Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Kübelpflanzen im Freien überwintern?

Schönlilien müssen nicht im Kübel bleiben. Es lohnt sich, die schönen Exoten auch auszupflanzen.
Schönlilien müssen nicht im Kübel bleiben. Es lohnt sich, die schönen Exoten auch auszupflanzen.

Für die Exotenfreunde ist es jetzt wieder so weit: Müssen die Kübelpflanzen zum Überwintern ins Haus oder können sie im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse bleiben?

Die meisten heimischen Pflanzenarten sind an das Klima angepasst und kommen im Winter gut klar. Die winterliche Ruhephase und der Wechsel von Wärme zu Kälte wirken sich in der Regel sogar günstig auf die Pflanzen aus. Mit Pilzen befallene Blätter fallen im Herbst zum Beispiel ab. Frost, wenn er streng genug ausfällt, drängt Schädlinge zurück.

Echter Lorbeer hat in der Pfalz gute Chancen, den Winter im Garten zu überstehen.
Echter Lorbeer hat in der Pfalz gute Chancen, den Winter im Garten zu überstehen.

Manche Früchte werden gar erst nach Temperaturen unter Null so richtig schmackhaft, etwa die der Schlehe (Prunus spinosa), dem Vorfahren der Pflaumen. Sie schmecken vor dem ersten Frost bitter. Bei Kälte werden die Bitterstoffe abgebaut, aus Stärke wird Glucose. Der Fruchtzucker wirkt dabei wie ein Frostschutzmittel, er senkt den Gefrierpunkt der Zellsäfte und macht das Ganze für Menschen und für die Vögel süßer.

Oleander friert ein

So einen „Frostschutz“ haben Pflanzen aus wärmeren Gefilden normalerweise nicht. Warum auch, wovor sollten sie sich in ihrer Heimat schützen? Stehen solche wärmeliebenden Arten hierzulande im Kübel, heißt es deshalb, rechtzeitig eine passende Überwinterung in Angriff zu nehmen.

Oleander (Nerium oleander) ist eins dieser mediterranen Gewächse, das sich als Kübelpflanze größter Beliebtheit erfreut. Kühle Nächte und gelegentlich kurzzeitig Frost bis -5 Grad steckt ein gesunder Oleander zwar weg, ein langer, kalter Winter ist dagegen zu viel. Diese Kübelpflanze braucht Schutz. Daran ändert auch der Klimawandel wenig.

Ein großer Oleander kann eventuell mit Schutzmaßnahmen draußen bleiben.
Ein großer Oleander kann eventuell mit Schutzmaßnahmen draußen bleiben.

Allerdings, und das war vor ein paar Jahren selbst in der immer schon milderen Vorder- und Südpfalz undenkbar, kann der Kübel mit einem gewissen Schutz auch im Freien überwintert werden und muss nicht mehr zwingend ins Haus. Ist absehbar, dass sich der Winter hartnäckig festsetzt und die Temperaturen im Keller bleiben, muss er trotzdem in geschützte Räume.

Schützende Hauswände

Anders sieht es mittlerweile für Feige, Olivenbaum, Granatapfel und den Echten Lorbeer aus. Sie haben, durch den Klimawandel sowie einen immensen züchterischen Fortschritt vielerorts längst den Weg aus dem Kübel in die Gartenerde gefunden und bringen munter Früchte bis zur Reife, selbst in der Westpfalz – wenn die Bedingungen dafür erfüllt werden. Dazu kann eine schützende Hauswand zählen, an der die Gewächse ausgepflanzt sind, oder eine in den kälteren Monaten über dem Wurzelbereich ausgebrachte Mulchschicht.

Granatapfelbäume wachsen, gut geschützt, im Freien.
Granatapfelbäume wachsen, gut geschützt, im Freien.

Je nach Standort und Minusgraden sind Vliesmäntel oder Strohmatten für kräftige Äste angebracht. Hier sollte man aufpassen: Die Luft muss zirkulieren können, sonst ist nicht der Frost schädlich, sondern Fäulnis und Pilze greifen die Pflanze an. Ein Blick auf den Wetterbericht ist immer ratsam, gerade wenn es der Winter im Januar und Februar nochmals mit tieferen Minusgraden wissen will. Dann ist vielleicht eine dickere Isolierung am Gewächs angesagt. Bei länger durchgefrorener Erde verdursten die Pflanzen zudem.

Echter Lorbeer (Laurus nobilis) bringt eine gewisse Winterhärte mit und kann in milderen Gegenden, also in der Pfalz, ausgepflanzt werden. Dort lässt ihn ein vollsonniger Platz an einer geschützten Stelle zu einem ordentlichen Baum oder Strauch bis auf zehn Meter anwachsen. Frost bis etwa -8 Grad steckt der Echte Lorbeer, der nicht mit dem Kirschlorbeer verwandt ist, ganz gut weg.

Auch der Granatapfel (Punica granatum) hält kurzzeitig Temperaturen bis -10 Grad aus und übersteht, bei entsprechenden Schutzmaßnahmen, die pfälzischen Winter recht gut. Jungpflanzen können mit Kälte allerdings noch nicht so gut umgehen und sollten gut geschützt werden. Um reife Granatäpfel ernten zu können, braucht man allerdings einen warmen und besonders sonnigen Platz im Garten oder an der Hauswand.

Blattverlust bei Olivenbäumen

Ein gestandener Olivenbaum (Olea europaea) kann bis zu -15 Grad vertragen. Überlässt man jüngere Bäume ungeschützt dem Winter, nehmen sie schneller Schaden. Es sind die Blätter des immergrünen Olivenbaums, die Frost nicht gut vertragen. Es kann zwischen -5 und -10 Grad bereits zu Blattverlusten kommen. Eine Winterschutzhaube, unter der sich kein Kondenswasser bildet, kann bei anhaltendem Frost daher ratsam sein.

Die zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) gehörenden Schmucklilien (Agapanthus) werfen ebenfalls immer öfter die Frage auf, ob die Kübelpflanze im Winter ins Haus muss oder draußen überwintern kann. Oder kann vielleicht sogar der eine oder andere Ableger versuchsweise in den Garten gepflanzt werden? Die ursprünglich aus Südafrika stammende, in Teilen giftige Schmucklilie gibt es in zehn Arten, darunter immergrüne und laubabwerfende. Unter den mehr als 500 Agapanthus-Sorten sind einige laubabwerfende, die sich in der mild gewordenen Pfalz dem Frost widersetzen und im Beet überwintern können. Aber auch hier gilt es, den Wetterbericht im Auge zu behalten und bei angekündigtem anhaltenden tiefen Frost für Mulchschichten über dem Gewächs zu sorgen.

Im Winter auf Sparflamme

Wer nicht experimentierfreudig ist, nicht auspflanzen, den Kübel nicht draußen überwintern will oder eine „verfrorene“ Pflanze hält, dem bleibt ihr Umzug ins Winterquartier nicht erspart. Jede Art bringt ihre Anforderungen mit. Alle eint: Frische Luft und Tageslicht sind am besten. Sie sollten erst eingeräumt werden, wenn die Temperaturen dauerhaft sinken. Im Frühjahr heißt es umgekehrt, sobald es möglich ist, sollten die grünen Mitbewohner wieder raus.

Oliven aus dem eigenen Garten? Mit Winterschutz oder an einer warmen Mauer durchaus möglich.
Oliven aus dem eigenen Garten? Mit Winterschutz oder an einer warmen Mauer durchaus möglich.

Im Winter leben die Pflanzen auf Sparflamme, ganz dunkel darf es vor allem für Immergrüne aber nicht sein. Sie überstehen völlige Dunkelheit nicht. Eine Mindestmenge Licht, am besten ohne direkte Sonneneinstrahlung, sowie konstante Temperaturen unter 10 Grad sind für die meisten ideal. Laubabwerfend Pflanzen wie Fuchsien nehmen auch ein dunkles, kühles Winterquartier hin.

Vorsicht beim Gießen

Exoten, beispielsweise Zitruspflanzen (Citrus), sollten umziehen, sobald die Temperaturen dauerhaft unter zehn Grad sinken. Sie wollen auch im Winter viel Licht und beschweren sich im temperierten Wohnbereich nicht, außer über eine Fußbodenheizung. Wird die Wurzel zu warm, verweigern sie jegliche Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Zu trockene Heizungsluft lockt Schädlinge wie Schild und Wollläuse an.

Gießen sollte man die Pflanzen im Winterquartier mit Vorsicht. Es kann nur alle zwei bis drei Wochen notwendig sein. Die Gewächse sind in der Winterruhe, in kühleren und nicht ganz so hellen Räumen verdunsten sie zudem wenig. Zu viel Wasser kann hier schnell das Ende bedeuten, da die Wurzeln faulen.

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