Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich die Generation Z verunsichert fühlt

Aus Angst vor Männern vermeiden es viele junge Frauen, sich alleine an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen aufzuhalten.
Aus Angst vor Männern vermeiden es viele junge Frauen, sich alleine an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen aufzuhalten.

Viele junge Leute in Deutschland fühlen sich laut einer neuen Studie unsicher. Das hat nicht nur mit dem Stress zu tun, den das Erwachsenwerden mit sich bringt.

Bei der Bundestagswahl im Februar haben die jungen Wähler vor allem die Linke und die AfD gewählt. Das Augsburger Institut für Generationenforschung hat das zum Anlass genommen, unter die Lupe zu nehmen, wie die Generation Z, also die der 15- bis 30-Jährigen, tickt. „Wir bekommen eine Regierung, die kaum von den jungen Menschen gewählt worden ist“, sagt Rüdiger Maas, Studienleiter und Gründer des Instituts.

Auf die Frage, ob sie sich mit Friedrich Merz (CDU) als zukünftigen Kanzler sicher fühlen, antworteten rund zwei Drittel der jungen Frauen und knapp über die Hälfte der jungen Männer, sie fühlten sich nicht sicher. „Nach der Wahl ist das schlimmer geworden als vor der Wahl“, sagt Maas.

Angst vor Männern

Konkret nannten der Studie zufolge 70 Prozent der Frauen „Männer im Allgemeinen“ als Grund, warum sie im öffentlichen Raum Angst hätten. Für rund ein Drittel sei die Angst sogar so stark, dass sie beispielsweise vermieden, abends einkaufen oder joggen zu gehen oder sich an Bahnhöfen aufzuhalten.

Dabei geht es laut Maas vor allem um Männer, die übergriffig wirken, weil sie etwa betrunken oder in großen Gruppen unterwegs sind. Aber auch ihre Herkunft spielt eine Rolle: Arabischstämmige Männer werden sowohl von jungen Frauen als auch Männern als bedrohlicher wahrgenommen als afrikanische, deutsche oder ostasiatische Männer.

Das begründet der Studienleiter zum Teil damit, dass Straftäter mit ausländischer Herkunft in der medialen Berichterstattung überproportional häufig erwähnt werden. „Es wird viel über Femizide berichtet, das verstärkt das Ganze“, sagt Maas. Auch die Eltern könnten einen unbewussten Einfluss haben. Die Autoren der Studie befragten auch die Elterngeneration und stellten fest, dass diese vor arabischen Männern deutlich mehr Angst haben als vor deutschen Männern.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich mehr junge Menschen als noch im vergangenen Jahr in einer sogenannten „Quarterlife-Crisis“ befinden. Der Begriff ist angelehnt an die Midlife-Crisis und beschreibt die Überforderung im Lebensabschnitt zwischen 20 und 30 Jahren.

Da kommen häufig Stress und Verunsicherung durch den Einstieg ins Berufsleben, die Partnersuche und den Vergleich mit Gleichaltrigen zusammen. „Junge Menschen machen sich den Stress selbst“, sagt Maas. Besonders junge Frauen sind laut der Studie von Ängsten vor dem Erwachsenwerden oder davor, nicht den passenden Beruf zu finden, betroffen. Die Angst, keine Partnerin oder keinen Partner zu finden, betrifft dagegen häufiger junge Männer. Weniger von solchen Ängsten betroffen sind junge Leute, die sich ehrenamtlich engagieren und weniger in sozialen Netzwerken unterwegs sind.

Mehrheit gegen Wehrpflicht

Ein Thema der Studie war auch die Wehrpflicht, die seit dem vergangenen Jahr wieder stärker diskutiert wird. Die Bereitschaft dazu sehen die Forschenden nicht – die überwiegende Mehrheit der Befragten gab an, sie wäre nicht bereit, ihr Land mit der Waffe zu verteidigen oder sogar dafür zu sterben. „Viele waren von der Frage, ob sie für Deutschland sterben würden, erst einmal schockiert“, sagt Maas. Auch in der Elterngeneration sei dieser Gedanke für viele nicht mehr nachvollziehbar. „Wir gehen davon aus, dass es vier, fünf Jahre Vorlauf brauchen würde, um die Leute auf eine Wehrpflicht vorzubereiten“, so Maas.

Bei der Wahl zwischen einer Wehrpflicht, einem sozialen Dienst oder einer Verweigerung gibt es der Studie zufolge mit 35 Prozent die meisten Verweigerer unter den AfD-Wählern. In dieser Gruppe habe sich auch eine starke Ablehnung dem Staat gegenüber gezeigt. Eine Person habe geäußert, sie würde sich „eher erschießen als diesem Drecksstaat zu dienen“.

Unter den Wählern von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken sprach sich jeweils die Mehrheit (zwischen 50 und 77 Prozent) für einen sozialen Dienst aus. Den größten Anteil derjeniger, die eine Wehrpflicht bevorzugen würden, findet sich mit 29 Prozent bei den CDU/CSU-Wählern.

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