Alltag ohne Internet RHEINPFALZ Plus Artikel Senioren-Union fordert Recht auf analoges Leben

Viele Senioren fühlen sich durch die Digitalisierung ausgegrenzt.
Viele Senioren fühlen sich durch die Digitalisierung ausgegrenzt.

Bankgeschäfte und Behördengänge müssen auch ohne Internetzugang möglich sein, fordert die Senioren-Union. Ältere Menschen könnten sonst nicht mehr am Alltag teilhaben.

Die Welt wird immer digitaler. Was vor vierzig, fünfzig Jahren noch wie Science-Fiction klang, ist mittlerweile ohne großen Aufwand möglich: Mit einem Klick können online die neuen Schuhe bestellt, Geld überwiesen oder sogar die Steuererklärung erledigt werden.

Doch das hat Folgen. Immer mehr Banken und Einzelhändler schließen ihre Filialen und in den Städten gibt es deutlich weniger analoge Ansprechpartner. Gerade für viele ältere Menschen, die nun mal nicht mit den digitalen Möglichkeiten aufgewachsen und im Umgang mit den neuen Technologien möglicherweise noch etwas unsicher sind, kann das eine hohe Hürde sein.

Teilhabe immer mehr gefährdet?

Die Senioren-Union will auf dieses Thema aufmerksam machen und fordert von der CDU und ihrer Bundestagsfraktion, sich für ein „Recht auf analoges Leben“ einzusetzen: Behördengänge, Bankgeschäfte und Teilhabe im Alltag müssten auch ohne Internetzugang weiterhin für alle Bürgerinnen und Bürger möglich sein, sagte der kommissarische Bundesvorsitzende der Senioren-Union, Helge Benda, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Senioren-Union ist eine Vorfeldorganisation der CDU, die sich besonders um Belange älterer Menschen kümmert. Angehören können ihr Menschen über 60 Jahre. Ein Recht auf analoges Leben ist Thema mehrerer Anträge für die Bundesdelegiertenversammlung der Senioren-Union in Magdeburg, die seit Donnerstag läuft.

„Wir sind in einer analogen Welt aufgewachsen, haben dort Schule, Arbeit und Alltag erlebt. Digitale Technik nutzen wir, doch sie steht nicht im Zentrum unseres Lebens“, sagte Benda. Zentrale Bereiche des alltäglichen Lebens wie Bankgeschäfte, Einkäufe oder der Fahrkartenkauf müssten deshalb weiterhin analog zugänglich bleiben. „Das ist Teil von Selbstbestimmung und Würde im Alter“, sagte Benda.

Senioren fühlen sich abgewertet

In den vergangenen Monaten hatte auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Bagso) gewarnt, ältere Menschen fühlten sich durch die Digitalisierung zunehmend ausgegrenzt. Jahrzehntelang hätten sie ohne Digitalisierung ihr Leben gut gemeistert.

Nun fühlten Senioren „ihre Lebensleistung abgewertet, wenn jetzt überall da, wo es nicht mehr geht ohne Internet, Hürden aufgebaut werden, die es früher nicht gab“, sagte die Bagso-Vorsitzende Regina Görner. „Bei öffentlichen Dienstleistungen empfinden sie das völlig zu Recht als Diskriminierung.“

Mehr zum Thema
x