Glosse
Was Politiker so alles essen
In seinem italienischen Lieblingsrestaurant im Berliner Kiez Prenzlauer Berg kennt man Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) als den „Senza-Sale“-Mann, als den Gast, der kein Salz im Essen möchte. Lauterbach ist seit 1989 Salzgegner und kann länglich über die Nachteile des Würzmittels referieren (Risiko für Bluthochdruck, befördert Herzinfarkt und Schlaganfall und so weiter), was die Stimmung im Allgemeinen nicht unbedingt hebt.
Auch nach Feierabend vermag Lauterbach, präzise Studien der Universität „Haarwatt“ (Harvard) zu zitieren, die seine Haltung quasi unwiderlegbar untermauern. Vor Kurzem outete sich Lauterbach auf der Internetplattform X als „Pescetarier“, also als Anhänger einer Ernährungsweise, bei der der Verzehr von Fleisch gemieden wird, nicht jedoch der von Fisch und Gemüse. Der Minister legte anhand mehrerer Schaubilder dar, dass beispielsweise der Verzehr von Wildfisch – also Kabeljau aus dem Meer oder Forellen aus Seen und Bächen – in jeder Hinsicht positiv ist.
Der Wildfisch ist eine coole Sau
Zum Beispiel beim Landflächenverbrauch pro Gramm Protein. Da liegt der Wert von Wildfisch – man glaubt es kaum – bei null Quadratmeter. Was vermutlich daran liegt, dass der Fisch im Wasser lebt. Auch beim Futterbedarf pro Kilogramm Fleisch schneidet der Wildfisch phänomenal ab: null Kilogramm. Während man dem Schwein vier Kilo Futter hinstellen muss. Der Wildfisch ist halt eine coole Sau und ernährt sich selbst. Dabei hinterlässt er mit seiner Flosse einen extrem guten ökologischen Fußabdruck.
Man darf getrost annehmen, dass dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) derlei Gedankenspiele völlig abhold sind. Politisch, und was die Essgewohnheiten angeht, ist er der geborene Anti-Lauterbach. In den sozialen Medien gibt es viele private Einblicke in das bodenständige Leben dieses Tausendsassas.
Regelmäßig veröffentlicht Söder, was er isst: Labskaus, Fischsemmel, McRib oder bayerischer Schweinsbraten mit Knödel – der speisefreudige Ministerpräsident fotografiert alles, was nicht bei drei vom Teller ist. Dass er die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel forderte, ist nur allzu logisch. Söders Mahlzeiten-Taktung geht eben ganz schön ins Geld. Und wenn dem Söder dann noch ein Aiwanger in die Suppe spuckt, das mag er auch überhaupt nicht.