Im Garten
Ausprobieren ist die Devise
„Sommer-Apothekerbirne“, „Konstantinopeler Apfel“ und „Portugiesische Birnenquitte“, Süßkirschen der Sorten „Dönissens Gelbe“, „Frühe Rote Meckenheimer“, „Lambsheimer Kurzstiel“ und „Zottel-Haumüller“: Das sind einige der regionaltypischen, zum Teil sogar Pfälzer Obstsorten, auf die zum Beispiel die Stadt Neustadt an der Weinstraße in Zeiten des Klimawandels für ihre Pflanzprojekte setzt.
Dazu gesellen sich in Form von Hoch- und Halbstämmen verschiedene Essmandeln, die einen nachhaltigen Ersatz für die in früheren Zeiten verwendeten Ziersorten bilden sollen, wie die städtische Abteilung für Landwirtschaft und Natur mitteilt. Kann das ein Vorbild für unsere Gärten sein?
Robust und klimaangepasst soll es sein
Robust, klimaangepasst und trockenheitsverträglich: „Das werden künftig wichtige Anforderungen an Obstarten und Obstsorten für den Privatgarten sein“, erklärt Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie des Landes Rheinland-Pfalz. Zusätzlich könnte auch Neues angepflanzt werden. „Ausprobieren!“ ist die mutig ausgesprochene Devise des Agraringenieurs.
Womit experimentierlustige Hobbygärtner schon vor ein paar Jahren begonnen haben. In Gärten der Vorderpfalz haben Olivenbäume, als Kübelpflanze hierzulande bereits sehr geschätzt, ausgepflanzt im Boden schon mehrere Winter schadlos überstanden. Von Dattelpalme bis Granatapfel bietet der Fachhandel jetzt ebenfalls robuste Auslesen mit einer Frosthärte bis minus 15 Grad an. Mancher Gartenbesitzer in der Pfalz hat inzwischen sogar seine liebe Not, die großen Erträge seines Kakibaumes im eigenen Haushalt zu verwerten.
Pekannüsse und Schwarze Maulbeere im Kommen
Ausprobiert werden kann auch der Anbau der aus den wärmeren Regionen Nordamerikas stammenden Pekannuss. Diese wohlschmeckende Art aus der Familie der Walnussgewächse konnte bis vor einigen Jahren in Europa nur bis etwa in Höhe von Bordeaux in Frankreich angebaut werden. Mittlerweile ist ein Anbau ausgewählter Sorten auch bei uns möglich.
Die Schwarze Maulbeere gedieh früher auch im Weinbauklima nur an geschützten Standorten innerhalb von Ortschaften. Inzwischen ist sie in der freien Landschaft angekommen, wie ein im Kreis Bad Dürkheim auf einer Streuobstwiese stehendes Exemplar seit über zehn Jahren beweist. Es hält vom Wuchs her gesehen mühelos mit den benachbarten Apfelhochstämmen mit. Die Maulbeerfrüchte können gut zu Marmelade und Saft verarbeitet werden, schmecken aber auch getrocknet im Müsli.
Wildobst in Form von Elsbeere und Speierling berücksichtigt die Stadt Neustadt für ihre Naturflächen. Beide Sorbusarten gelten als Gewinner des Klimawandels, während die nah verwandte Vogelbeere an Boden verliert. Für sie wird es im Rheingraben langsam zu trocken und zu heiß.
„Wärmeliebende Feigen und Pfirsiche fruchten mittlerweile auch außerhalb der Weinbaulagen“, spricht Werner Ollig zudem Gartenbesitzern, die nicht in der eh schon wärmebegünstigten Rheinebene leben, Mut zu.
Obstbäume auf schwach wachsenden Unterlagen waren früher Standard im Garten. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. „Je schwächer die Unterlage, desto größer die Anfälligkeit für Stress, etwa bei Trockenheit“, gibt Ollig zu bedenken. Stärker wachsende Unterlagen könnten dies verhindern und gleichzeitig die Vitalität des Baumes fördern.
In Betracht kommen hierbei Sämlinge von Edelkastanie, Essmandel, Walnuss, Wildapfel, Vogelkirsche und bei den Sträuchern die Deutsche Mispel, Felsenbirne, Kornelkirsche und Strauchbeeren. „Sämlingsbäume wurzeln tief“, erläutert Ollig.
Ein Pluspunkt gerade bei Mandeln: Zwar gelten sie allgemein als etwas schwachwüchsig, jedoch wachsen gerade Sämlinge besonders gut an – und vor allem weiter. Für die vorderpfälzische Gemeinde Meckenheim zum Beispiel ein guter Grund, drei Sämlingsbäume verschiedener pfälzischer Essmandelsorten im kommenden Herbst auf ihren Flächen zu pflanzen.
Blätter schützen vor Sonnenbrand
Viele Hobbygärtner dürften statt wilder Kirschen oder Äpfel wohl lieber Kultursorten wählen. Hier gibt es eine reiche Auswahl an alten und neuen Sorten. „Prinz Albrecht von Preußen“ mit seinen wohlschmeckenden Herbstäpfeln, die auch von manchen Allergikern vertragen werden, wächst auf Hochstamm eher zierlich. Er eignet sich damit auch für kleinere Gärten wie die vorderpfälzische Apfelsorte „Heimeldinger“ und die Walnusssorte „Buschnuss aus Finkenwerder“.
Wegen der durch den Klimawandel vermehrten Sonneneinstrahlung rät Ollig dazu, Früchte möglichst unter schützenden Blättern wachsen zu lassen, um der Gefahr von Sonnenbrand und leichtem Hagelschlag entgehen zu können.
„Schattenspendende, großkronige Obstbäume: Damit werden auch völlig neue Gartenbilder möglich“, schildert Ollig ein Zukunftsszenario. Empfehlenswert: Eine Unterpflanzung mit Walderdbeeren, die schnell die Baumscheibe bedecken und so helfen, Feuchtigkeit zu halten.