Sicherheit RHEINPFALZ Plus Artikel Sabotage-Serie bei der Deutschen Marine

Die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ auf hoher See.
Die Fregatte »Rheinland-Pfalz« auf hoher See.

Die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ ist möglicherweise Ziel von Sabotage geworden. Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Angriffe auf Kriegsschiffe der Deutschen Marine.

Ende Februar bereits sei eher zufällig ein zwei Zentimeter breiter Schlitz in einer Tankleitung der Fregatte „Rheinland-Pfalz“ in Wilhelmshaven entdeckt worden, berichtete jüngst das Investigativmedium „Correctiv“ und berief sich dabei auf Sicherheitskreise. Die Bundeswehr gehe intern offenbar von einer vorsätzlichen Beschädigung aus, hieß es. Die Streitkräfte bestätigen den Bericht nicht direkt. Aber ihre Antwort legt nahe, dass es einen entsprechenden Fall geben könnte.

Nach sorgfältiger Prüfung könnten zu den angefragten Details keine weiteren Auskünfte gegeben werden, teilte das Operative Führungskommando der Bundeswehr auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Diese Informationen seien grundsätzlich als Verschlusssache eingestuft, hieß es weiter. Eine Weitergabe sei nicht möglich, da sie Rückschlüsse erlauben könnten, die die militärische Sicherheit gefährdeten. Gleiches gelte für Sabotageverdachtsfälle und bekannt gewordene Sabotagefälle aus der Vergangenheit.

Die „Rheinland-Pfalz“ gehört mit fast 150 Metern Länge und 126 Soldaten Stammbesatzung zu den größten und modernsten Kriegsschiffen der Bundeswehr, in Dienst gestellt erst 2022. Sie ist auf besonders lange Einsätze ausgelegt, unter anderem für die Seeraumüberwachung. Das Land Rheinland-Pfalz unterhält eine Patenschaft mit der nach ihm benannten Fregatte. Die Deutsche Marine wählt traditionell Namen von Bundesländern, Städten und Gemeinden für ihre Schiffe aus und verbindet damit entsprechende Patenschaften. So soll die Bindung an die Bevölkerung weit in der Fläche der Bundesrepublik hinein ausgedrückt werden.

Die Hintergründe des Schadens auf der Fregatte sind den Angaben von „Correctiv“ zufolge bis heute unklar. Den Fall auf der „Rheinland-Pfalz“ habe die Bundeswehr im März bei den Ermittlungsbehörden angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg habe die Ermittlungen dazu aber bereits wieder eingestellt. Es habe nicht festgestellt werden können, ob es sich um Vorsatz, Verschleiß oder um einen Materialfehler gehandelt habe.

Zehn mögliche Fälle

Eine Sprecherin der Bundeswehr hatte „Correctiv“ gesagt, prinzipiell können sie bestätigen, dass sich die Bedrohungslage für seegehende Einheiten in Werften sowie im Bau befindliche Einheiten der Marine aufgrund mehrerer Sabotageverdachtsfälle verändert habe. Die „Rheinland-Pfalz“ ist zuletzt in Wilhelmshaven instandgesetzt worden.

Nach Angaben des Mediums seien seit Anfang 2025 etwa zehn mögliche Sabotagefälle bei den deutschen Seestreitkräften entdeckt worden. Fünf davon betrafen Korvetten – wendige, kleinere Kriegsschiffe für flache Gewässer. Ob davon auch die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ betroffen war, wollte das Operative Führungskommando der Bundeswehr gegenüber der RHEINPFALZ nicht mitteilen.

Anfang 2025 stießen WDR, NDR, „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ gleich auf drei Sabotage-Verdachtsfälle bei der Marine. Mitte Januar sollen Unbekannte auf der Korvette „Emden“ 20 Kilogramm Stahlkies in den Antrieb gekippt haben. Außerdem sollen Tankdeckel von Treibstofftanks entfernt und Sicherungsschalter der Schiffselektronik deaktiviert worden sein. Das sei bei einer Kontrolle auf der Hamburger Werft Blohm+Voss erst kurz vor einer Ausfahrt der „Emden“ festgestellt worden.

Im Februar sollen auf einem Minenjagdboot in einer Rostocker Werft von unbekannten Tätern mehrere Kabelbäume im Innern des Schiffs durchtrennt worden sein. Mitte Februar soll versucht worden sein, das Trinkwassersystem der Fregatte „Hessen“ in Wilhelmshaven mit Dutzenden Litern Altöl zu verunreinigen.

Im Februar dieses Jahres sind zwei Tatverdächtige festgenommen worden: ein 37-jähriger Rumäne und ein 54-jähriger Grieche, die im Hamburger Hafen gearbeitet haben sollen. Ihnen wird vorgeworfen, bei Sanierungsarbeiten auf der Korvette „Köln“ Mitte 2025 vorsätzlich Schalter deaktiviert zu haben, was beinahe einen Brand auf dem Schiff ausgelöst habe. Deutsche Sicherheitsbehörden warnen seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor einer erhöhten Spionage- und Sabotagegefahr. Der Hauptverdächtige: Russland.

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