Gesundheit RHEINPFALZ Plus Artikel Zahnpflege: Expertentipps für gesunde Zähne

Beim Zähneputzen kommt es darauf an, sich von einer auf die andere Seite – außen und innen, oben und unten – vorzuarbeiten, bis
Beim Zähneputzen kommt es darauf an, sich von einer auf die andere Seite – außen und innen, oben und unten – vorzuarbeiten, bis man alle Flächen erreicht hat.

Wie sollte man seine Zähne putzen? Mit der Elektro-Bürste oder von Hand? Vor oder nach dem Essen? Selbst an der Frage der Zahnbürstenbewegung scheiden sich die Geister.

In den meisten deutschen Haushalten kreisen die Borsten über die Zähne (Fones-Technik), doch in einigen werden sie auch gerüttelt (nach Bass), oder man versucht sogar, die Bürste exakt im Winkel von 45 Grad zur Zahnachse aufzusetzen (nach Stillman). Wenn man im Internet nachliest, scheint jede dieser Methoden das Nonplusultra zu sein. Doch welche ist wirklich die beste?

Ein Forscherteam um den englischen Zahnmediziner John Wainwright kommt in einer umfassenden Analyse zu dem Schluss: keine davon. „Es gibt keinen Beweis dafür, dass eine dieser relativ komplizierten Techniken besser ist als die andere“, so Wainwright. Er rät daher seinen Patienten, das Putzen möglichst einfach zu gestalten. Und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, beim Reinigen die Stellen zu treffen, an denen sich die meisten Zahnbeläge ansammeln. Wainwright zufolge sind das die Kauflächen und die Stellen, an denen Zähne und Zahnfleisch aufeinandertreffen.

Systematisch ans Putzen herangehen

Auch Philipp Kanzow von der Universitätsmedizin Greifswald sieht keine Zahnputztechnik, die den anderen nachweisbar überlegen ist. „Von größerer Bedeutung ist, dass der Patient darauf achtet, systematisch ans Putzen heranzugehen“, betont der Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie. Studien hätten gezeigt, dass gerade die Innenflächen der Zähne oft vernachlässigt würden, wenn der Patient einfach so drauf los putze. „Da ist es schon besser, wenn man nach einem bestimmten Plan vorgeht. Beispielsweise, indem man sich von Seite zu Seite – außen und innen, oben und unten – vorarbeitet, bis man wirklich alle Flächen durchgearbeitet hat“, erläutert er.

Mit der Handbürste nicht zu viel Druck ausüben

Sonja Sälzer und Bernadette Pretzl von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) betonen, dass nicht zu viel Druck ausgeübt werden sollte. „Sich das Schrubben mit der klassischen Handbürste abzugewöhnen, fällt allerdings vielen schwer“, sagt Sälzer. „Denn wem gelingt es schon, sich zwei Minuten auf die Druckkontrolle beim Putzen zu konzentrieren?“, fragt er. Die Gedanken schweifen unterdessen häufig ab. Viele Menschen beschäftigen sich mit Dingen, die sie erlebt haben oder die sie noch erledigen müssen. Da bleibt kaum noch Hirnkapazität für die Druckkontrolle; bei den meisten elektrischen Zahnbürsten ist sie hingegen eingebaut.

Ein weiterer Vorteil der E-Modelle: Sie nehmen dem Anwender die eigentliche Putzarbeit ab. „Dadurch kann er sich ganz auf das Führen des Bürstenkopfs konzentrieren und darauf achten, dass er den Zahnfleischrand und die Zahnzwischenräume reinigt, wo sich besonders viele Zahnbeläge entwickeln“, erklärt Bernadette Pretzl. Dass bei diesem gezielten Prozedere andere Stellen des Gebisses zu kurz kommen, ist nicht zu befürchten. „Wer von Zwischenraum zu Zwischenraum geht, wird dabei auch die Oberseiten der Zähne mitnehmen“, betont Parodontologie-Expertin Sälzer.

Bezüglich der Putzdauer hört man immer wieder Empfehlungen, wonach es ausreichen könnte, nur einmal pro Tag zur Zahnpflege zu schreiten, sofern das nur lang genug, also mindestens vier, besser sechs Minuten dauert. Kanzow warnt jedoch: „Man erzielt nicht zwangsläufig einen zusätzlichen Reinigungseffekt, wenn man die Zähne länger als zwei bis drei Minuten reinigt.“ Der Putzmarathon sorgt allenfalls für einen müden Arm, der wiederum ungünstig für die Druckkontrolle ist. Mehr Reinigungspower gibt es, wenn man zwei- bis dreimal für zwei bis drei Minuten pro Tag putzt.

Nach dem Putzen Mund nicht mit Wasser ausspülen

Ganz zu schweigen davon, dass es nicht nur um das eigentliche Putzen geht, wenn man die Bürste in den Mund schiebt, sondern auch darum, die Zahncreme darin zu verteilen. Ihre Fluoride remineralisieren und härten den Zahnschmelz, und sie beeinflussen den Stoffwechsel der Kariesbakterien, sodass am Gebiss weniger Säure freigesetzt wird. Das geschieht umso zuverlässiger, wenn die Paste zwei- statt einmal pro Tag verwendet wird. Zur weiteren Steigerung des Fluoridierungseffekts sollte man den Mund nach dem Putzen nicht etwa mit Wasser ausspülen, sondern einfach nur ausspucken. „Dadurch verlängert sich der Kontakt der Fluoride mit dem Zahnschmelz“, erläutert Kanzow.

Der richtige Zeitpunkt für das Zähneputzen ist nach einer Mahlzeit. Die Warnungen, wonach diese Reihenfolge zu Abtragungen am Zahnschmelz führen könnte, gelten mittlerweile als überholt. Denn entscheidend ist, dass nach dem Essen – auch wenn es sich um eine deftige Schweinsroulade mit Rotkohl handelt – sehr viel Einfachzucker im Mundraum freigesetzt wird, der die Säureproduktion der Bakterien anfeuert. Den entfernt man am besten so schnell wie möglich. Ebenfalls wichtig ist es, nach dem abendlichem Putzen nicht mehr zu essen. „Denn das stört die Remineralisation der Zähne, die nachts durch den Speichel eingeleitet wird“, betont Pretzl.

Für die gezielte Reinigung der Zahnzwischenräume – sie machen 30 bis 40 Prozent der Zahnoberfläche aus – dient Zahnseide. Sie muss allerdings korrekt verwendet werden. Nicht selten kommt es zu Verletzungen, wenn etwa die in den Fingern gespannte Seide wie ein Messer ins Zahnfleisch schneidet. Vielen Konsumenten ist es außerdem schlichtweg zu aufwendig, sie in jeden einzelnen der bis zu 30 Zahnzwischenräume einzufädeln.

Für sie bieten sich die sogenannten Interdentalraumbürsten als Alternative an, die sich in Studien zudem als effektiver herausgestellt haben. Wie Zahnseide sollten sie mehrmals wöchentlich, aber nicht unbedingt täglich vor dem Putzen genutzt werden. Die Bürsten sollten möglichst präzise auf den jeweiligen Zahnzwischenraum angepasst sein. „Sie müssen mit spürbarem Druck durch den Zahnzwischenraum geführt werden, und nicht so locker, wie man das vom Zahnstocher kennt“, so Sälzer. Das sei vergleichbar mit einem Flaschenputzer, der auch nur dann die Flasche richtig reinigen könne, wenn er eng genug in ihr anliege. Wer dann allerdings noch Zahnpasta auf die Sticks gibt, tut des Guten zu viel. Denn die Creme enthält Putzkörper, die zusammen mit dem Druck der Sticks den Zahnzwischenraum schädigen können.

Mundspülungen kein Ersatz für mechanische Reinigung

Seit einigen Jahren werben einige Mundspülungen, dass sie ähnlich oder sogar besser die Entstehung von Zahnbelägen unterbinden würden als Sticks und Seide. Zahnärztin Pretzl hat jedoch ihre Zweifel. „Man braucht die mechanische Reinigung, denn es handelt sich bei den Zahnbelägen um sehr stabile und vor allem auch sehr stark haftende, bakterielle Strukturen, die man nicht mit bloßem Spülen wegbekommt“, sagt sie. Es sei denn, dass jemand die klassischen Instrumente der Zahnpflege – etwa aufgrund einer Verletzung – nicht mehr richtig händeln kann. Hier kann die Spülung eine hilfreiche Alternative sein.

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