Politik Politische Kosmetik
Die Bilder sagen alles. In Ghanas Hauptstadt Accra warten ein paar Menschen am Straßenrand, um passieren zu können, als ein Konvoi mit unzähligen dunklen Limousinen vorbeirast. Keiner der Wartenden reagiert, keiner jubelt, keiner winkt. Ob sie nicht wissen, wer gerade vorbeirauscht? Melania Trump, im US-Politjargon „Flotus“ (kurz für „First Lady of the United States“) genannt, absolviert ihren ersten Solo-Besuch im Ausland. Die Freude der Ghanaer ist vergleichsweise gedämpft. Als vor neun Jahren in derselben Stadt Barack Obama mit seiner Frau Michelle auf Visite war, herrschte pure „Obama-Manie“. Warum Melania Trump, das 48-jährige Ex-Modell aus Slowenien, ausgerechnet Afrika als Ziel ihrer ersten diplomatischen Mission gewählt hat? Schließlich hatte ihr Ehemann den Kontinent im Januar als eine Ansammlung von „Shitholes“, von Dreckslöchern, bezeichnet. Ist der Trip von „Flotus“ etwa als weiterer Ausdruck der ihr bisweilen nachgesagten Renitenz zu werten? Dass sie sich vielleicht für so manche Ausfälligkeit ihres Mannes schämt und auch seine brachiale Haltung gegenüber Ausländern nicht teilt? Wie jüngst, als sie in Texas internierte Kinder illegaler mexikanischer Immigranten besuchte. Offiziell will die US-Regierung diese Botschaft senden: In Wahrheit liebt Familie Trump den „Shithole“-Kontinent, alles andere war doch „Fake News“. „Afrika ist wunderschön, der schönste Teil der Welt“, schwelgte Donald Trump bei der Bekanntgabe der Reise seiner Frau. Schwere politische Kost sind ihre Termine in Afrika aber nicht. Gleich nach der Landung in Accra ging es zur Kinderstation im „Ridge Hospital“, wo Melania Trump mit beiden Händen Teddybären austeilte. Auch bei den nächsten drei Etappen ihrer Reise durch den kinderreichen Kontinent – Malawi, Kenia und Ägypten – soll das Wohl der Kleinen im Vordergrund stehen. Peinlich ihre Garderobe beim Abflug: Safari-Gewand, Leoparden-Print-Stöckelschuhe. Damit jeder weiß, wo’s hingeht. Denn es geht ja um die Fernsehbilder für die Trump-Wähler in den USA. Was Afrika selbst betrifft, geht es allenfalls um politische Kosmetik. Denn während die EU und China ein Programm nach dem anderen für Afrika auflegen, fährt Donald Trumps Regierung den Etat der US-Entwicklungshilfe „USAID“ Zug um Zug zurück.