Neustadt
An die 500 Landwirte machen mit bei Protest gegen schärfere Vorgaben
Von Schnee und Eis haben die Bauern sich in Neustadt, Kaiserslautern und rund um den Donnersberg nicht stoppen lassen: Pfälzer Landwirte haben am Dienstag mit Sternfahrten gegen das neue Insektenschutzgesetz protestiert. Das war spät, denn ein entsprechender Entwurf soll heute vom Bundeskabinett verabschiedet werden.
Durch eine verschärfte Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung sehen die Landwirte in Rheinland-Pfalz sich bedroht. Es geht beispielsweise um die Frage, wie viele Meter Abstand von einem Gewässer eingehalten werden müssen. „Massive Einschränkungen beim Pflanzenschutz in großflächigen Schutzgebieten beziehungsweise entlang bestimmter Gewässer würden eine Bewirtschaftung nicht mehr zulassen und kämen damit faktisch einer entschädigungslosen Enteignung gleich“, erklärte Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Süd (Mainz).
Erst Neustadt, dann Kaiserslautern
Die Kernaussage der Landwirte: Insektenschutz geht nur gemeinsam. Um ihrer Haltung Nachdruck zu verleihen, haben sich gestern Morgen auch Bauern in der Pfalz auf ihre Traktoren geschwungen
und sind am Morgen nach Neustadt gefahren. Sie folgten einem Aufruf des Bauern- und Winzerverbands Süd (BWV) und der Organisation „Land schafft Verbindung“. Am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Mußbach sammelten sich rund 250 Fahrer mit ihren Traktoren, für die es durch die Stadt ging. Von Neustadt aus ging es für viele weiter Richtung Kaiserslautern, wo sich 150 Traktoren an den Protesten beteiligten.
Von Kirchheimbolanden aus war ein Zug von 60 Fahrzeugen am frühen Morgen aufgebrochen und durchs Zellertal Richtung Alzey gefahren. Die Landwirte aus Rockenhausen haben sich den Protesten in Kaiserslautern angeschlossen.
„Insektenschutz liegt auch Bauern am Herzen“
„Wir sind für ein Miteinander, nicht gegen den Insektenschutz, der liegt auch den Bauern am Herzen“, erklärte Gerold Füge, Vorsitzender des Donnersberger Bauern- und Winzerverbandes. Jürgen Vogelgesang, BWV-Vorsitzender in Kaiserslautern, räumte ein, dass die Bauern auf der einen Seite ihren Anteil am Rückgang der Insekten haben. Doch er sieht die Landwirte nicht als Alleinverantwortliche. Auch immer mehr versiegelte Flächen oder Lichtsmog hätten ihren Anteil. Auf der anderen Seite steuerten sie seit Jahren aber auch auf freiwilliger Basis dagegen. Ein Mehr an Schutz lehnte Vogelsang nicht ab, verlangt aber entsprechende Entschädigungen.
Auch Uwe Bißbort, der BWV-Vorsitzende des Kreisverbands Südwestpfalz, ist bei einem mehr an Insektenschutz dabei, doch auf die Art und Weise kommt es ihm an: „Uns stört gewaltig, wenn uns etwas übergestülpt wird.“ Im ganzen Land sind laut Bauern- und Winzer-Verband an die 1000 Fahrzeuge beteiligt gewesen. Coronabedingt ist auf eine zentrale Veranstaltung verzichtet worden.