Griechenland Wichtige Apotheke zu: Minister ruft den Schlüsseldienst
Lange Schlangen vor einer wichtigen staatlichen Apotheke in Athen. Gesundheitsminister Adonis Georgiadis ist erbost. Aber er lamentiert nicht lange – er unternimmt lieber selbst etwas. Höchstpersönlich. Auch wenn dazu ein Schlüsseldienst in ungewohnter Mission unterwegs sein muss.
Die besagte Apotheke in der griechischen Hauptstadt blieb geschlossen, weil qualifiziertes Personal fehlte. Die Vergabe besonders teurer Medikamente ist in Griechenland bestimmten staatlichen Apotheken vorbehalten. Eine solche ist eben jene in Athen, die nun erst gar nicht öffnete, weil alle drei zuständigen Apotheker krank waren. Vor der verschlossenen Tür standen Schwerkranke Schlange, die ihre Medikamente abholen wollten.
Minister verteilt Medikamente und bringt Kaffee
Aus Empörung darüber, dass die Apotheke trotz ihrer großen Bedeutung für die Patienten geschlossen blieb, hat der 52-jährige Georgiadis kurzerhand selbst Medikamente verteilt. Zuvor rief er den Schlüsseldienst, um die Apotheke zwangsweise öffnen zu lassen. Anschließend gab er gemeinsam mit Apothekern aus anderen staatlichen Apotheken die Medikamente aus.
Der Minister sei in Aktion getreten, nachdem er telefonisch über den Missstand informiert worden war, berichtete ERTnews. Im Gespräch mit dem Nachrichtensender redete Georgiadis von einer „Schande“ und entschuldigte sich bei den Wartenden. Denen hatte er vor der Apotheke Kaffee gebracht.
Er versprach, das System schnell zu überarbeiten. So sollen hochpreisige Medikamente künftig auch von privaten Apotheken vergeben werden dürfen, nicht nur von staatlichen. Außerdem soll ein Arznei-Heimlieferservice besonders für Schwerkranke aufgebaut werden.
Der Chef ist gern selbst vor Ort
Der konservative Politiker Georgiadis, studierter Historiker und Archäologe, ist für seine hemdsärmlige Art bekannt. Oft macht er sich bei Problemen sofort auf den Weg zum Ort des Geschehens. Als Gesundheitsminister brachte er trotz Sparmaßnahmen ein Gesetz ein, das jedem im Land Zugang zu medizinischer Versorgung gewähren sollte.
Der TV-Promi und Ex-Wirtschaftsminister, der wirtschaftsliberale Ansichten vertritt und in Griechenland einige wirtschaftsfreundliche Reformen auf den Weg gebracht hat, mischt sich häufiger auch in Themen jenseits seines Ressorts ein, gerne in die Außenpolitik. Bekannt wurde er in Griechenland zudem, weil er Bücher etwa aus dem Verlag seiner Familie im Fernsehen vorgestellt hat.