Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die wohl erstaunlichste Techno-Party des Jahres

Beim „Bee-Festival“ in Lambsheim wurde ordentlich gefeiert.
Beim »Bee-Festival« in Lambsheim wurde ordentlich gefeiert.

Späte Beats im Ortskern: Am Haus der Vereine startet ein Festival, mit einem unerwarteten Gastgeber.

„Warum passiert eigentlich immer dir so etwas?“, will mein Kollege wissen und schüttelt den Kopf. „Keine Ahnung“, sag’ ich und grinse. Wohlwissend, dass ihm beim Ausbrüten seiner letzten Wochenkolumne fast zwei graue Haare gewachsen wären. Vielleicht haben Katja Ebstein und Guildo Horn am Ende ja einfach recht: „Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch seh’n!“

Tatsächlich ist es aber keine Schlagermusik, die mir am Samstagabend zu später Stunde entgegenschallt. Das, was ich höre, klingt eher nach einem ausgewachsenen Rave. Private Techno-Party irgendwo im Lambsheimer Ortskern? Je näher ich der Schallquelle komme, desto sicherer bin ich mir: Das kann keine Privatparty sein. Der Ort des Geschehens: das Außengelände am Haus der Vereine. „Wahrscheinlich feiern die Fußballer“, denke ich. „Vielleicht die Basketballer.“

Der Versuchung, einfach nachzuschauen, wer die Party schmeißt, kann ich nur schwer widerstehen. Zumal die Musik wirklich gut ist. Direkt zu erkennen ist dort aber erstmal nix: Pinkes Licht, ansonsten relativ viel Dunkelheit – und Feiernde, die wie tanzende Schemen in einer lauen Frühsommernacht aussehen. Während die Beats wummern, erkenne ich allerdings ein Banner. „Bee Festival“ ist darauf zu lesen. Das Handy ist schnell gezückt, Hinweise zur Veranstaltung finde ich mit zwei Klicks.

„Wer baucht schon einen Nürburg- oder Hockenheimring oder eine riesengroße Ackerwiese, wenn man rockig-poppige Glücksgefühle until tomorrow auch in Lambsheim haben kann?“, heißt es in einer Ankündigung zum Bee-Festival. Während ich mir ein Lachen nicht verkneifen kann, weil aus Rock und Pop zu später Stunde offenbar knallharte Techno-Beats geworden sind, sehen meine Augen etwas, das mein Gehirn kaum verarbeiten kann. Veranstalter des Events sind: die Landfrauen.

Unerwarteter Gastgeber

„Die LANDFRAUEN!?“, denke ich und bin ehrlich perplex. Meine Mutter in meiner hessischen Heimat war lange Jahre aktiv bei den Landfrauen. Mir fallen Adventsbasare und Fastnachtssitzungen ein – auch Tanzauftritte. Aber ganz sicher kein Rave mitten im Dorf. Hut ab, vor diesem Event also! Offenbar haben die Lambsheimer Landfrauen jungen Nachwuchs, der sich getreu dem Motto „Bee free, happy, everything“ ordentlich ins Zeug gelegt hat. Oder die Ü-50-Generation ist einfach so jung geblieben im Herzen, dass nichts näher liegt, als zum Techno Mix „Vielleicht vielleicht“ ausgiebig Spaß zu haben.

Es ist schon 23 Uhr, als das erwartbare Polizeiauto eintrifft. So lange hat die Geduld der Anwohner offenbar gehalten. Mit einem Handscheinwerfer, der die Dunkelheit erleuchtet, machen sich zwei Beamte auf den Weg und begegnen dabei ersten Besuchern. „LANDFRAUEN?“, höre ich den einen Beamten ungläubig fragen. „Aj jo, aber sie spielen gerade das letzte Lied“, sagt jemand beschwichtigend.

Klar habe ich Verständnis dafür, dass Anwohner nach 22 Uhr irgendwann auch mal sagen: „Jetzt isses genug.“ Trotzdem: Es ist schon auch eine feine Sache, wenn mitten in einem Dorf ausgiebig gefeiert werden kann. „Bee happy“ war beim Festival der Lambsheimer Landfrauen jedenfalls absolut Programm!

Mehr zum Thema
x