Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Erkenntnisse zur Lorbeer-Kirsche

Auch als Solitärgehölz ist die Lorbeer-Kirsche anzutreffen.
Auch als Solitärgehölz ist die Lorbeer-Kirsche anzutreffen.

Die Lorbeer-Kirsche ist in vielen Gärten anzutreffen. Und dennoch ist sie umstritten: Ist das Gehölz ökologisch sinnvoll? Neue Erkenntnisse dazu überraschen.

An der Lorbeer-Kirsche (Prunus laurocerasus), fälschlicherweise auch oft Kirschlorbeer genannt, scheiden sich die Geister: Für viele Gartenbesitzer ist das schnellwüchsige, aus Kleinasien stammende und zu den Gewinnern des Klimawandels zählende Gehölz eine ideale immergrüne und blickdichte Heckenpflanze. Manche Naturschützer billigen ihr dagegen lediglich den ökologischen Wert einer Betonmauer zu.

Als schnittverträgliches Formgehölz erweist sich die Portugiesische Lorbeer-Kirsche.
Als schnittverträgliches Formgehölz erweist sich die Portugiesische Lorbeer-Kirsche.

Förster sehen sich mit wild im Wald aufgehenden Exemplaren konfrontiert, die sich von Siedlungsrändern her durch im Forst entsorgte Gartenabfälle invasiv ausbreiten. Auch Vögel wie Amseln tragen dazu bei, indem sie die Früchte fressen und den Samen so verbreiten. Gartenästheten bezeichnen die Lorbeer-Kirsche naserümpfend als „spießiges Gewächs“, das die vom Klimawandel gezeichnete Thuja mehr und mehr ablöst. Überraschende wissenschaftliche Erkenntnisse lassen die Lorbeer-Kirsche jetzt in einem ganz neuen Licht erscheinen.

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Kirschessigfliege legt Eier

Die wohl interessanteste Entdeckung vorneweg: Untersuchungen der Fachhochschule Geisenheim (Rheingau) und des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ) Augustenberg (Karlsruhe-Durlach) im Rahmen der Forschung rund um die aus Asien stammende Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ergaben, dass die schwarzen Beeren der Lorbeer-Kirsche für dieses Insekt zur Eiablage am attraktivsten waren, wie Olaf Zimmermann vom LTZ erklärt.

Wild wachsend wie hier im Wald bei Rhodt will man das Gehölz nicht haben.
Wild wachsend wie hier im Wald bei Rhodt will man das Gehölz nicht haben.

Bei den Schlupfversuchen habe sich gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Eier sich zu neuen Kirschessigfliegen entwickelt habe. Zimmermann verweist auf Ergebnisse, die sein Kollege Helmut Rauleder vom LTZ Augustenberg 2016 bei Stichproben mit Lorbeer-Kirsch-Früchten erzielt hatte: 133 zufällig ausgewählte Früchte waren zu 100 Prozent befallen, im Schnitt waren es 19 Eier der Kirschessigfliege pro Frucht, also knapp 2500 insgesamt. „Daraus schlüpften in Relation zur Eiablage 16 Prozent der Fliegen“, bilanziert Zimmermann. Bei weiteren 230 zufällig ausgewählten Früchten waren nur 94 Prozent befallen, im Schnitt mit drei Eiern pro Frucht und nur neun Prozent Schlupf.

Abhängig vom Reifegrad

„Es hängt also gegebenenfalls vom Reifegrad der Früchte und anderen Faktoren ab. Fest steht aber, dass die Lorbeer-Kirsche mit ihrem frühen Fruchtangebot sehr attraktiv für die Kirschessigfliege ist und nur zehn bis zwanzig Prozent der gelegten Eier schlüpfen“, so Zimmermann. „Im Umkehrschluss sterben also 80 bis 90 Prozent der darin abgelegten Eier ab. Das waren die höchsten Werte bei der Untersuchung von Früchten und ihrer Attraktivität und Mortalität gegenüber der Kirschessigfliege, möglicherweise verursacht durch den Blausäuregehalt“, erklärt der Wissenschaftler. Fruchtende Lorbeer-Kirschen seien somit für Gartenbesitzer eine Möglichkeit, einen Teil der Kirschessigfliegen im Garten loszuwerden und so indirekt ihre Traubenstöcke, Beerensträucher und Steinobstbäume zu schützen.

Die Kirschessigfliege macht sich auch über die Früchte der Lorbeer-Kirsche her.
Die Kirschessigfliege macht sich auch über die Früchte der Lorbeer-Kirsche her.

Ein weiterer Aspekt: Alle Arten der Gattung Prunus, zu der unter anderem auch Mandel, Kirsche, Aprikose und Zwetschge gehören, werden nicht durch den Wind, sondern durch Insekten bestäubt. Das Buch „Die Wildbienen Deutschlands“ des gebürtigen Pfälzers Paul Westrich listet als Blütengäste der Lorbeer-Kirsche die Fuchsrote Sandbiene, die Rotfransige Sandbiene und die Frühlings-Seidenbiene auf. Dazu gesellt sich die Honigbiene. Aber auch C-Falter und Ameisen finden sich gerne ein.

Als Zeigerpflanze nutzen

„Die Lorbeer-Kirsche kann zudem eine Zeigerpflanze für potenziell invasive Arten oder Neozoen in Obst sein“, sagt Zimmermann. Scheinbar abgeknickte Triebe in Obstanlagen im Südwesten Deutschlands würden von dem aus China stammenden Pfirsichtriebwickler miniert, der immer häufiger werde. Keilförmige Verbräunungen auf Blättern und ein Häutungsrest an deren Unterseite deuten ihm zufolge auf die Asiatische Orientzikade hin, inzwischen eine der häufigsten Zikadenarten im Rhein-Neckar-Raum. Seit 2002 in Deutschland nachgewiesen, kommt sie jetzt vor allem an Hasel, Hainbuche und Weide vor. Im Obstbau sind die Blattschäden nicht bedeutend, im Weinbau kann durch ihre Saugtätigkeit jedoch die Vergilbungskrankheit, für die besonders Riesling und Chardonnay anfällig sind, auftreten.

Positiv: Die Blüten ziehen Schmetterlinge wie C-Falter an.
Positiv: Die Blüten ziehen Schmetterlinge wie C-Falter an.

Am Laub der Lorbeer-Kirsche wurde 2005 mit seinem Buchtenfraß auch schon der Östliche Glanzrüssler aus Kleinasien, an den unreifen grünen Früchten vor ein paar Jahren erstmals die Marmorierte Baumwanze aus Ostasien, die inzwischen Hartriegel und Trompetenbäume bevorzugt, nachgewiesen. Diese neuen Arten würden von der Lorbeer-Kirsche nicht gefördert, sondern sie befielen sie nur, erklärt Olaf Zimmermann.

Ausgewogener Blick

„Dass die Lorbeer-Kirsche sich nicht in der Natur ausbreiten und man das verhindern soll, steht außer Frage“, betont der Fachmann. Sein Ansatz war es, wissenschaftlich aufzuzeigen, dass an dem Strauch eine Menge los und die Schwarz-Weiß-Sicht hinsichtlich des urbanen Grüns zu einseitig ist. Der Wissenschaftler plädiert für einen ausgewogenen Blick. „Es ist ja auch unrealistisch, nun deutschlandweit in jedem Ort die Lorbeer-Kirsche vernichten zu lassen. Das würde uns einiges an Grünfläche kosten“, gibt er zu bedenken. Für zukünftige Anpflanzungen in Gärten oder bei neuer Begrünung solle man auf sie aber möglichst verzichten, lautet seine persönliche Meinung.

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