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Parkrun findet nicht nur im Sommer statt, sondern auch bei knackig-kühlen Temperaturen, wie hier am Rheinufer in Speyer. Die gel
Parkrun findet nicht nur im Sommer statt, sondern auch bei knackig-kühlen Temperaturen, wie hier am Rheinufer in Speyer. Die gelaufene Zeit ist Nebensache – wer will, kann die Strecke auch gehen statt joggen.

Rund um den Globus plagen sich Menschen samstags früh aus dem Bett und nehmen teils ordentliche Anfahrtswege in Kauf, um beim „Parkrun“ Woche für Woche auf derselben Strecke fünf Kilometer zu laufen. Warum bloß?

Samstag, 8:45 Uhr. Am Rheinufer in Speyer haben sich gut 40 Leute auf der Grünfläche neben der Strandbar versammelt. Es ist noch etwas frisch, aber Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den Nebel. Julia Däuwel trägt eine blaue Warnweste. „Willkommen bei Speyer Leinpfad Parkrun!“, begrüßt sie die Gruppe. Jubel und Applaus. Familien mit Kindern sind gekommen, sichtlich durchtrainierte Läufer sind da, aber auch Sportler mit Nordic-Walking-Stöcken. Ein Mann in orangefarbenem Shirt hat einen Hund an der Leine.

Parkruns sind weltweit stattfindende 5-Kilometer-Läufe mit Zeitnahme, die ihren Ursprung in England haben und derzeit in Deutschland Wurzeln schlagen. „Warum sollte ich fast 50 Kilometer fahren, um 5 Kilometer zu laufen, wenn ich das auch vor der Haustür machen kann?“ Diese Frage stellte sich Julia Däuwel, als ihr eine Freundin aus Stuttgart vor einigen Jahren von Parkrun erzählte. Mannheim war damals von Däuwels Wohnort aus der nächste Standort.

Die Frage war für Däuwel schnell beantwortet: „Laufen macht süchtig, aber die Parkrun-Gemeinschaft mindestens ebenso sehr.“ Inzwischen muss die Hobbyläuferin auch nicht mehr so weit fahren: Vom Parkrun-Fieber angesteckt, rief sie im November 2019 mit Alexander Zinser den Lauf in Speyer ins Leben.

Die Streckenposten feuern die Läufer lauthals an

„Drei, zwei, eins – und los!“ Die Gruppe ist nach der kurzen Einweisung etwas weiter flussabwärts gestartet. „Denkt daran, es ist ein öffentlicher Park, nehmt Rücksicht“, hat Däuwel allen mit auf den Weg gegeben. Nach gut 500 Metern weist ein erster Streckenposten in gelber Warnweste den Weg nach links. Natürlich nicht, ohne die Läufer lautstark anzufeuern.

Wer mitmachen will, registriert sich auf der Webseite von Parkrun und erhält einen Barcode, mit dem er an Läufen auf der ganzen Welt teilnehmen kann – mittlerweile gibt es mehr als 2000 Standorte in 23 Ländern. Los geht’s immer samstags um 9 Uhr, die Strecke ist stets fünf Kilometer lang.

Zahlen müssen die Läufer nichts, denn Parkrun ist kein Verein. Feste Verpflichtungen gibt’s für die Parkrunner nicht, freiwillige Helfer finden sich dennoch Woche für Woche. Sie sind die Basis des Konzepts: Sie sichern die Strecke und weisen den Weg, kümmern sich um die Zeitnahme und das Scannen der Barcodes, mit dem die Zeit dem jeweiligen Teilnehmer zugeordnet wird.

Nach dem Lauf trinken alle gemeinsam Kaffee

Eine, die gerne hilft, ist Kerstin Siegler vom Seewog-Parkrun in Ramstein-Miesenbach. Was reizt sie an den Läufen? „Es gibt keinen Leistungsdruck, aber wer mag, findet immer eine Herausforderung.“ Es gibt zwar eine Zeitmessung, aber keine Zeitbegrenzung, sodass jeder mitmachen kann, unabhängig vom Fitnesslevel. Es geht darum, sich zu bewegen, durchzuhalten, die Strecke zu bewältigen. Die Schlussbegleitung sorgt immer dafür, dass niemand Letzter wird.

Statt sportlicher Bestleistungen steht das Miteinander im Vordergrund, berichtet Parkrun-Initiator Paul Sinton-Hewitt: „Es geht immer um den Kaffee hinterher, viele Parkrunner kommen vor allem, um Freunde zu treffen und sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Jeder nimmt auf seine eigene Weise und in seinem eigenen Tempo am Parkrun teil.“ Als Sinton-Hewitt im Herbst 2004 wegen einer Verletzung nicht joggen konnte, organisierte der Brite kurzerhand einen Lauf mit anschließendem Frühstück, um mit seinen Sportfreunden in Kontakt zu bleiben. Die Idee des Parkruns war geboren.

Inzwischen steht hinter Parkrun eine gemeinnützige Organisation, die sich durch Sponsoren, Spenden und den Verkauf von Merchandising-Artikeln finanziert und die technische Infrastruktur wie Streckenbeschilderung, Webseite und Zeitmessungsapp zur Verfügung stellt. Es gibt für jeden Läufer eine ausführliche persönliche Statistik mit Zeiten und anderen Daten, zum Beispiel der alterskorrigierten Leistung, die die gelaufene Zeit mit dem aktuellen Altersklassenrekord ins Verhältnis setzt. Wer 50 oder 100 Läufe – sogenannte „Meilensteine“ – absolviert hat, kann gegen einen kleinen Betrag ein T-Shirt bekommen. Auch Helfereinsätze werden so belohnt.

In der Region gibt es mehrere Parkruns

In Deutschland gibt es Parkrun seit 2017. Hier riefen die Briten Michelle Purse-Sweeney und David Sweeney, der Ire Martin Kennedy sowie Swenja und Martin Beck, die in Australien gelebt haben, in Mannheim den ersten Standort ins Leben. Nachdem Parkrun-Gründer Sinton-Hewitt nach einem Probelauf Strecke und Frühstück für gut befunden hatte, war der Grundstein gelegt.

Inzwischen gibt es in der Region mehrere Parkruns – wie eben jenen in Speyer. „Mich hat es nachhaltig beeindruckt wie jeder, wirklich jeder, bejubelt wird“, sagt Julia Däuwel. „Auch jemand, der für die 5 Kilometer über eine Stunde braucht, bekommt so viel Wertschätzung wie die Läufer, die keine 20 Minuten brauchen.“ Die offene Gemeinschaft trage dazu bei, dass sich alle willkommen fühlen. „Es kommen Menschen zusammen, die sich sonst nie getroffen hätten“, ergänzt Alexander Zinser.

Da ist die ambitionierte Triathletin, der die Strecke eigentlich zu kurz ist, die aber gerne hilft. Da ist der Papa, der, seinen Babyjogger schiebend, regelmäßig vorne mitläuft. Oder das ältere Ehepaar, das die Strecke gemeinsam mit einer Truppe junger Frauen spaziert. Auch Rollstuhl-Fahrer können teilnehmen, Kinder unter elf Jahren laufen stets in Begleitung eines Erwachsenen, Hunde sind ebenfalls willkommen, müssen aber an der Leine geführt werden.

Die Freiwilligen werden gefeiert

Wer das erste Mal zu einem Parkrun kommt, wird von den Helfern ausführlich eingewiesen. Es gibt immer ein beaufsichtigtes Plätzchen, wo die Teilnehmer ihre Sachen deponieren können. Der Laufleiter, der an diesem Tag für den Gesamtablauf verantwortlich ist, erklärt vor dem Start, wie es um die Strecke steht: Ist sie an einigen Stellen matschig? Gibt es Umleitungen oder andere Besonderheiten? Dann werden die Freiwilligen vorgestellt, ja regelrecht gefeiert.

Kerstin Siegler gehört seit den ersten Testläufen 2018 zum Seewoog-Team. „Parkrun hilft mir auch, meine eigenen Ziele zu verwirklichen. Wenn ich läuferisch unterwegs bin, versuche ich natürlich, immer meine eigene Zeit zu schlagen.“ Aber nicht nur der sportliche Aspekt ist ihr wichtig: „Als Helfer war ich schon auf allen Positionen tätig“, berichtet Siegler. „Am besten gefällt mir es, Laufleiter zu sein. So kann ich mich meiner eigenen Angst stellen. Ich habe es noch nie gemocht, vor fremden Leuten zu sprechen, vor allem nicht in zwei Sprachen.“

Da sich Parkrun international versteht und auch viele Leute gerne andere Standorte besuchen, ja regelrechten Parkrun-Tourismus betreiben, ist Zweisprachigkeit die Regel. „Es wird mit jedem Mal einfacher und man gewinnt an Sicherheit und Selbstbewusstsein. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal freiwillig mache“, berichtet Kerstin Siegler und lacht.Weitere Infos: www.parkrun.com.de

Mitläufer gesucht

  • Mannheim: Durch die Rheinauen

    Am Parkplatz des Strandbads startet der „Neckarau Parkrun“. Die Route führt zuerst auf Asphalt durch den Auwald. Nach knapp zwei Kilometern geht es ein Stück entlang des Rheins, bis die Brücke nach Ludwigshafen ins Blickfeld rückt. Dann biegt die Strecke nach rechts ab und es geht durch den Wald zurück. Die Haltestelle Rheingoldhalle der Straßenbahnlinie 3 liegt 10 Gehminuten entfernt.

    www.parkrun.com.de/neckarau

    Ramstein-Miesenbach: Laufen am See

    In der Nähe des Kiosks „Blockhütte“ liegen Start und Ziel des „Seewoog Parkruns“. Die Strecke führt über eine Runde erst bergauf vorbei an Feldern und dann durch den Wald zurück. Sie besteht aus Forst- und Schotterwegen und ein wenig Asphalt und hat auch ein paar hügelige Stellen. Parkplätze gibt es am See, zu Fuß braucht man eine knappe halbe Stunde vom Bahnhof Ramstein.

    www.parkrun.com.de/seewoog

    Speyer: Zwei Runden am Rhein

    Start des „Speyer Leinpfad Parkruns“ ist in der Nähe der Jugendherberge auf Höhe der Strandbar. Die Strecke führt über zwei Runden, zunächst über die Rheinpromenade, dann durch den Domgarten wieder am Rhein zurück. Parkmöglichkeiten gibt es am Bademaxx und der Jugendherberge. Vom Speyerer Bahnhof fährt zweimal pro Stunde ein Shuttleservice Richtung Jugendherberge.

    www.parkrun.com.de/speyerleinpfad

    Karlsruhe: Eine liegende Acht

    Der Start des „Oberwald Parkruns“ liegt an der Ettlinger Allee (Höhe der Haltestelle Dammerstock). Vor dort aus geht man die Straße zwischen den Parkplätzen in Richtung Wald bis auf Höhe der Tennisplätze. Die Strecke ähnelt einer liegenden Acht und führt über flache Waldwege vorbei am Erlachsee und den Tiergehegen. Die Linien S 1 und S 11 fahren die Haltestelle Dammerstock regelmäßig an.

    www.parkrun.com.de/oberwald

    Merzig: Am Zoo vorbei

    Der „Leinpfad Parkrun Merzig“ ist ganz in der Nähe des Bahnhofs im Stadtpark. Der überwiegend ebene Kurs führt über ganz unterschiedlichen Untergrund. Erst geht es zwei kleine Runden durch den Park, dann eine Runde um einen kleinen Zoo und schließlich einmal hin und zurück auf dem örtlichen Flusspfad. Parkplätze gibt es neben dem Rathaus, vom Bahnhof aus geht man am besten zu Fuß.

    www.parkrun.com.de/leinpfad

Sie feuern die Läufer an, sichern die Strecke und stoppen die Zeit: Ohne freiwillige Helfer wäre Parkrun nicht möglich.
Sie feuern die Läufer an, sichern die Strecke und stoppen die Zeit: Ohne freiwillige Helfer wäre Parkrun nicht möglich.
Die Schlussbegleitung sorgt immer dafür, dass niemand Letzter wird.
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Kerstin Siegler gehört seit den ersten Testläufen 2018 zum Seewoog-Team.
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