Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Der Name der Rose: Jacqueline du Pré

 Die Rose ’Jacqueline du Pré’ ist eine Schönheit, die mit cremeweißen Blüten gefällt.
Die Rose ’Jacqueline du Pré’ ist eine Schönheit, die mit cremeweißen Blüten gefällt.

Selten ähneln Rosen, die nach berühmten Persönlichkeiten benannt wurden, so sehr ihren Namensgebern. „Jacqueline du Pré“ ist ein zartes Gewächs, dessen Charme dennoch begeistert.

Ausnahmetalent und Wunderkind – zwei Begriffe, die auf die Cellistin Jacqueline du Pré zutreffen und doch ihr Können kaum fassen können. Mit ihrem Spiel erreichte sie die Herzen der Musikliebhaber wie kaum eine andere. Wer vermag nachzuvollziehen, was es für die begnadete Musikerin bedeutete, ihre Leidenschaft unvermittelt aufgeben zu müssen? Multiple Sklerose machte es ihr unmöglich, den Bogen in die Hand zu nehmen.

Geboren wird das Wunderkind am 26. Januar 1945 in Oxford. Die Musikalität erben Jacqueline und ihre Schwester Hilary von ihrer Mutter Iris, einer Pianistin. Mit vier Jahren erhält Jacqueline zum ersten Mal Cellounterricht. Mit elf folgen ein Stipendium und bald Meisterunterricht bei berühmten Cellisten wie Mstislaw Rostropowitsch. Du Prés Spiel zeichnet sich durch Natürlichkeit und überdurchschnittliche Musikalität aus, die es auch begabten Zeitgenossen schwer macht, sie zu begleiten. Wer das Glück hat, zu dieser Zeit ein Konzert du Prés zu hören, wird es nicht vergessen.

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Die Rose ’Jacqueline du Pré’

Für Barenboim konvertiert die Musikerin

Doch eine vergeistigte Musikerin ist die knapp Zwanzigjährige, die bereits mit den besten Dirigenten und Orchestern spielt, nicht. Sie lacht gerne, ist witzig. Ihr späterer Ehemann, der nicht weniger berühmte Dirigent Daniel Barenboim, nennt sie „Smiley“. Sie lernt ihn bei einer Party kennen. Statt sich zu begrüßen, spielen die beiden zusammen Werke von Brahms.

Die Musik stellt offenbar eine so starke Bindung zwischen ihnen her, dass Barenboim und du Pré ein Paar werden. Wenig später soll die Heirat folgen. Barenboim besteht allerdings auf einem jüdischen Ritus. Jacqueline konvertiert für ihre große Liebe zum Judentum – innerhalb kürzester Zeit absolviert sie den vorgegebenen Kursus. Beschleunigt haben soll dies David Ben Gurion, der frühere Premierminister Israels. Denn die beiden Ausnahmemusiker haben israelische Soldaten während des Sechstagekriegs mit ihren Konzerten begeistert und sich quasi zum musikalischen Traumpaar erhoben.

1967 heiraten Barenboim und du Pré. Zeitgenossen vergleichen sie gar mit Robert und Clara Schumann. Wie Clara gibt Jacqueline das Tempo vor. Bis sich vier Jahre später die Vorboten einer Krankheit ankündigen, die es der gefeierten Cellistin bald unmöglich machen, das geliebte Instrument in Händen zu halten. Zunächst ist nur von Stress und „weiblicher Hysterie“ die Rede, die du Prés Finger zittern lassen. Die gemeinsamen Konzerte mit ihrem Mann werden zur Qual.

Schnelles Karriereende nach Erkrankung

Multiple Sklerose heißt später die niederschmetternde Diagnose. Die Erkrankung schreitet so schnell voran, dass ihre letzten Konzerte 1973 auch für die nichts ahnenden Zuhörer ein Schock sein müssen. Der 28-Jährigen bleiben zunächst noch Meisterkurse, die sie – ohne selbst ein Instrument zu spielen – gibt. Aber auch das Sprechen fällt ihr zunehmend schwer.

Was dies in der Ausnahmemusikerin ausgelöst hat, mag man sich kaum vorstellen. Die Ehe mit Barenboim übersteht die menschliche Katastrophe nicht. Jacqueline du Pré lebt als Pflegefall in London, er in Paris. 1987 stirbt sie im Alter von nur 42 Jahren.

Ihre Lebensgeschichte greifen ihre Geschwister Hilary und Piers in „Hilary und Jackie“ auf. Nicht immer fällt ihr Urteil über das „Wunderkind“ so zauberhaft aus, wie Jacqueline von Freundinnen und Kollegen wahrgenommen worden ist. Von zerstörten Beziehungen zu ihrem engen Umfeld ist die Rede. Der darauf beruhende gleichnamige Spielfilm wird zwiespältig aufgenommen.

Die Cellistin Jacqueline du Pré galt als Wunderkind.
Die Cellistin Jacqueline du Pré galt als Wunderkind.
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