Bundeskanzler RHEINPFALZ Plus Artikel Scholz beleidigt schwarzen CDU-Politiker als „Hofnarr“

Für Scholz nur ein liberales Feigenblatt der CDU: der Berliner Kultursenator Joe Chialo.
Für Scholz nur ein liberales Feigenblatt der CDU: der Berliner Kultursenator Joe Chialo.

Kanzler weist Vorwurf des Rassismus zurück, bittet aber nicht um Entschuldigung.

Joe Chialo wurde als Sohn tansanischer Diplomaten in Bonn geboren, wuchs zunächst in Tansania auf und kam mit neun Jahren nach Deutschland. Nach dem Abitur und einer Lehre als Fräser baute er eine eigene Rockband auf und wurde Musikmanager. Schließlich wechselte er mit CDU-Parteibuch in die Politik. Seit 2023 gehört Chialo dem Berliner Senat an und verantwortet den Bereich Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist der schwarze CDU-Politiker ein „Hofnarr“.

Gefallen ist diese Beleidigung auf einer privaten Geburtstagsfeier des aus Worms stammenden früheren SPD-Politikers und späteren FDP-Schatzmeisters Harald Christ. Berichtet hat darüber „Focus“-Chefredakteur Georg Meck, der Gast der Party war. Demnach sei die Stimmung auf dem Empfang zunächst entspannt gewesen, bis Scholz seinem bei der Veranstaltung nicht anwesenden politischen Herausforderer Friedrich Merz (CDU) Vorwürfe machte. In kleinerer Runde habe Scholz in der Diskussion über Migration die Union in die Nähe des Faschismus gerückt und ihr unterstellt, auf ein Bündnis mit der AfD hinzuarbeiten.

Von Rassisten bedroht

Als der CDU-Politiker Joe Chialo einwandte, ob Scholz das wirklich so meine mit dem Rassismus der CDU, jener Partei also, in deren Bundesvorstand er auch sitze, habe Scholz ihn angefahren. Chialo sei nicht mehr als ein liberales Feigenblatt für die CDU. Jede Partei habe ihren „Hofnarren“, so das wörtliche Zitat des Kanzlers. Chialo empfand diese Ausdrucksweise als Schmähung. Die Kanzler-Beleidigung zielte darauf ab, dass Hofnarren früher ihre Herren kritisieren durften, da man sie ohnehin nicht ganz ernst nahm. Und das galt einem Mann, der von Rassisten bedroht wird und dessen Wohnhaus in Berlin beschmiert wurde, weil er den Terror-Angriff der Hamas verurteilte.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann reagierte entsetzt: „Mir fehlen die Worte. Olaf Scholz verliert die Kontrolle.“ Der rheinland-pfälzische CDU-Generalsekretär Johannes Steiniger sagte, bei Scholz lägen offensichtlich die Nerven blank. „Nach außen mimt er den ,Besonnenen’, im kleinen Kreis flippt er aus.“

Scholz: Vorwurf ist absurd

Den Vorwurf, Scholz habe Chialo rassistisch beleidigt, erheben einige, jedoch nicht alle. Der Kanzler selbst meldete sich am Mittwochnachmittag zu Wort, bat Chialo aber nicht um Entschuldigung. In einem kurzen Text erklärte der Kanzler, der von ihm verwendete Begriff werde im Sprachgebrauch nicht als rassistisch ausgelegt. „Der erhobene Vorwurf des Rassismus ist absurd und künstlich konstruiert.“ Er schätze Chialo als eine wichtige liberale Stimme in der Union.

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