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Die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Sonnenblume aus Sembach sind zu Besuch in der ersten Klasse der Grundschule in Mehlinge
Die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Sonnenblume aus Sembach sind zu Besuch in der ersten Klasse der Grundschule in Mehlingen und lauschen Lehrerin Hanne Erbach-Herzog (links).

Schule der Zukunft – Zukunft der Schule (5): Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist ein wichtiger Punkt im Leben eines Kindes.

Für die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Sonnenblume in Sembach (Kreis Kaiserslautern) hat es im Frühjahr ein Wiedersehen mit ihren alten Freunden gegeben, die bereits in die Schule gehen. Denn die Kita-Kinder waren in der Grundschule in Mehlingen zu Besuch. Und das nicht nur einmal. Über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen fuhren die Kleinen einmal pro Woche nach Mehlingen und verbrachten dort eine Schulstunde mit Erst- oder Zweitklässlern, wie Erzieherin Christine Krell berichtet. Sie nutzten den Bus, um auch diesen kennenzulernen. Vor sechs, sieben Jahren habe diese Art der Kooperation begonnen, berichtet Krell, vier Kitas arbeiteten auf diese Weise mit der Mehlinger Schule zusammen.

"Kinder wissen, was auf sie zukommt"

Krell ist überzeugt, dass den Kleinen der Übergang in die Schule auf diese Weise enorm erleichtert wird: „Sie kennen schon das Schulhaus, kennen die Lehrer, wissen, wo die Toiletten sind und kennen die Bedeutung einer Pause.“ Vor dem ersten Schultag werde auf diese Weise viel Stress abgebaut. „Die Kinder wissen einfach, was auf sie zukommt“, verdeutlicht die Erzieherin. Früher habe es am ersten Schultag öfter mal Tränen gegeben, mittlerweile verlaufe die Einschulung sehr entspannt. In Rheinland-Pfalz sind Kindertagesstätten und Grundschulen durch das Kindertagesstättengesetz zur Zusammenarbeit verpflichtet, um den Übergang für die Kinder zu erleichtern. In welcher Form beide Institutionen kooperieren, ist ihnen weitgehend freigestellt – und dieser Spielraum wird genutzt. Bundesweite Studien zeigen, dass es große Unterschiede beim Ausmaß der Zusammenarbeit gibt. In vielen Fällen erschöpft sie sich in einem einmaligen Schulbesuch der Kita-Kinder und dem Austausch von Informationen zwischen Erziehern und Lehrkräften.

Mehr gemeinsame Fortbildungen

Eine Hürde bei der Kooperation ist, dass hier „zwei völlig verschiedene Berufsgruppen“ aufeinander treffen, sagt Frank Foerster, der sich an der Universität in Landau mit dem Übergang in die Grundschule befasst. Auf der einen Seite sind die Erzieherinnen, die in den meisten Fällen eine Fachschule besucht haben, auf der anderen die Lehrer mit einem Hochschulstudium. Foerster hält deshalb mehr gemeinsame Fortbildungen von Erzieherinnen und Lehrkräften für sinnvoll. Er warnt gleichzeitig vor einer zu hohen Erwartungshaltung gegenüber den pädagogischen Fachkräften: „Die Beteiligten müssen hier die strukturellen Probleme ausbaden.“ Der Wissenschaftler meint damit, dass in Deutschland die Kindergärten nicht dem Bildungsbereich zugeordnet sind, sondern der Jugendhilfe. In Rheinland-Pfalz fallen die Kitas erst seit der vergangenen Landtagswahl in die Zuständigkeit des Bildungsministeriums, zuvor war das Familienministerium verantwortlich. Foerster weiß zudem um die praktischen Probleme, die der Zusammenarbeit beider Einrichtungen Grenzen setzen.

Es braucht Personal

Dass die Mehlinger Grundschule mit vier Kitas kooperiert, ist schon außergewöhnlich. In größeren Städten aber stammen die Erstklässler einer Schule vielleicht sogar aus sechs oder sieben Kitas. Es ist kaum machbar, dass die Schule mit allen eine intensive Kooperation unterhält. „Da sehe ich keine Lösung“, sagt Foerster ganz offen. Hinzu kommt, dass es ausreichend Personal bedarf. Wenn Lehrer etwa wegen Krankheit länger fehlen, dürften Schulleitungen dazu tendieren, eher Kooperationsprojekte zurückzufahren als Unterricht ausfallen zu lassen. Für den Bildungsforscher Foerster ist das allerdings keine Katastrophe. Denn so wichtig das Thema für die Bildungspolitik oder die Eltern kleiner Kinder ist: „Es gibt keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege, dass eine intensive Kooperation Kitakindern den Übergang in die Grundschule erleichtert.“

Sensible Kinder fördern

Ausgeschlossen seien positive Auswirkungen aber auch nicht. Foerster plädiert allerdings dafür, die Maßnahmen weniger nach dem Gießkannenprinzip, also an alle Kinder zu richten, sondern sie vor allem denjenigen zugute kommen zu lassen, für die der Übergang schwierig werden könnte. „Das betrifft Kinder, die potenziell in eine Außenseiterrolle geraten könnten“, erläutert er. Das können Mädchen und Jungen sein, die sich im Umgang mit den anderen Kindern schwertun oder die noch nicht so selbstständig sind, wie es für den Schulbesuch nötig sei. Die Erzieherinnen müssten dafür sensibilisiert werden, diese Kinder zu erkennen und dann mit den Grundschullehrern beraten, wie diese gefördert werden können, sagt Foerster. Denn fehlende Kompetenzen wirkten sich negativ auf den Schulerfolg aus. „Die Einschulung ist keine Stunde null“, verdeutlicht er. Eine Hilfe könnten Bildungsdokumentationen sein, wie sie in vielen Kitas bereits geführt werden.

Nur wenige Kinder haben Probleme

Für den promovierten Wissenschaftler beschränkt sich der Übergang in die Grundschule nicht auf das letzte Kita-Jahr, sondern beginnt mit dem Eintritt des Kindes in den Kindergarten: „Es kommt darauf an, dass die Kinder in ihren Kompetenzen früh gestärkt werden.“ Es gehe nicht darum, „die Schule in den Kindergarten vorzuverlegen“, schiebt Foerster nach. Aber im Kita-Alltag sollte der Nachwuchs seiner Ansicht nach schon erste Erfahrungen mit Buchstaben, Zahlen und Mengen machen. So wichtig der Übergang in die Grundschule auch ist, die wenigsten Kinder haben damit Probleme. Das zeigen Studien eindeutig. Hilfreich ist, wenn die Kinder das Schulhaus schon kennengelernt haben, wie es in Mehlingen der Fall ist. Ansonsten haben die Kleinen laut Foerster oft nur die Sorge, dass sie in der neuen Umgebung alleine sind. „Wenn aber der beste Freund in dieselbe Klasse geht, ist alles gut.“ Die Serie Was läuft schief an Schulen und was vorbildlich? Welche richtungsweisenden Konzepte gibt es und wie werden sie verwirklicht? In der Reihe „Schule der Zukunft – Zukunft der Schule“ werden wir das Thema Bildung von vielen Seiten beleuchten. Die bisherigen Serienteile sind am 7. , 11. und 30. Mai sowie 27. Juni erschienen. Nächstes Mal geht es um die Lehrerausbildung.

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