Kommentar
Rücktritt: Keine andere Wahl für Julia Klöckner
Ein Hauch von Tragik steckte in der Durchhalteparole, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner als Chefin der CDU Rheinland-Pfalz am Morgen von Tag eins nach der Wahlschlappe verschickte: Von der „Offenheit“ für eine Zukunftskoalition aus CDU, FDP und Grünen ist die Rede, davon, dass die Christdemokraten sich „modernisieren und erneuern“ wollen.
Klöckner selbst ließ es bis zum Abend offen, welche Rolle ihr dabei zukommen wird. Keine! Bei der Vorstandssitzung der Landes-CDU kündigte sie an, beim Landesparteitag im November nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren. Alles andere hätte die Partei nicht mitgemacht.
Klöckner war eine große Hoffnungsträgerin, als die sie vor elf Jahren aus dem Bundestag nach Rheinland-Pfalz geholt wurde. Sie hat damals die Landes-CDU geeint, ein Kraftakt. Zuletzt war ihr Stern im Sinkflug. Sie hat ihr Direktmandat in Bad Kreuznach verloren – ausgerechnet an Joe Weingarten, das Enfant terrible der rheinland-pfälzischen SPD. Bitter.
Heil und Bröhr holen Direktmandate
Interessant ist, wer bei gleichen Rahmenbedingungen das Direktmandat für die CDU verteidigt oder sogar erstmals geholt hat. Erstens: Mechthild Heil aus dem Ahrtal. Sie hat zu Jahresbeginn offen und klar erklärt, warum sie für Laschet und gegen Söder ist. Außerdem hat sie als erste den Rücktritt des CDU-Landrats Pföhler gefordert. Ihm werden schwere Versäumnisse in der Flutnacht vorgeworfen. Er ist dauerhaft erkrankt. Zweitens: Marlon Bröhr, der charismatische Landrat aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis, der mit den Parteistrukturen hadert.
Klarheit und Charisma. Damit punkten Christdemokraten. Klöckner blieb zuletzt unklar. Jetzt zieht sie die Konsequenz. Einfach wird es für die Landes-CDU aber nicht.