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War das große Krabbeln eine russische Kampagne?
Die kleinen blutsaugenden Insekten waren das große Thema in Paris im vergangnen Herbst. Bettwanzen waren überall: vor allem in den Medien und den sozialen Netzwerken. Unzählige Fotos und Amateurvideos mit den Tierchen in Zügen, Hotelzimmern und auf Kinositzen zirkulierten. Verlässliche Zahlen über einen nachweisbaren Anstieg von Schädlingsbefall fehlten. Bekannt war lediglich, dass zwischen 2017 und 2022 elf Prozent der französischen Haushalte betroffen waren – ähnlich wie in den Nachbarländern. In die Berichterstattung floss zwar stets auch der Verdacht auf eine „Hysterie“ rund um die vermeintliche Plage ein. Doch die Panik vor dem großen Krabbeln war da, knapp ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele in Frankreichs Hauptstadt.
Heute weiß man: Sie wurde gezielt aus Kreml-nahen Kreisen organisiert, um das Land sowie Touristen zu verunsichern und seinem Image zu schaden. Es handelte sich um einen Cyber-Angriff, betonte der Europaminister Jean-Noël Barrot, zuvor im Kabinett zuständig für den digitalen Wandel: „Die Polemik der Bettwanzen wurde in den sozialen Netzwerken durch Konten künstlich ausgeweitet, die nachweislich russischer Herkunft sind.“ Zusätzlich sei eine völlig falsche Verbindung mit der Ankunft ukrainischer Flüchtlinge hergestellt worden.
Im Wahlkampf Gerüchte um Macron
Barrot zufolge hat die Anzahl der Fake-News-Kampagnen durch Russland seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine vor zwei Jahren stark zugenommen. „Wir wissen das, weil der französische Präsident 2021 den Dienst Viginum gegründet hat mit der Mission, diese Manöver aufzudecken, die darauf abzielen, die öffentliche Meinung in Frankreich zu destabilisieren und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.“
Der Verdacht, dass aus Moskau gesteuerte Medien oder Akteure Einfluss auf Debatten nehmen, existiert schon lange. Bereits in Emmanuel Macrons erster Wahlkampagne 2017 verbreiteten Staatsmedien wie Sputnik und Russia Today (RT) Gerüchte über seine angebliche Homosexualität. Nach seiner Wahl sprach der Präsident die Verbreitung von Fake News bei einer Pressekonferenz am Rande eines opulenten Staatsbesuchs, den er im Mai 2017 für den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Schloss von Versailles organisierte, direkt an. „Wenn Presseorgane niederträchtige Unwahrheiten verbreiten, handelt es sich nicht um Journalisten, sondern um Einflussmedien“, so Macron. Putin neben ihm hörte mit versteinerter Miene zu.
Einen weiteren Fall der digitalen Einflussnahme und psychologischen Kriegsführung gab es nach dem Angriff der Hamas auf Israel durch die massenhafte Verbreitung von Bildern aufgesprühter Davidsterne in und um Paris, die als antisemitische Akte interpretiert wurden. Die Täter, zwei Paare aus Moldau, konnten überführt und die Verbindung zum Kreml-nahen moldawischen Geschäftsmann Anatoli Prizenko hergestellt werden.