD das Thema. Hubig räumte einen Zusammenhang zwischen Sprachdefiziten und Kita-Besuch ein. In Ludwigshafen fehlen über 2000 Kita-Plätze. Und: In Rheinland-Pfalz ist auch die Anzahl der Jugendlichen gestiegen, die ohne Abschluss von der Schule geht.

Ein ehemaliger Schüler der Gräfenauschule sagt im Interview, was seiner Meinung nun passieren muss.

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