Synodaler Weg RHEINPFALZ Plus Artikel Riesige Hürden auf der Reformstrecke der Katholiken

„Der Kurie wird angst und bang“: Frankfurt war neben München, Ludwigshafen, Dortmund und Berlin am vergangenen Freitag Schauplat
»Der Kurie wird angst und bang«: Frankfurt war neben München, Ludwigshafen, Dortmund und Berlin am vergangenen Freitag Schauplatz der Regionalkonferenzen des »Synodalen Wegs«.

Der „Synodale Weg“ der katholischen Kirche leidet nicht nur unter Corona. Ein Konsens etwa bei der Sexualmoral und zu einer Aufwertung der Frauen ist auch bei der zweiten Etappe nicht zu erkennen. Beschlüsse gar verzögern sich.

„Erst die kirchliche Lehre macht uns zu gebrochenen Menschen.“ Dem jungen Mann zittern Hände und Stimme, und doch redet er weiter: „Nicht wir sind sündhaft, sondern die Kirche, so wie sie uns behandelt. Sie ist an vielen Stellen sündhaft gewesen und ist es immer noch.“

Als Hendrik Johannemann das Mikrofon verlässt, senkt sich tiefe Stille über den Saal. Nur die Lüftung rauscht. „Synodaler Weg“ nennt sich, was sich in dem Kongresskeller eines Münchner Hotels abspielt; das Treffen ist Teil eines deutschlandweiten katholisch-kirchlichen Gesprächs- und womöglich Reformprozesses.

Ende Januar hat man mit etwa 230 Delegierten in Frankfurt begonnen: Bischöfe, Priester, sogenannte Laien, Ordensleute, Frauen, Männer. Gleich danach kam Corona, und weil an eine zweite Vollversammlung nicht mehr zu denken war, haben Deutsche Bischofskonferenz und Zentralkomitee der Deutschen Katholiken die zweite Runde nun auf fünf Schauplätze ausgedünnt: Auf München, Ludwigshafen, Dortmund, Frankfurt, Berlin. Doch weil auch die Beratungen der vier Arbeitsgruppen an Corona gelitten haben, standen statt fertiger Beschlusspapiere nur unverbindliche Zwischenstände an.

Bischof: Die Sünde benennen

Zu den vereinbarten Großthemen „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ kam gar nichts, zur „Priesterlichen Existenz heute“, vulgo Zölibat, ebenso wenig. Dafür haben sich seit Januar noch weitere Felsen auf den „Synodalen Weg“ gelegt: Das von den meisten deutschen Bischöfen zurückgewiesene Vatikan-Papier, das die Mitwirkung von Laien bei kirchlichen Leitungsaufgaben eindämmen will – ferner immens hohe Austrittszahlen. Und dass bei den für Freitag verbliebenen Themen – Rolle der Frauen und Sexualmoral – ein Konsens noch lange nicht herzustellen ist, zeigte in München beispielhaft die Wortmeldung von Hendrik Johannemann.

Er stellte sich den anderen Delegierten vor als Homosexueller in liebevoller, fester Beziehung – allerdings zu einem „schlimmeren Sünder gemacht als andere“ durch die kirchliche Lehre. Diese wird auch in den vorgelegten synodalen Arbeitspapieren nicht wirklich überwunden.

Die „Sünde“ müsse im Papier zur Ehe- und Sexualmoral deutlich benannt werden, verlangt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer als der Wortführer der Konservativen. Er neigt grundsätzlich dazu, heutige Sexualität von der Kategorie des Ehebruchs her zu denken, und er provozierte damit scharfen Einspruch durch Kardinal Reinhard Marx, der zu Voderholzers kaum verborgenen Unterstellungen selbst gegen Kirchenleute anmerkte: „Von freier Liebe redet keiner in diesem Raum.“ Marx verlangte auch zu überlegen, was die Kirche denn zu Sexualität als „einem der schönsten Dingen des Lebens“ an Positivem sagen könne – allem Anschein nach hatte er die klare Mehrheit der Delegierten auf seiner Seite.

Aufmüpfige Ordensfrauen

Wie sich die Diskussion um die Sexualmoral in seit Jahrzehnten unveränderten Figuren bewegt, so kommt der „Synodale Weg“ auch bei der institutionellen Aufwertung der Frauen kaum voran; das Zwischenpapier vom Freitag gefiel auch an den anderen Konferenzorten niemandem so recht. Allerdings ist bei den Bischöfen offenbar die Bereitschaft deutlich gestiegen, die heutigen Möglichkeiten des Kirchenrechts weiter auszureizen als bisher.

Sie haben es auch mit zunehmend aufmüpfigen Ordensfrauen zu tun, die es – wie die Benediktinerin Philippa Rath nun in München – nicht länger hinnehmen wollen, dass „die Hälfte der Katholiken, also die Frauen“, aufgrund des Ausschlusses von Weiheämtern „ihre kirchliche Berufung nicht leben können“.

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