Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Fenchel: Gemüse und Gewürz

Knollenfenchel kann auch in ausreichend tiefen Gefäßen kultiviert werden.
Knollenfenchel kann auch in ausreichend tiefen Gefäßen kultiviert werden.

Fenchel lässt sich sehr gut im Garten kultivieren. Ansprüche bringt er zwar mit, dafür kann er jetzt noch gesät oder gesetzt werden. Auch der wilde Vorfahre hat Vorzüge.

Fenchel (Foeniculum vulgare) wird seit Jahrtausenden wegen seines Nährstoffreichtums geschätzt und sogar als Heilmittel genutzt. Vorderasien und der Mittelmeerraum gelten als seine ursprüngliche Heimat. Seit einigen Jahrzehnten kommt Fenchel auch als Pfälzer Gemüse auf die Teller. Der 50 bis 80 Zentimeter hoch wachsende Gemüsefenchel ist ein Knollenfenchel und gilt historisch gesehen als der jüngste unter den Fencheln.

Knollenfenchel ist vielseitig in der Küche verwendbar.
Knollenfenchel ist vielseitig in der Küche verwendbar.

Gewürzfenchel kommt ohne Knolle aus. Hier werden die süßlich-aromatischen Samen zum Würzen von Speisen, im Tee und in der Naturheilkunde vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet. Sowohl der Gemüse- als auch der Gewürzfenchel, von denen es zahlreiche Sorten gibt, sind züchterisch gewonnene Kulturformen des Wilden Fenchels. Dieser gehört wie seine „Kinder“ zur Familie der Doldenblütler (Apiacea) und ist eng mit Anis (Pimpinella anisum), Kümmel (Carum carvi) und Dill (Anethum graveolens) verwandt, was beim Anbau im Garten wegen der Fruchtfolge zu beachten ist.

Gemüsefenchel braucht Zeit

Die Ernte des im Frühjahr gesäten oder gepflanzten Gemüsefenchels läuft schon seit einigen Wochen. Der Anbau ist aber im August noch möglich. Wer das Risiko einer so späten Saat scheut oder kein Folienhaus hat, der besorgt sich Setzlinge und bringt sie in die Erde. Eine Nachfrage bei benachbarten Gärtnerinnen und Gärtnern lohnt sich: Vielleicht haben sie zu viele Jungpflanzen in Töpfen vorkultiviert und geben sie ab. Auf Märkten und im Fachhandel sollten sich Fenchelpflänzchen auch noch finden lassen.

Die Blüten des Gewürzfenchels liefern die Samen etwa für Fencheltee.
Die Blüten des Gewürzfenchels liefern die Samen etwa für Fencheltee.

Von der Aussaat bis zur Ernte nimmt sich Fenchel gut zwölf Wochen Zeit. Daher kann es bei einer Direktsaat im August tatsächlich eng werden. Kommt er als vorgezogene Pflanze ins Beet, beträgt die Kulturdauer etwa acht Wochen. Fenchel begnügt sich beim Wachsen auch mit einem Topf. Dieser muss allerdings tief genug sein, da die Pflanze eine Pfahlwurzel ausbildet.

Warmer Standort

Wichtig ist ein warmer, sonniger Standort mit tiefgründigen, nährstoffreichen Böden. Fenchel ist bis auf den Durst an heißen Tagen ein pflegeleichtes Gemüse. Jungpflanzen sollten allerdings von mitwachsenden und gerade nicht benötigten (Bei)Kräutern befreit werden. Sie nehmen ihnen zu viele Nährstoffe und Wasser weg.

Über Fenchelgrün freuen sich die Raupen des Schwalbenschwanzes.
Über Fenchelgrün freuen sich die Raupen des Schwalbenschwanzes.

Beim Säen oder Pflanzen muss die Verwandtschaft unbedingt im Auge behalten werden. Fenchel wird besser nicht dort angebaut, wo zuvor Dill, Karotte, Sellerie, Petersilie, Pastinake, Liebstöckel, Anis, Kümmel oder Koriander gewachsen ist. Diese gehören zu den Doldenblütlern und sind alle anfällig für dieselben Krankheiten.

Verwandtschaft beachten

Der Blick auf die Verwandtschaft und die Fruchtfolge gilt sowohl bei der späten Aussaat als auch bei der frühen, die ab April, sobald sich der Boden erwärmt hat, möglich ist. Außer der Beachtung der Fruchtfolge ist es gerade beim Herbstanbau sinnvoll, unter den zahlreichen Fenchelsorten, die schnell wachsenden und früh reifenden auszuwählen. Beim Anbau im Frühjahr sollte der Blick eher auf die schossfesten Sorten gehen. Diese neigen nicht dazu, statt der gewünschten dicken Sprossknolle eine Blüte auszubilden oder zu schossen, wie es in der Fachsprache heißt.

Gewürzfenchel, auch Süßer Fenchel genannt, ist eine weitere Zuchtform. Er kann bis zu zwei Meter in die Höhe wachsen. Um reife, aromatische Samen zu liefern, ist ein langer, warmer Sommer nötig. Meist blüht Gewürzfenchel erst im zweiten Jahr. Zuvor sind bereits die süßlichen Blätter als Gewürz oder zur Zubereitung von Tees nutzbar.

Gewürzfenchel ist in der Pfalz problemlos winterhart, und er hat ein weiteres Plus: Seine intensiv duftenden Blütenstände locken Insekten in Scharen an. Es gibt Sorten, die sich mit bronzefarbenen Blättern zeigen. Er ist unter der Bezeichnung Bronzefenchel zu finden. Wer gern die volle Kontrolle über seinen Garten behält, der sollte bei der Sortenwahl darauf achten, dass sich einige Sorten gerne selbst im Garten aussäen.

Wilder Fenchel im Garten

Wilder Fenchel, der Ursprung aller heute am Markt befindlichen Sorten, hat sich als Neophyt in weiten Teilen der Erde verbreitet. Er wächst an sonnigen, warmen Standorten und lässt sich auch in der Pfalz als typische Ruderalpflanze vor allem an von Menschen beeinflussten Standorten gern nieder, etwa auf sich langsam begrünenden Brachflächen und Wegrändern neben Kulturflächen. Immer häufiger ist der Wilde Fenchel zudem Bestandteil von Ackerblühmischungen und macht sich von dort auf, um wild zu wachsen, wo es ihm gefällt.

Den Garten bereichert der Wilde Fenchel durchaus. Er ist eine hübsch anzusehende und gut duftende Bienenweide, die keine Aufmerksamkeit und Pflege erwartet. Eine Ernte ist ebenfalls möglich: Sowohl das Kraut als auch die Blüten und die Samen spielen eine Rolle. Ob als Tee, als Würze in Gemüsepfannen oder im Salat – der Wilde Fenchel hat Qualitäten, die hilfreich bei schwer verdaulichen Speisen sein können.

Wer ihn über Aussaat in den Garten holt, sollte ihm ein sonniges Fleckchen anbieten und ein wenig Platz zugestehen. Der Wilde Fenchel ist mehrjährig und wird sich im Garten, wenn es ihm gefällt und man ihn lässt, ausbreiten. Er ähnelt, aus der Ferne betrachtet, Dill. In der Nähe verrät der aromatisch-süße Geruch, wer sich hier im Boden verwurzelt hat.

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