Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gratis-Kugel pro WM-Tor: Pfälzer Eismacher nimmt Italien-Misere mit Humor

Italo-Pfälzer Fabio Cicoria ist großer Fußballfan.
Italo-Pfälzer Fabio Cicoria ist großer Fußballfan.

Italien ist fußballverrückt – und muss erneut bei einer WM zuschauen. Fabio Cicoria, der die Eisbar 23 am Wurstmarktplatz betreibt , kann trotzdem drüber lachen.

„Es ist definitiv schade, dass Italien wieder nicht dabei ist“, sagt Fabio Cicoria. Wie das gesamte Land ist Cicoria fußballverrückt; er spielte für Rot-Weiss Seebach und den ASV Fußgönheim. „Man muss sich das mal vorstellen: Manche Teenager in Italien haben ihr Land noch nie bei einer Weltmeisterschaft spielen sehen.“ 2014, als Deutschland in Brasilien den Titel holte, waren die Italiener zum letzten Mal dabei – und schieden in der Vorrunde aus.

Der Chef der Eisbar 23 am Dürkheimer Wurstmarktplatz kann sich noch gut an den letzten ganz großen Wurf erinnern: 2006 holte die Squadra Azzurra in Berlin ihren vierten Weltmeistertitel. Im Finale besiegten die Italiener Frankreich im Elfmeterschießen; Zinedine Zidane sah die Rote Karte. Danach ging es mit der italienischen Nationalelf bergab, bis ihr 2021 in London ein Überraschungscoup gelang: der Gewinn der Europameisterschaft 2020.

Keine Chance für Talente

Doch warum blieb danach der Aufschwung aus? „An Talenten fehlt es nicht. U16, U17 oder U19 sind bei Turnieren regelmäßig vorne dabei“, sagt Cicoria. Das Problem liege vielmehr bei den Vereinen: „Die setzen lieber auf erfahrene Spieler aus dem Ausland und verleihen die Talente ins Nirgendwo.“ In Deutschland oder Spanien würden dagegen auch 17-Jährige eingesetzt, wenn sie gut genug seien. Ganz ohne Italiener geht die WM auch nicht über die Bühne – die Trainer Vincenzo Montella (Türkei), Altmeister Carlo Ancelotti (Brasilien) und Fabio Cannavaro (Usbekistan) sind dabei.

Gegen Bosnien verpassten die Italiener zum dritten Mal die WM-Qualifikation.
Gegen Bosnien verpassten die Italiener zum dritten Mal die WM-Qualifikation.

Cicoria jedenfalls lässt sich die WM-Freude nicht nehmen: „Mein Herz schlägt in italienischen Farben – und in den deutschen“, sagt der 39-Jährige. In mancher Hinsicht sei er sogar eher Deutscher als Italiener, zum Beispiel wenn es um Pünktlichkeit gehe. „Ich fühle mich als Italo-Pfälzer. In Italien könnte ich nicht leben, da ist mir vieles zu larifari“, erzählt er. „Das Einzige, was so richtig italienisch bei mir ist, ist mein Pass – und mein Temperament.“

Vertrauen ins deutsche Team

Daher ist es für ihn auch keine Frage, wem er bei der WM die Daumen drückt: der deutschen Mannschaft. „Ich glaube, sie kommt mindestens ins Halbfinale“, sagt der Eisbar-Chef. Dass die Deutschen niemand so wirklich auf der Rechnung habe, könne auch eine Chance sein: „2021 hätte auch niemand gedacht, dass Italien den Titel holt.“

Cicoria nimmt die WM-Misere der Squadra Azzurra mit Humor. Das zeigt auch ein Schild, das auf dem Tresen seiner Eisbar steht: Dort verspricht er seinen Kunden pro italienischem Tor bei der WM zwei Kugeln Eis gratis.

x