Atommüll-Endlager
Politisch Verantwortliche in der Pfalz geben sich gelassen
„Nein, das beunruhigt mich nicht“, sagte der Donnersberger Landrat Rainer Guth, nachdem der Donnersbergkreis mit östlichen und südöstlichen Gebieten auf der Karte auftaucht. Schon die Geologie mit ihrem Wildwuchs und dem Flickenteppich an Formationen in diesem Gebiet mache ihn sicher, dass keiner, der das ernsthaft untersuche, dieses Gebiet in die engere Wahl nehmen würde. Dieser Kelch werde am Donnersbergkreis vorübergehen. Gleichwohl behalte der Kreis das Thema im Auge und werde dazu auch Stellung nehmen.
Kein Grund für Panik
Dietmar Seefeldt, Landrat an der Südlichen Weinstraße, geht fest davon aus, dass der Oberrheingraben bei näherer Betrachtung als Standort für Atommüll ausscheidet. Er sei relativ dicht besiedelt, was in der zweiten Runde der Untersuchung Gegenstand der Beurteilung sein werde. Zudem gelte der Oberrheingraben als Erdbebengebiet. Deshalb stehe das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich nicht mehr. „Wir müssen gelassen bleiben, aber auch wachsam“, sagte Seefeldt.
Er lehne sich entspannt zurück, betonte Olaf Gouasé, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Edenkoben. Die erste Runde der Untersuchung sei eine rein geologische Vorsortierung, kein Grund für Panik oder Spekulationen. Zumal die Bundesgesellschaft halb Deutschland als Standorttauglich ausgerufen habe.
Viele Argumente gegen Standort in der Pfalz
Bad Dürkheims Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) kann sich „nicht vorstellen, dass der Landkreis tatsächlich in Frage kommt, wegen der hohen Bevölkerungsdichte und der Erschlossenheit der Region“. Es handle es sich um einen sehr komplexen Auswahlprozess, der bis zum Jahr 2031 dauern wird. In der Zeit werden noch viele weitere Kriterien wie unter anderem auch die Bevölkerungsdichte oder die Erdbebengefahr im Rheingraben mit in die Entscheidung einbezogen werden.
Der Dürkheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger war überrascht, Teile seines Wahlkreises auf der Karte der Bundesgesellschaft für Endlagerung zu finden: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Endlager in einem derart dicht besiedelten und geologisch aktiven Gebiet installiert wird.“ Es gebe sehr viele gute Argumente gegen einen Standort in der Pfalz. Diese würden im weiteren Prüfverfahren mit Sicherheit berücksichtigt.
„Es darf keine Tabus geben“
„Rund 50 Prozent der Fläche Deutschlands kommen für ein Endlager in Frage, da müssen wir noch nicht in Panik verfallen“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen aus Meckenheim. Es sei noch eine lange Zeit, bis eine Entscheidung falle. Für sie als waldpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion sei vor allem zu klären, welche Konsequenzen Atommüll auf den Pfälzerwald habe. Ein Endlager sei zudem in einer Tourismusregion schwierig zu vermitteln. „Die Generationen vor uns haben es sehenden Auges in Kauf genommen, dass wir mit dieser Frage umgehen müssen. Jetzt müssen wir alle dafür sorgen, einen geeigneten Platz zu finden. Da darf es keine Tabus geben“, so Mackensen.