Wassermangel RHEINPFALZ Plus Artikel Sitzt Berlin bald auf dem Trockenen?

Angler an der Spree: Trinkwasserreservoir und Naherholungsgebiet.
Angler an der Spree: Trinkwasserreservoir und Naherholungsgebiet.

Es ist ein kurioses Phänomen und zugleich eine kaum zu ignorierende Warnung: Die Spree fließt wegen häufigerer Trockenheit rückwärts, im Schnitt zwei Dutzend Mal im Jahr. Der wichtigste Hauptstadtfluss, in dessen Umfeld das Trinkwasser für Millionen Menschen gewonnen wird, leidet immer stärker unter sinkenden Zuflüssen und steigenden Verdunstungen auf den weiter flussaufwärts gelegenen Seeflächen. Rückwärts geht es zwar nicht überall auf der in viele Staustufen unterteilten Spree, die in Sachsen nahe der Grenze zu Tschechien entspringt. Doch insbesondere in Berlin, wo der Fluss in die Havel mündet, und im Spreewald sind die Pegelstände in Folge der vergangenen Dürrejahre mitunter dramatisch abgesunken.

Die Braunkohle-Tagebaue füllen bisher aus abgepumpten Grubenwasser maßgeblich die Spree. Vielen Menschen sei gar nicht klar, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), dass die Hälfte bis 80 Prozent des Wassers der Spree aus dem Tagebau komme. Doch was passiert, wenn nach dem beschlossenen Kohleausstieg bis spätestens 2038 kein zusätzliches Wasser mehr in den Fluss eingeleitet wird? Sitzt dann fast ganz Berlin auf dem Trockenen, wird doch das meiste Trinkwasser aus dem Uferfiltrat der Spree gewonnen?

Berlin, Brandenburg und Sachsen wollen gemeinsam das drohende Austrocknen der Spree und des Unesco-Biosphärenreservats Spreewald verhindern. Erstmalig trafen sich die Regierungschefs der drei Länder jetzt zu einem „Wassergipfel“. Denn die Zeit drängt.

In der Hauptstadt hätten die Trockenphasen und Hitzerekorde bereits zu einem grundlegenden Umdenken im Umgang mit Wasser geführt, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nach dem Treffen. Auch für Brandenburg und Sachsen ist der Fluss zwar nicht für die Trinkwassergewinnung essenziell, aber der Spreewald als Naherholungsgebiet und Touristenmagnet von enormer Bedeutung.

Die Folgen von Kohleausstieg und Klimawandel seien gewaltig, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Dafür seien wasserwirtschaftliche Anpassungen dringend notwendig. Mit anderen Worten: Wasser muss aus anderen Quellen kommen. Deshalb sind Überleiter-Pipelines aus Elbe und Oder im Gespräch, aber auch die Ertüchtigung des neuen und riesigen Cottbuser Ostsees zu einem Wasserspeicher. Die Berliner Wasserbetriebe prüfen parallel auch die Nutzung von entsalztem Ostseewasser.

Egal, woher das Wasser künftig kommt, es werden Milliarden-Investitionen benötigt. Jedes Land alleine wäre durch die anstehenden Aufgaben überfordert, sagte Kretschmer. „Diese Generationenaufgabe kann nur gemeinsam und mit Hilfe des Bundes gestemmt werden.“ Bislang ignoriert die Bundesregierung allerdings die Wasserfrage. Woidke kritisierte die Verweigerungshaltung des Bundes scharf. Denn für Wasserbau- und Überleitungsprojekte benötige man für Planung, Projektierung und Bau womöglich Jahrzehnte. Dabei sei das Problem seit über zehn Jahren bekannt, seit über den Kohleausstieg verhandelt wurde. „Es wird nichts getan, und das macht mich böse.“

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