Pfalz Waldbrandgefahr in der Pfalz: "Fast immer durch den Menschen ausgelöst"
Feuerwehrkräfte aus der Region um Bad Bergzabern kämpften vor knapp zwei Wochen in teils steilem Gelände am Südrand des Pfälzerwaldes gegen einen Waldbrand. Beteiligte Einsatzkräfte sprachen später von „einer Material- und Personalschlacht“. Die Löscharbeiten in Hanglage forderten die Feuerwehrleute. Der erste größere Brand des Jahres 2025 in der Pfalz hinterließ letztlich nur ein paar Hundert Quadratmeter verkohltes Gehölz. Doch das Klimaschutzministerium des Landes Rheinland-Pfalz hat am Mittwoch vor einem wachsenden Waldbrandrisiko gewarnt. „Die Waldbrandgefährdung nimmt gegenwärtig stetig zu“, erklärte eine Sprecherin gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Wie ist die Lage in der Pfalz, wie entstehen diese und was kann dagegen gemacht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wie ist die Waldbrand-Lage in der Pfalz aktuell?
Die Waldbrandgefahr ist in Rheinland-Pfalz hoch. Dirk Nerding, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern betonte im Gespräch mit der RHEINPFALZ zum Brand: „Da hätte deutlich mehr passieren können.“ Anfang dieser Woche erreichte der Waldbrandgefahrenindex unter anderem für die Messstellen Bad Bergzabern und Pirmasens die Stufe vier von fünf, der zweithöchste Wert, was für hohe Gefahr steht. Der Index wird vom Deutschen Wetterdienst bereitgestellt. Tagesaktuell lässt sich erkennen, wie hoch die Gefahr ist. Derzeit leuchtet die Karte besonders im Süden und in Teilen der Vorderpfalz – etwa am Rhein – immer wieder alarmierend auf. Rot steht für Stufe vier. Der Rest der Pfalz ist orange gefärbt. Stufe drei, also mittlere Gefahr.
Wie setzt sich der Gefahrenindex zusammen?
Ausschlaggebend sind verschiedene Faktoren. Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst, erklärt, wie der Index aufgebaut ist: Der Bewuchs spielt eine Rolle, aber auch meteorologische Faktoren. Dazu zählen: Temperatur, Wind, Sonnenstrahlung, Luftfeuchteigkeit und mögliche Niederschläge. Dazu kommt die Feuchtigkeit der sogenannten Streuschicht. Die Fachleute verstehen darunter, wie feucht die Schicht aus alten Blättern, Nadeln oder Zweigen am Boden ist. In der Streuschicht stecke das Wetter der vergangenen Tage, erklärt Brömser.
Wieso ändert sich der Gefahrenindex?
Die Warnstufen für den Süden von Rheinland-Pfalz sanken im Wochenverlauf. „Die Veränderung von Stufe vier auf drei hängt damit zusammen, dass der Wind nachlässt“, erläutert Experte Brömser. Mehr Wind begünstigt im Brandfall, dass Flammen dann auf ihre Umgebung übergreifen und dort weiter lodern. Die Stufe habe also nicht immer etwas mit der Feuchte des Bodes zu tun, sondern auch mit anderen Faktoren. „Die Leute wundern sich oft, dass der Index sinkt, dabei hat es nicht geregnet“, sagt Brömser.
Wie entstehen Waldbrände?
Beim Feuer im Wald bei Bad Bergzabern meldete die Kriminalpolizei Landau zum Beispiel Anfang dieser Woche, dass der Brand womöglich absichtlich gelegt wurde. „Waldbrände werden fast immer durch den Menschen ausgelöst, ob gewollt oder ungewollt. In den seltensten Fällen geschieht dies durch einen Blitz“, sagt Lydia Burkhardt, Referentin für Waldschutz bei Landesforsten Rheinland-Pfalz, der Zentralstelle der Forstverwaltung.
Brömser nennt die vielbesagte weggeworfene Zigarette oder das außer Kontrolle geratene Lagerfeuer als Auslöser. Dazu komme die Vegetation an der besagten Stelle. Bereits bei mittlerer Warnstufe können Brände entstehen, wie im Gespräch mit beiden Experten deutlich wird.
Ist die Gefahr ungewöhnlich hoch für April?
Burkhardt zufolge seien Waldbrände im April nichts Ungewöhnliches. Besonders das Frühjahr ab April und der Hochsommer sind „besonders von Waldbränden betroffen“, erklärt Burkhardt. Die meisten Brände gab es in den vergangenen Jahren im Jahr 2022 mit 103 Bränden in ganz Rheinland-Pfalz. Im darauffolgenden Jahr waren es 29, 2024 nur vier Brände. Burkhardt: „2024 war der Niederschlag gleichmäßiger verteilt und es gab keine Dürreperiode in den Sommermonaten.“
Gibt es gefährdete Regionen in der Pfalz?
Generell gibt es nach Informationen von Landesforsten Rheinland in der Pfalz mehrere Gebiete mit mittlerem Waldbrandrisiko. Dazu zählen die Landkreise Südliche Weinstraße, Germersheim und Neustadt an der Weinstraße, sowie die Stadt und der Kreis Kaiserslautern. So werden zum Beispiel Fördermaßnahmen in die Wege geleitet. Die Einstufung stammt aus den 1990er-Jahren von der EU.
Wird die Waldbrandgefahr bald wieder sinken?
Selbst wenn es stark regnen würde, bräuchte es länger anhaltende Niederschläge, damit die Gefahr schwinde. Kleine Regenschauer würden nicht ausreichen, so Agrarmeteorologe Brömser. „Mit ein bis zwei Tage Regen würde der Index wieder sinken“, betont er. Derzeit ist erst Ende dieser oder Anfang kommender Woche wieder mit Niederschlägen zu rechnen.
Wie können Waldbrände verhindert werden?
Das Land Rheinland-Pfalz nennt grundsätzlich auf Info-Flyern Verhaltensregeln, wie keine offenen Feuer oder, dass nur auf ausgewiesenen Parkplätzen das Auto abgestellt werden soll. Landesforsten zufolge zählen zu den häufigsten Ursachen: offene Feuer, weggeworfene Zigaretten, Arbeiten mit Feuer und Brandstiftung. Je nach Warnlage können die zuständigen Behörden anhand der Daten Wälder sperren oder das Grillen an Feuerstellen untersagen. Burkhardt betont: „Wenn das Bewusstsein dafür gestärkt wird, dass zum einen die Waldbrandgefahr steigt und zum anderen die Hauptbrandursache der Mensch selbst ist, ist schon ein wichtiger Beitrag geleistet.“