Stuttgart Warum es bei Eritrea-Festen immer wieder kracht

228 Menschen nahm die Polizei fest.
228 Menschen nahm die Polizei fest.

Erneut gab es Ausschreitungen bei einem Eritrea-Fest: In Stuttgart flogen am Samstag Steine, Flaschen und Holzlatten auf Polizisten. Es gab viele vorläufige Festnahmen.

Die mutmaßlich zur eritreischen Opposition zählenden Tatverdächtigen attackierten den Angaben zufolge Polizisten „unter anderem mit Holzlatten, teilweise mit Nägeln bestückt, Metallstangen, Flaschen und Steinen“. Sie wollten eine angemeldete Veranstaltung eines regierungsnahen eritreischen Vereins stören. Stuttgarts Polizeivizepräsident Carsten Höfler sagte, die Polizei sei zum „Prellbock“ zwischen der Veranstaltung und deren Gegner geworden. Es seien insgesamt 27 Polizisten verletzt worden. Höfler sprach von massiver Gewalt bei den Attacken. 227 Menschen wurden festgenommen. Bis auf einen kamen sie noch am Sonntag wieder frei. Den Tatverdächtigen, die den Angaben zufolge zum großen Teil im Stuttgarter Umland leben und zumeist eine eritreische Staatsangehörigkeit haben, werde unter anderem schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Im Juli war es bereits in Gießen zu ähnlichen Szenen gekommen.

Neue gegen alte Exilanten

Eritreas Botschaften organisieren derzeit überall in der Welt Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Staatsgründung. Weil das ostafrikanische Land noch keine einzige Wahl erlebt hat und bislang von nur einem Präsidenten, dem 77-jährigen Isaias Afwerki, mit harter Hand regiert wird, ist vielen Eritreern nicht zum Feiern zumute. Das trifft vor allem auf die 600.000 inzwischen aus dem armen und abgeschotteten Staat geflohenen Menschen zu. In Europa treffen sie auf Landsleute, die bereits während des 30-jährigen Bürgerkriegs flohen: Zwischen 1961 und 1991 suchte rund ein Drittel der Eritreer (heute sind es knapp fünf Millionen Menschen) Zuflucht im Ausland. Die Exilanten der ersten Generation sind ihrer alten Heimat gegenüber oft weniger kritisch eingestellt. Sie müssen auch befürchten, dass sie oder ihre Kinder keinen Pass und kein Visum für einen Besuch in Eritrea erhalten, falls sie sich nicht loyal verhalten.

x